Johanna-Stahl-Zentrum

Johanna-Stahl-Zentrum Das Johanna-Stahl-Zentrum ist der regionale Ansprechpartner für jüdische Geschichte in Unterfranken. Seine Arbeit spiegelt sich in den Medien wider.

Das Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken wurde in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde 1987 eröffnet. Es wird vom Bezirk Unterfranken und der Stadt Würzburg getragen und befindet sich im jüdischen Gemeindezentrum Shalom Europa. Im Jahr 2011 haben der Bezirk Unterfranken, die Stadt Würzburg und die Israelitische Kultusgemeinde einen neuen Kooperationsvertrag gesch

lossen. Seitdem trägt das Zentrum den Namen der Frauenrechtlerin und Journalistin Dr. Johanna Stahl. Das Zentrum dokumentiert die Geschichte der jüdischen Bevölkerung. Das kleine Team des Zentrums führt die Fachbibliothek und betreut die Sammlungen, es berät zum Thema, beantwortet Anfragen und vermittelt die jüdische Geschichte in Veranstaltungen und durch online-Angebote.

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum – Teil 7:Was macht diese Bluse so besonders? Für was steht dieses Kleidungsstück?Si...
03/08/2026

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum – Teil 7:

Was macht diese Bluse so besonders? Für was steht dieses Kleidungsstück?
Sie ist Teil einer besonderen Geschichte und gleichzeitig ein Verbindungsstück der Vergangenheit mit der Gegenwart. Sie schafft es Leute zusammenzubringen, sich mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen und ein Stück Hoffnung für die Zukunft zu geben.
Durch diese lange Suche sind Menschen zusammengekommen, die sich sonst nie begegnet wären, sie teilen eine Art stille Hoffnung die Welt ein bisschen besser zu machen.
Das kleine Mädchen von damals, die nichtsahnend diese Bluse trug, machte sich viele Jahre später auf die Suche und hat es geschafft den Nachkommen einen Teil ihrer Familie zurückzubringen. Die Nachfahren sind zutiefst berührt über den Weg, den dieses Kleidungsstück gegangen ist und freuen sich sehr, dass dadurch die Lebensgeschichte der Familie am Leben bleibt.
Wir freuen uns sehr, dass wir mit Rat und Tat zur Seite stehen konnten und geben gerne Einblick in unsere Arbeit im Johanna-Stahl-Zentrum.

27/07/2026

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum – Teil 6

Wie kam die Bluse zu der Frau aus Estenfeld?

Emma Löwenthal war im selben Jahr geboren wie die Großmutter der Anfragenden – und die beiden waren enge Freundinnen. Kurz bevor Emma und ihr Ehemann deportiert wurden, schenkte sie ihrer Freundin einige Kleidungsstücke. Sie ahnte, dass ihr etwas Schreckliches bevorstand.

Die Beschenkte war nach diesem Abschied zutiefst erschüttert. Sie sprach zunächst mit niemandem darüber und ließ ihre Kinder nicht einmal in das Zimmer, in dem die Kleidung aufbewahrt wurde. Erst viele Jahre später erzählte sie ihrer Tochter von den Ereignissen. Doch schon damals hatten die Kinder gespürt, dass etwas Furchtbares geschehen war.

Umso rätselhafter bleibt eine andere Frage: Woher kannte die Lehrerin diese Bluse? Waren sie und Lina vielleicht gemeinsam in einer Schulklasse? Gab es eine Verbindung über einen Verwandten der Lehrerin, der Schneidermeister war? Oder entstand der Kontakt im Rahmen eines Handarbeitsprojekts?

So viele Fragen – und vielleicht kennt jemand die Antworten.

Wer Hinweise zu diesem Kleidungsstück oder zu den beteiligten Personen hat, meldet sich bitte bei uns. Jeder noch so kleine Hinweis kann helfen, ein weiteres Stück dieser Geschichte zu rekonstruieren.

22/07/2026
21/07/2026

Mit großer Bestürzung haben wir von dem schweren Angriff auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Würzburg in Höchberg erfahren, das mutmaßlich wegen eines Israel-Ansteckers am Revers angegriffen und schwer verletzt wurde.

Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten. Wir wünschen ihm von Herzen eine schnelle und vollständige Genesung.

Wir stehen solidarisch an der Seite des Verletzten, seiner Angehörigen sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Würzburg.

Ein mutmaßlich antisemitisch motivierter Angriff auf einen Menschen erschüttert uns zutiefst. Antisemitismus, Hass und jede Form menschenfeindlicher Gewalt dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Das Johanna-Stahl-Zentrum steht für Erinnerungskultur, Menschenwürde, Dialog und den entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus.

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum Teil 5:Mitten in Würzburg und Estenfeld spielte sich einst das Leben der Familie Lö...
21/07/2026

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum Teil 5:

Mitten in Würzburg und Estenfeld spielte sich einst das Leben der Familie Löwenthal ab. Sie waren Nachbarn, Geschäftsleute, Teil der Dorfgemeinschaft – bis ihnen die Nationalsozialisten Schritt für Schritt ihre Heimat, ihre Rechte und schließlich ihr Leben nahmen.

