11/10/2026
Die falschen Versprechen
Wie viele Antworten benötige ich noch, bevor ich meiner eigenen vertraue?
Donnerstagmittag. Ich wollte eine Entscheidung treffen. Ein Reel noch. Dann würde ich wissen, was richtig war.
Zuerst erklärte mir jemand, was mit meinem Leben nicht stimmte. Dann kam die Lösung. Freundlich verpackt. Ich wollte es glauben.
Die Botschaft darunter: So, wie du bist, fehlt dir etwas.
Ich schaute weiter. Sieben Meinungen zogen an mir. Ich las Erfahrungsberichte, öffnete YouTube und fragte eine KI.
Zwanzig Antworten später war mein eigenes Ja kaum noch zu hören.
Unter meinen Rippen wurde es eng. Was mir Sicherheit geben sollte, machte mich unsicherer. Trotzdem suchte ich weiter. Vielleicht würde die nächste Antwort reichen.
Doch wann hatte ich angefangen, fremden Menschen mehr zu glauben als mir selbst?
Dann legte ich das Handy weg.
«Warum soll jemand anderes die richtige Antwort für mich besitzen?»
Die Frage nahm mir keine Entscheidung ab. Aber sie brachte mich zurück zu dem, was ich selbst wahrnahm. Ich konnte tiefer atmen. Ich durfte einen Schritt wagen und später korrigieren. Auch ohne Garantie.
Aus diesem Moment entstand «Die falschen Versprechen».
Der Pilz lockt mit seinem leuchtenden Rot. Sein Preisschild macht daraus ein Angebot. Schön anzusehen. Doch schön ist nicht verlässlich.
Gelb, Rot, Schwarz und Weiss prallen aufeinander. Acrylfarbe und sichtbare Spuren stören die glatte Verführung. Das Werk zieht deinen Blick an und lässt Unruhe entstehen. Du schaust hin. Du beginnst, dem Versprechen Fragen zu stellen.
Dieses Bild ist für dich, wenn du vor Entscheidungen noch eine Meinung suchst, obwohl du längst ein Ja oder Nein in dir hast.
An deiner Wand kann es dich an den Moment erinnern, in dem Orientierung zur Unterordnung wird.
Du darfst Antworten prüfen. Du darfst Nein sagen. Du musst nicht alles wissen, um dir selbst wieder zuzuhören.
❤️