05/06/2026
Jahreskonferenz der Association of European Jewish Museums (AEJM) im POLIN Museum
In den nächsten Tagen treffen sich Kolleg:innnen aller Jüdischen Museen Europas zur Jahreskonferenz der Association of European Jewish Museums (AEJM) im POLIN Museum für die Geschichte der polnischen Juden (im Bild) in Warschau. Die AEJM wurde 1989 gegründet und stellt mit mehr als 70 Mitgliedsinstitutionen in Europa und auf anderen Kontinenten das weltweit größte Netzwerk jüdischer Museen dar. Seit 2024 ist unsere Direktorin Mirjam Wenzel Vorstandsvorsitzende der AEJM und eröffnet daher auch die Jahreskonferenz, die unter dem Motto „Jewish Museums and People“ steht. Das Programm der Konferenz baut unter anderem auf den Ergebnissen einer Befragung auf, die die AEJM im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Council of American Jewish Museums (CAJM) durchgeführt hat. Es handelt sich um die zweite Umfrage dieser Art seit dem 7. Oktober 2023, die zu folgendem Ergebnis kam:
Besonders auffällig ist der Anstieg antisemitischer Vorfälle, die in vielfältigen Ausprägungen gemeldet wurden und eine deutliche Mehrheit der Jüdischen Museen in Europa betreffen:
72 % berichteten von einer Zunahme negativer Darstellungen in den sozialen Medien (wobei 4 % zum ersten Mal damit konfrontiert waren);
60 % sahen sich mit einer Zunahme digitaler Hassreden konfrontiert;
60 % berichteten von abgesagten Partnerschaften oder Veranstaltungen, wobei diese entweder zunahmen oder zum ersten Mal auftraten;
44 % (insbesondere in den westeuropäischen Ländern) verzeichneten einen Rückgang der Besucherzahlen, in einigen Museen lag der Rückgang bei 30–40 %.
Folgendes waren die Reaktionen der Museen auf diese Entwicklungen:
64 % führten verstärkte Sicherheitsmaßnahmen ein;
44 % führten Mitarbeiterschulungen ein;
40 % bauten ihre Bildungsarbeit aus;
32 % gaben öffentliche Erklärungen ab.
Diese Maßnahmen sind nicht nur Reaktionen auf den zunehmenden Antisemitismus, sie zeugen auch von dem Versuch, die institutionelle Widerstandsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die öffentliche Präsenz aufrechtzuerhalten.
Insgesamt deuten die Ergebnisse auf grundlegende Veränderungen in der Wahrnehmung des jüdischen Erbes in Europa hin, die durch zunehmenden Antisemitismus, Misstrauen gegenüber öffentlichen Institutionen und ein nachlassendes Interesse an der jüdischen Kultur sowie an der Empathie gegenüber Juden und jüdischen Gemeinschaften gekennzeichnet sind.
www.aejm.org/aejm-membership-survey-2025-working-in-a-jewish-museum-since-october-7-2023/
Foto: Maciej Jezyk