Emma und Leo Löwenthal bauten sich nach ihrer Hochzeit 1913 zunächst in Würzburg eine Zukunft auf. Ihre Tochter Lina, liebevoll „Linchen“ genannt, wurde hier 1914 geboren. Ende 1918 kehrte die Familie nach Estenfeld zurück, wo Leo das Geschäft von Emmas Eltern weiterführte. Die Familie gehörte seit Generationen zum Ort – ihre Wurzeln reichten bis um 1800 zurück.

Als die Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung ausgrenzten und verfolgten, versuchten Emma und Leo verzweifelt, zu ihrer Tochter Lina in die USA auszureisen. Lina und ihr Ehemann Max Selig konnten 1940 über England fliehen und mit der „Samaria“ New York erreichen. Für ihre Eltern kam jede Hilfe zu spät.

Nachdem sie ihr Zuhause verloren hatten, wurden Emma und Leo aus Estenfeld vertrieben und in das jüdische Unterkunftsheim in der Bibrastraße in Würzburg eingewiesen. Obwohl Emma schwer herzkrank und kaum transportfähig war, wurden beide am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im Mai 1944 führte ihr Leidensweg weiter nach Auschwitz – von dort kehrten sie nie zurück.

Lina überlebte. Sie starb 2002 in Denver im Alter von 87 Jahren. Doch ihre Eltern konnten ihre Tochter nie wiedersehen.

Die Geschichte der Familie Löwenthal ist keine ferne Geschichte. Sie begann in den Straßen Würzburgs und in den Häusern Estenfelds. Sie erinnert uns daran, dass hinter jeder Deportationsliste Menschen standen – mit Familien, Träumen und einem Zuhause.

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum Teil 4:Wie finden wir die Lehrerin von damals wieder? Lebt Sie noch? Zuerst stellen...
13/07/2026

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum Teil 4:

Wie finden wir die Lehrerin von damals wieder?
Lebt Sie noch?
Zuerst stellen wir eine Anfrage bei der Meldebehörde der Stadt Würzburg, und siehe da, wir werden fündig, aber leider ist sie schon verstorben und jetzt?
Auf gut Glück fragen wir beim Hauptfriedhof an, ob sie dort beerdigt ist und das Grab noch existiert. Es ist noch da, doch wie treten wir mit den Nachkommen in Kontakt?
Wir hinterlassen bei der Friedhofsgärtnerei eine Nachricht und schildern unser Anliegen, eventuell melden sie sich.
Wissen Sie etwas von der Verbindung zwischen der Lehrerin und Lina Löwenthal?
Warum hat die Frau sichtlich betroffen in der Schule reagiert?
Was ist mit den Löwenthals passiert?
Warum ist die Bluse in den Besitz der Familie aus Estenfeld gekommen?
Fragen über Fragen, es gibt noch so viel herauszufinden.

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum Teil 3:Wie finden wir die Lehrerin, die die Bluse erkannt hat? Bekannt ist nur der ...
07/07/2026

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum Teil 3:
Wie finden wir die Lehrerin, die die Bluse erkannt hat? Bekannt ist nur der Nachname, also legen wir los, ganz normal in einem alten Adressbuch der Stadt Würzburg. Online gibt es mehrere alte Ausgaben zu finden, dort erscheint auch der Name, nur woher wissen wir, dass es die gesuchte Person ist? Wir benötigen noch einen Hinweis. Von der Schule gibt es alte Jahresberichte, da kann uns die Universitätsbibliothek oder das Stadtarchiv helfen. So beginnt die vor Ort Recherche, ab in den Lesesaal der UB und das Durchforsten der Schulberichte beginnt, und siehe da gleich bei dem ersten Heft werden wir fündig. Die Daten stimmen mit dem im Adressbuch überein. Wie geht es weiter? Mehr dazu im nächsten Teil.

30/06/2026
Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum - Teil 2Nachdem wir die ersten Hinweise erhalten hatten, begann die eigentliche Rec...
30/06/2026

Spurensuche im Johanna-Stahl-Zentrum - Teil 2

Nachdem wir die ersten Hinweise erhalten hatten, begann die eigentliche Recherche.

Die anfragende Person erzählte uns, dass sie als Schülerin von ihrer damaligen Lehrerin auf ihre Bluse angesprochen wurde. Die Lehrerin riet ihr, ihre Eltern nach der Geschichte dieses Kleidungsstücks zu fragen.

Zu Hause erfuhr sie schließlich, dass die Bluse einst der Familie Löwenthal gehört hatte. Ihre Großmutter war eng mit Emma Löwenthal befreundet – ein wichtiger erster Anhaltspunkt für unsere Nachforschungen.

Doch wie lässt sich mehr über die Familie herausfinden? Ein Blick in die „Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken“, die über unsere Homepage erreichbar ist, liefert erste biografische Informationen und hilft dabei, die Geschichte der Familie Stück für Stück zu rekonstruieren.

Und was ist mit der Lehrerin? Bislang kennen wir lediglich ihren Nachnamen. Reicht das aus, um mehr über sie zu erfahren? Genau dieser Frage gehen wir im nächsten Teil unserer Recherche nach.

Fortsetzung folgt …

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