Freunde des Museumsbunkers Trappenkamp

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Moin liebe Freunde der Geschichte, heute vor 185 Jahren, am 26. August 1841, schrieb August Heinrich Hoffmann von Faller...
26/08/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte, heute vor 185 Jahren, am 26. August 1841, schrieb August Heinrich Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland das „Lied der Deutschen“. Heute kennen wir vor allem seine dritte Strophe „Einigkeit und Recht und Freiheit“ als deutsche Nationalhymne. Doch kaum ein deutsches Lied ist historisch so umstritten wie dieses. Besonders die erste Strophe mit den Worten „Deutschland, Deutschland über alles“ wird heute häufig als Ausdruck deutschen Größenwahns verstanden. Historisch ist das allerdings zu kurz gegriffen. 1841 existierte noch kein deutscher Nationalstaat. Deutschland war in 39 Staaten und freie Städte zersplittert. Hoffmann von Fallersleben wollte vor allem diese Kleinstaaterei überwinden und eine deutsche Einheit schaffen. Die berühmten geografischen Grenzen bezeichneten dabei im Wesentlichen den damaligen deutschen Sprach- und Siedlungsraum, nicht etwa einen Aufruf zur Eroberung Europas. Das macht die erste Strophe nicht automatisch zu einem Text, den wir heute wieder singen sollten. Denn die Nationalsozialisten missbrauchten sie massiv für ihre Propaganda und verbanden sie bei offiziellen Anlässen mit dem Horst-Wessel-Lied. Dadurch wurde die historische Bedeutung des Textes endgültig von seiner späteren Verwendung überlagert. Aber genau hier wird deutsche Geschichte spannend: Denn auch die DDR hatte eine deutsche Hymne. „Auferstanden aus Ruinen“ von Johannes R. Becher und Hanns Eisler entstand 1949 und ursprünglich war auch sie keineswegs nur als Hymne eines dauerhaft geteilten Staates gedacht. Im Auftrag zur Hymne sollten ausdrücklich Demokratie, Kultur, Wohlstand, Frieden, Völkerfreundschaft und die Einheit Deutschlands miteinander verbunden werden. Becher wollte sogar eine Hymne schaffen, die auch die Deutschen im Westen ansprechen konnte. Und dann steht dort dieser bemerkenswerte Satz: „Deutschland, einig Vaterland.“ Eine Zeile, die später zum Problem für die DDR-Führung wurde. Ab etwa 1970 verschwand der Text zunehmend aus dem öffentlichen Leben und die Hymne wurde nur noch instrumental gespielt. Und jetzt kommt für mich der interessanteste Gedanke: Was wäre, wenn man beide deutschen Hymnen nicht gegeneinanderstellen, sondern als Teile einer gemeinsamen Geschichte betrachten würde? Die eine entstand aus der Sehnsucht nach Einheit, Recht und Freiheit eines noch nicht geeinten Deutschlands. Die andere entstand aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs und der Hoffnung auf ein friedliches, geeintes Deutschland. Musikalisch gibt es sogar eine erstaunliche Verbindung: „Auferstanden aus Ruinen“ wurde so gedichtet, dass die ersten acht Zeilen jeder Strophe auf die Melodie des Deutschlandliedes gesungen werden können – und umgekehrt. Man könnte also theoretisch eine gemeinsame deutsche Hymne denken: „Auferstanden aus Ruinen“ als Auftakt als Erinnerung an die Katastrophe, aus der Deutschland wiederaufgebaut wurde. Danach „Einigkeit und Recht und Freiheit“ als Versprechen der demokratischen Bundesrepublik. Das wäre keine Rückkehr zur DDR und auch keine Rückkehr zu einem übersteigerten Nationalismus. Es wäre vielmehr ein musikalischer Dialog zwischen Ost und West, Diktatur und Demokratie, Zerstörung und Wiederaufbau, Teilung und Wiedervereinigung. Vielleicht wäre genau das eine wirklich gesamtdeutsche Hymne: Nicht eine, die einen Teil unserer Geschichte verdrängt, sondern eine, die die unterschiedlichen deutschen Erfahrungen zusammenführt. Was meint ihr? Sollten wir „Auferstanden aus Ruinen“ und das Deutschlandlied als zwei gegensätzliche Hymnen betrachten – oder könnten beide, gerade gemeinsam, ein Stück gesamtdeutscher Erinnerungskultur sein?
https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/185-jahre-deutschland-lied-murmeln-im-glanze,hymne160.html

