13/09/2026
Martin H. Müller12.09.26 21:54
Milda Daunoraite kommt wieder auf die Insel!
Eine Konzerteinführung von Martin H. Müller.
(Diese Konzerteinführung können Sie sich auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu bitte HIER.)In den frühen Oktobertagen, wenn der Skulpturengarten von piano and art auf der Künstlerfinca Can Brut in jenes warme, leicht bernsteinfarbene Licht getaucht wird, das selbst den Stein zum Atmen bringt, tritt eine Pianistin auf, deren internationale Präsenz längst den Status eines jungen Wunders erreicht hat. Milda Daunoraite, litauische Künstlerin mit Londoner Ausbildung, studiert derzeit bei Tessa Nicholson an der Royal Academy of Music und gehört zu den wenigen, die dort ein ABRSM-Vollstipendium erhalten. Ihre Laufbahn ist von einer bemerkenswerten Großzügigkeit begleitet: Munster Trust, Keyboard Charitable Trust, die Hattori Foundation, die SOS Talents Foundation – MS und die M. Rostropovich Foundation haben sie gefördert, als hätten sie früh gespürt, dass hier eine Musikerin heranwächst, die nicht nur virtuos spielt, sondern Geschichten erzählt.
Ihre Auftritte wurden bereits in über vierzig Ländern ausgestrahlt, über Mezzo TV, Radio Classique und TV5 Monde, und die Liste ihrer Bühnen liest sich wie ein europäischer Atlas der Musik: Wigmore Hall, Spoleto Festival, Concertgebouw Amsterdam, UN-Hauptquartier Genf, Laeiszhalle, Elbphilharmonie, Palermo Classica, Biarritz Piano Festival, Deal Music & Arts Festival, Petworth Festival. Als Gewinnerin des V. Krainev-Wettbewerbs und des Sterndale-Bennett-Preises der Royal Academy spielte sie Ravels G-Dur-Konzert in der Queen Elizabeth Hall und Bacevičius’ viertes Klavierkonzert mit dem Litauischen Nationalorchester, europaweit übertragen von Euroradio. Ihre Zusammenarbeit mit Barbara Hannigan und Levon Chilingirian hat ihr Spiel um jene interpretatorische Tiefe bereichert, die man bei jungen Pianisten selten findet.
Im Skulpturengarten wird sie nun ein Programm entfalten, das wie ein musikalischer Roman wirkt, dessen Kapitel sich organisch ineinanderfügen. Beethoven eröffnet den Abend mit den ersten beiden Bagatellen, als würde er den Raum vorbereiten, bevor Schubert – in Liszts funkelnder Übertragung – mit „Die junge Nonne« eine erste lyrische Szene setzt. Rachmaninoffs Prélude Nr. 7 folgt wie ein dunkler, pulsierender Gedanke, Chopins zweite Ballade hebt an wie ein erzählerischer Sturm, und Rachmaninoffs Prélude Nr. 9 führt zurück in jene melancholische Klarheit, die schließlich in Schumanns zweiter Klaviersonate kulminiert, einem Werk, das Daunoraites Fähigkeit zur dramatischen Verdichtung besonders leuchten lässt.
Nach der Pause setzt Beethoven mit den Bagatellen Nr. 3 bis 5 einen neuen, fast kammermusikalischen Ton, bevor Rachmaninoffs Prélude Nr. 4 und Schuberts „Gretchen am Spinnrade« (wiederum in Liszts funkelnder Fassung) die emotionale Spannung verdichten. Beethoven kehrt mit den Bagatellen Nr. 6 und 7 zurück, als würde er den Faden des Abends neu knüpfen, Rachmaninoffs Prélude Nr. 10 schließt den romantischen Bogen, und Rautavaaras „Passionale« öffnet eine moderne, spirituell vibrierende Klangwelt, die schließlich in Schuberts „Forelle« endet – ein heiteres, fast augenzwinkerndes Nachspiel, das den Garten mit einem letzten musikalischen Lächeln erfüllt.
Die Konzerte finden am 2. und 3. Oktober um 18 Uhr sowie am 4. Oktober 2026 um 12 Uhr statt. Der Kostenbeitrag beträgt 50 €, inklusive Pausensnacks und Getränke. Reservierungen sind möglich unter [email protected], 0034 690 218 709, [email protected] oder 0049 151 12 75 78 03.