05/09/2026
1917 starben Albin Köbis (24) und Max Reichpietsch (22). Ein Kriegsgericht der Marine hatte sie wegen „kriegsverräterischen Aufstands“ in einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Der Chef der Hochseeflotte, Admiral Reinhard Scheer, hatte die Urteile bestätigt. Frühmorgens 1917 wurden Reichpietsch und Köbis auf dem Schießplatz Wahn bei Köln erschossen.
Beide Männer stammten aus Berlin und waren in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Sie waren noch zu Friedenszeiten freiwillig in die kaiserliche Marine eingetreten. Im Ersten Weltkrieg diente Köbis als Heizer auf der „Prinzregent Luitpold“, Reichpietsch war Matrose auf der „Friedrich der Große“. Die Großkampfschiffe gehörten zur deutschen Hochseeflotte, die kaum am Krieg teilnahm. Die Schiffe lagen die meiste Zeit in Wilhelmshaven.
Seit Ende 1916 gab es Unruhen in der Hochseeflotte. Die Mannschaften – viele waren Arbeiter – fühlten sich von den bürgerlichen und adligen Offizieren schikaniert. Das Essen wurde mit dem Kohlrübenwinter 1916/17 auch in der Marine schlecht. Während viele Matrosen und Heizer das Kriegsende herbeisehnten, hofften die Offiziere immer noch auf einen Siegfrieden.
Im Sommer 1917 mehrten sich die Protestaktionen auf den Schiffen der Flotte. Mannschaften verweigerten Befehle, verließen ihre Schiffe ohne Erlaubnis und versammelten sich in den Gaststätten des Wilhelmshavener Umlands. Sie forderten besseres Essen, eine würdige Behandlung und ein Ende des Krieges. Zu den Organisatoren der Proteste gehörten Köbis und Reichpietsch.
Nach der Hinrichtung von Reichpietsch und Köbis gingen die Unruhen in der Marine weiter. Im November 1918 lieferte der Matrosenaufstand in Kiel den Startschuss für die Novemberrevolution. Das Kaiserhaus wurde gestürzt. Der Erste Weltkrieg endete.
Im Abschiedsbrief an seine Eltern schrieb Reichpietsch: „Nun entschuldigt, daß ich nicht mehr schreibe, aber mir ist das Herz so schwer… Denn es ist traurig, als junger Mensch in der Blüte der Jahre, mit einem Herzen voll Hoffen und Sehnen, schon sterben zu müssen…“
Bild: Max Reichpietschs Grabstein auf dem Friedhof Köln-Wahn (DMM 2018-259-014)