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23/08/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

heute vor 80 Jahren, am 23. August 1946, wurde Schleswig-Holstein offiziell zum Land. Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschten Hunger, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig kamen zwischen 1944 und 1949 rund 1,1 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene nach Schleswig-Holstein.
Auch die Geschichte unseres Trappenkamps ist eng mit dieser Nachkriegszeit verbunden.

Wo heute unser Ort steht, befand sich zuvor das 1936 errichtete Marinesperrwaffenarsenal. Nach dem Krieg wurde das Arsenal von den Briten übernommen und schließlich geräumt. Danach wurden die ehemaligen Wehrmachtsgebäude zur Unterkunft für Heimatvertriebene und Flüchtlinge, insbesondere für Menschen aus dem Sudetenland und den ehemaligen deutschen Ostgebieten.

Diese Menschen kamen nicht in einen fertigen Ort. Sie mussten sich in einer völlig neuen Umgebung ein Leben aufbauen. Aus ehemaligen militärischen Anlagen, Bunkern und Baracken entstand nach und nach eine Siedlung. Besonders die Gablonzer Glasbläser aus dem Sudetenland prägten die weitere Entwicklung und bauten hier eine neue Existenz auf.

1956 wurde aus der Siedlung schließlich die selbstständige Gemeinde Trappenkamp – damals mit rund 900 Einwohnern.
Wenn wir heute durch Trappenkamp gehen, erinnern viele Spuren noch an diese ungewöhnliche Entstehungsgeschichte: unsere Straßen, die ehemaligen Bunker und natürlich der Museumsbunker erzählen davon, wie aus einem militärischen Sperrwaffenarsenal ein Ort zum Leben wurde.

Trappenkamp ist damit auch ein Stück schleswig-holsteinische Nachkriegsgeschichte. Die Menschen, die als Vertriebene hierherkamen, waren nicht nur Teil einer großen Fluchtbewegung, sie wurden zu den Menschen, die unseren Ort mit aufgebaut und geprägt haben.

80 Jahre Schleswig-Holstein sind deshalb auch ein guter Anlass, sich daran zu erinnern, woher unser eigener Ort kommt.

13/08/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

heute jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 65. Mal. Am 13. August 1961 begann die DDR damit, Berlin mit Stacheldraht, Sperranlagen und schließlich einer gewaltigen Betonmauer zu teilen.

Was zunächst wie eine improvisierte Abriegelung begann, wurde zu einem Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Familien, Freunde und Liebende wurden voneinander getrennt. Menschen verloren ihre Arbeitsplätze, ihre Bewegungsfreiheit und für viele Jahre die Möglichkeit, ihre Angehörigen einfach zu besuchen.

Die Mauer war dabei nicht – wie die DDR-Propaganda behauptete – ein „antifaschistischer Schutzwall“. Sie sollte vor allem verhindern, dass Menschen die DDR verlassen konnten. Wer die Grenze überwinden wollte, riskierte Gefängnis, Haft oder sogar sein Leben. Zahlreiche Menschen wurden bei Fluchtversuchen getötet.

Doch die Geschichte der Berliner Mauer ist auch eine Geschichte des Widerstands und der Hoffnung. Tunnel wurden gegraben, Fluchtversuche gewagt, Proteste organisiert und immer wieder der Wunsch nach Freiheit ausgesprochen.

Am 9. November 1989 fiel die Mauer schließlich. Ein Bauwerk, das scheinbar für die Ewigkeit errichtet worden war, zerbrach innerhalb weniger Stunden an einer friedlichen Revolution und am Willen der Menschen.

65 Jahre nach ihrem Bau sollten wir uns daran erinnern, was diese Mauer bedeutete: Teilung, Unfreiheit und staatliche Gewalt – aber auch Mut, Zivilcourage und letztlich den Sieg der Freiheit.

