01/09/2026
Heute bezieht Bernd Schwerings Farbsiebdruck „Vorbei-fahr-Landschaft - Morgen“ aus dem Jahr 1974 den Platz der Graphik des Monats in der Galerie im Park.
Bernd Schwering (1945–2019) studierte Graphik in Essen und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Sein frühes Werk ist wesentlich von der Frage geprägt, wie Landschaft wahrgenommen wird.
Die „Vorbeifahrlandschaften“ zeigen Landschaft gleichsam aus einem fahrenden Zug. Der Blick durch das Fenster macht die Welt zum vorüberziehenden Ausschnitt: Bewegung erzeugt Unschärfe, Nähe und Ferne werden unterschiedlich wahrgenommen. Bereits zuvor hatte Schwering Landschaften durch horizontale Lamellen gegliedert.
Die „Vorbei-fahr-Landschaft – Morgen“ von 1974 bündelt dieses Prinzip. Das Fenster muss dabei gar nicht sichtbar sein – es ist als unsichtbarer Rahmen des Blicks anwesend. Schwering malt damit nicht nur Landschaft, sondern macht die Bedingungen des Sehens selbst zum Thema.
Drei Künstler*innen – Drei Blicke auf die Welt
Bernd Schwering, Fedele Maura Friede und Sabine Hornig verbindet die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir sehen. Bei Schwering wird der Blick durch Bewegung und einen imaginären Fensterrahmen geprägt, bei Hornig wird das Fenster selbst zum räumlichen Gegenstand, bei Friede öffnet sich der Blick über die Grenzen eines festen Bildausschnitts hinaus.
Fedele Maura Friedes (* 1997) Ausstellungstitel „Über den Rand des Blickfeldes“ (bis 06.09.26) beschreibt ihre Arbeitsweise: Der Blick bleibt nicht bei einem festen Ausschnitt stehen, sondern wandert über dessen Grenzen hinaus. Landschaft wird dabei weniger abgebildet als neu wahrgenommen und konstruiert.
Für Sabine Hornig (* 1964) gehören Durchblick, Spiegelung, Innen und Außen zu den wiederkehrenden Themen. Für Viersen hat sie die Skulptur „Inverted Window“ geschaffen, die der Verein für Heimatpflege am 13.09.2026 der Stadt Viersen als Schenkung übergibt. Sie bezieht sich auf ein zugemauertes Fenster an der Südseite der Galerie und kehrt die Funktion des Fensters um: Die Fensterstruktur tritt aus der Architektur heraus und wird selbst zur Skulptur. Am 13. September erfolgt die Übergabe der begleitet von einer Ausstellung.