02/09/2026
Obwohl der Porsche 917 bereits im März 1969 auf dem Genfer Automobilsalon debütierte und rund einen Monat später für die Teilnahme an der Sportwagen-Meisterschaft homologiert wurde, dauerte es bis zum sechsten Rennen der Saison im belgischen Spa-Francorchamps am 10. Mai, ehe das Werksteam aus Zuffenhausen erstmals mit diesem Auto an den Start rollte. Gerhard Mitter und Udo Schütz teilten sich die Arbeit hinter dem Lenkrad, fielen jedoch aufgrund eines gebrochenen Ventils aus. Zudem beschwerten sich beide Fahrer über das schwierige Fahrzeug-Handling - eine Meinung, die auch von anderen Werksfahrern geteilt wurde. Dies drückte sich beim kommenden Rennen auf dem Nürburgring dadurch aus, dass die meisten auf den älteren Porsche 908 setzten und keine Lust auf den 917 hatten. Bei den 24 Stunden von Le Mans lief es für den 917 in seiner ursprünglichen Langheck-Variante ebenfalls nicht gut. Besonders bei hohen Geschwindigkeiten brauchten die Fahrer die komplette Streckenbreite, um den 917 auf Kurs zu halten - erreichten auf der Hunaudiéres aber auch annähernd 400 km/h.
Nach einem Ausflug auf die andere Seite des Atlantiks nach Watkins Glen ging es für die Sportwagen-Meisterschaft schließlich zum Saisonfinale 1969 nach Zeltweg in Österreich. Dort entstanden auch die beiden Fotos in diesem Posting, die den 917 von Kurt Ahrens und Jo Siffert mit der Startnummer 29 zeigen. Das Duo verhalf dem V12-Rennwagen dort zum ersten großen internationalen Sieg.
Nach dem Rennen nutzte das werksunterstützte JW Automotive Engineering (JWA) Rennteam die Möglichkeit, für intensive Testfahrten an der österreichischen Rennstrecke zu bleiben. Dabei identifizierten die Ingenieure schnell das Heck als Ursache für das bis dahin unberechenbare Fahrverhalten. Speziell bei hohen Geschwindigkeiten traf der Fahrtwind nicht mehr auf die Karosserie und somit auch nicht auf die Bespoilerung, womit dort keinerlei Anpressdruck erzeugt werden konnte. Kurzerhand griffen die Mechaniker zur Säge, kürzten das Heck ein und nieteten anschließend testweise Metallplatten an, die man in einem nahegelegenen Baumarkt erworben hatte. Am Ende war nicht nur das Fahrverhalten viel besser, sondern der 917 auch noch schneller als je zuvor. Abends berichtete man dem damaligen Leiter der Motorsport-Abteilung von Porsche, Ferdinand Piëch, am Telefon: "Wir haben eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass das Auto vier Sekunden pro Runde schneller ist. Die Schlechte: Das Heck sieht furchtbar aus." Bis zum Saisonbeginn 1970 hatte man auch dieses Problem durch die Gestaltung der neuen Karosserien für den 917 K (Kurzheck) und 917 LH (Langheck) gelöst.