Geschichte ist nicht nur Vergangenheit. Sie erinnert uns daran, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind.

Nie wieder Mauern zwischen Menschen. Nie wieder einen Staat, der seine Bürger einsperrt, um sein eigenes System zu erhalten.

21/07/2026
20/07/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

jedes Jahr am 20. Juli wird Claus Schenk Graf von Stauffenberg zum größten Helden des deutschen Widerstands stilisiert. Doch diese Erzählung greift viel zu kurz.

Ja, Stauffenberg bewies Mut. Er war bereit, sein Leben für das Attentat auf Hi**er zu opfern. Dafür verdient er Anerkennung. Aber daraus einen Vorkämpfer für Demokratie und Freiheit zu machen, ist historisch schlicht falsch.

Stauffenberg war kein Demokrat. Er entstammte der konservativ-nationalen Elite, stand der Weimarer Republik ablehnend gegenüber und begrüßte viele Ziele des Nationalsozialismus zunächst durchaus. Erst als die militärische Niederlage Deutschlands absehbar war und Hi**er das Land in den Untergang führte, entschloss er sich zum Widerstand. Sein Ziel war vor allem ein anderes Deutschland ohne Hi**er, nicht zwangsläufig ein demokratisches Deutschland.

Wenn wir nach echten Vorbildern des Widerstands suchen, sollten wir deshalb viel häufiger über Georg Elser sprechen. Ein einfacher Schreiner, der schon 1939, als Hi**er auf dem Höhepunkt seiner Popularität war,ganz allein versuchte, den Diktator zu töten. Nicht aus Karrieregründen, nicht aus Sorge um die militärische Lage, sondern weil er Krieg, Terror und Diktatur verhindern wollte.

Oder denken wir an die Weiße Rose. Junge Menschen wie Hans und Sophie Scholl, die wussten, dass ihre Flugblätter sie das Leben kosten konnten. Sie kämpften aus moralischer Überzeugung gegen Menschenverachtung, Krieg und staatlichen Terror, ohne Macht, ohne Einfluss und ohne die Hoffnung auf persönlichen Vorteil.

Der deutsche Widerstand bestand nicht nur aus Generälen und Adligen. Er bestand auch aus Arbeitern, Studierenden, Geistlichen, Gewerkschaftern, Sozialdemokraten, Kommunisten und vielen anderen, die oft viel früher den Mut hatten, Nein zu sagen. Viele von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben und werden bis heute weit weniger gewürdigt als Stauffenberg.

Vielleicht ist es an der Zeit, unsere Erinnerungskultur zu erweitern. Stauffenberg war Teil des Widerstands – aber er war weder dessen Anfang noch sein moralischer Maßstab. Wer den 20. Juli begeht, sollte auch an jene erinnern, die schon Widerstand leisteten, als große Teile der militärischen und konservativen Eliten Hi**er noch unterstützten.

22/06/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

heute am 22. Juni jährt sich zum 85. Mal der Beginn der Operation Barbarossa, diese markierte den Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion.

Mit diesem Angriff entfesselte das nationalsozialistische Deutschland einen beispiellosen Vernichtungskrieg im Osten Europas. Es ging nicht allein um militärische Ziele, sondern um Eroberung, Unterwerfung und die Umsetzung der rassistischen Ideologie des NS-Regimes. Millionen Soldaten und Zivilisten verloren ihr Leben. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht, Menschen verhungerten, wurden deportiert oder ermordet.

Die Verbrechen der Wehrmacht, der SS und der Einsatzgruppen hinterließen eine Spur des Leids, die bis heute nachwirkt. Der Krieg gegen die Sowjetunion wurde zu einem der größten Menschheitsverbrechen der Geschichte. Allein auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion starben über 20 Millionen Menschen.

Der 22. Juni 1941 erinnert uns daran, wohin Nationalismus, Rassenwahn, Menschenverachtung und diktatorische Herrschaft führen können. Erinnerung bedeutet nicht, Schuld zu erben. Erinnerung bedeutet Verantwortung zu übernehmen, aus der Geschichte zu lernen und jeder Form von Krieg, Hass und Faschismus entschieden entgegenzutreten.

Wir gedenken heute aller Opfer dieses Vernichtungskrieges und mahnen: Nie wieder darf von deutschem Boden ein solcher Krieg ausgehen.

31/05/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

heute jährt sich die Skagerrakschlacht zum 110. Mal.Sie gilt als die größte Seeschlacht des Ersten Weltkriegs. Vom 31. Mai bis 1. Juni 1916 trafen vor der Küste Jütlands die deutsche Hochseeflotte und die britische Grand Fleet in einer gewaltigen Materialschlacht aufeinander. Über 8.500 Menschen verloren innerhalb weniger Stunden ihr Leben. Tausende junge Männer verschwanden mit ihren Schiffen in den kalten Fluten der Nordsee.

Bis heute wurde die Schlacht oft national verklärt, mal als „ehrenvoller deutscher Sieg“, mal als Symbol britischer Seemacht. Doch hinter Stahl, Flaggen und patriotischen Mythen stand vor allem eine grausame Realität: Menschen wurden von den politischen und militärischen Eliten Europas in einen industrialisierten Krieg geschickt, dessen Sinn sich zwischen Rauch, Feuer und sinkenden Schiffen verlor.

Die Skagerrakschlacht änderte den Kriegsverlauf kaum. Sie brachte keinen entscheidenden Sieg, keine bessere Zukunft und keinen Frieden. Stattdessen wurde sie Teil eines jahrelangen Stellungskrieges, der Millionen Menschen das Leben kostete und Europa traumatisiert zurückließ.

Gerade deshalb sollte Gedenken heute nicht bedeuten, Kriegsschiffe und Kanonen zu romantisieren. Es sollte bedeuten, an die Opfer zu erinnern, an die Matrosen beider Seiten, die oft kaum älter als zwanzig Jahre waren und in einer Nacht aus Stahl und Feuer starben.

Geschichte mahnt uns: Nationalismus, Machtpolitik und militärischer Größenwahn enden selten in Ruhm, aber fast immer in Leid. Die Nordsee wurde 1916 zum Massengrab einer Generation. Das sollten wir 110 Jahre später nicht vergessen.

27/05/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

am 27. Mai 1941, vor 85 Jahren, sank das deutsche Schlachtschiff Bismarck nach einer tagelangen Jagd im Atlantik. Von über 2.200 Besatzungsmitgliedern überlebten nur etwas mehr als 100 Seeleute. Tausende junge Männer verloren in den eisigen Fluten des Nordatlantiks ihr Leben. Opfer eines Krieges, den das nationalsozialistische Regime entfesselt hatte.

Bis heute wird die Bismarck oft verklärt als Symbol deutscher Stärke, militärischer Größe oder „ritterlicher Seekriegsführung“. Doch gerade an einem Jahrestag wie diesem darf man nicht vergessen, wofür dieses Schiff tatsächlich stand: für den Expansions- und Vernichtungskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands. Die Bismarck war kein romantisches Abenteuer auf hoher See, sondern ein Werkzeug eines Regimes, das Europa mit Terror, Besatzung, Massenmord und Krieg überzog.

Natürlich dürfen wir der Besatzung gedenken. Viele der Männer an Bord waren kaum älter als zwanzig Jahre. Sie starben fern der Heimat in einem gigantischen Krieg, dessen Folgen Millionen Menschen das Leben kosteten. Ihr Leid und ihr Tod verdienen Mitgefühl. Aber ehrliches Gedenken bedeutet eben auch, die historischen Zusammenhänge klar zu benennen und nicht in militärische Nostalgie oder Verherrlichung abzurutschen.

Die Jagd auf die Bismarck zeigte zugleich die Brutalität des Seekrieges. Britische und deutsche Seeleute kämpften unter extremen Bedingungen gegeneinander, oft mit gegenseitigem Respekt, aber eingebunden in einen Krieg, der von den Nationalsozialisten entfesselt worden war. Der Untergang der Bismarck war deshalb nicht nur das Ende eines Schlachtschiffes, sondern auch ein Symbol dafür, wie zerstörerisch Größenwahn, Militarismus und Diktatur für ganz Europa wurden.

Gerade heute, in einer Zeit, in der manche versuchen, die Geschichte umzudeuten oder den Zweiten Weltkrieg zu romantisieren, bleibt die Erinnerung wichtig: Krieg ist kein Abenteuer. Hinter jedem Stahlkoloss stehen Menschenleben, Leid und Trauer.

Wir gedenken heute der Toten auf allen Seiten dieser Ereignisse – ohne Verklärung, aber mit historischem Bewusstsein.

08/05/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

heute erinnern wir an den 81. Jahrestag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945.

Auch Schleswig-Holstein stand damals vor gewaltigen Herausforderungen. Viele Städte, darunter Lübeck, waren durch Bombenangriffe schwer zerstört. Gleichzeitig erreichten hunderttausende Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten das Land. Hunger, Wohnungsnot und Unsicherheit prägten den Alltag der Menschen.

Trotz aller Not begann mit dem 8. Mai 1945 auch ein Neuanfang. Aus den Trümmern entstanden neue Gemeinden, neue Begegnungen und schließlich ein friedliches demokratisches Deutschland.

Der 8. Mai bleibt deshalb ein Tag der Erinnerung, der Mahnung und der Verantwortung: Nie wieder Krieg. Nie wieder Faschismus.

26/04/2026

Moin liebe Freunde der Geschichte,

heute, am 40. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl, erinnern wir an eines der schwersten Unglücke der Menschheitsgeschichte. In der Nacht vom 26. April 1986 explodierte Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl. Eine radioaktive Wolke zog über weite Teile Europas und machte deutlich, dass technische Fehler und menschliches Versagen katastrophale Folgen haben können.

Doch heute gilt unser besonderer Blick jenen, die sich der Hölle entgegenstellten: den Liquidatoren.

Hunderttausende Männer und Frauen – Feuerwehrleute, Soldaten, Ingenieure, Bergarbeiter und Freiwillige – wurden mobilisiert, um die Folgen einzudämmen. Sie löschten Brände, räumten verseuchtes Material weg, errichteten den Sarkophag und verhinderten eine noch größere Katastrophe.

Besonders dramatisch waren die Einsätze auf dem Dach von Reaktor 3 und den angrenzenden Gebäuden. Dort lagen hochradioaktive Graphitbrocken aus dem explodierten Reaktor. Die Strahlung war so extrem, dass ferngesteuerte Roboter und andere Maschinen innerhalb kürzester Zeit versagten. Elektronik fiel aus, Steuerungen spielten verrückt – die Technik kapitulierte vor der unsichtbaren Gefahr.

Also mussten Menschen dorthin, wo eigentlich keine Menschen hätten hingehen dürfen.

Jeder Liquidator hatte auf dem Dach nur ein winziges Zeitfenster: meist zwischen 60 und 90 Sekunden. In dieser Zeit mussten sie hinauslaufen, Graphitstücke mit Schaufeln über die Kante stoßen und sofort zurückkehren. Schutzkleidung bot kaum mehr als symbolischen Schutz gegen die tödliche Strahlung. Jeder dieser Läufe bedeutete eine enorme Strahlenbelastung.

Diese Männer wurden später oft als "Bio-Roboter" bezeichnet – ein kalter Begriff für Menschen, die unter unvorstellbaren Bedingungen handelten. Viele von ihnen bezahlten ihren Einsatz mit schwersten gesundheitlichen Schäden, viele verloren ihr Leben.

Ohne ihren Mut hätte die Katastrophe ein noch weit größeres Ausmaß angenommen. Sie schützten nicht nur die Sowjetunion, sondern ganz Europa vor noch verheerenderen Folgen.

Tschernobyl ist mehr als nur ein Ort. Es ist eine Mahnung über die Risiken technologischer Hybris – und ein Denkmal für außergewöhnlichen Mut, Pflichtbewusstsein und Opferbereitschaft.

Wir vergessen euch nicht.

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