21/05/2026
Das Pferd als Kriegskamerad
Nur etwa 100 Jahre lang gab es das Unterbadische Kaltblut. Als sanftmütiges Lasten- und Arbeitspferd gezüchtet wurde das Kaltblut immer wieder prämiert - nicht nur auf dem Sinsheimer Fohlenmarkt, sondern in der ganzen Region. Die Vorteile der Pferde lagen auch für das Militär auf der Hand. So mancher Landwirt im Kraichgau musste seinen treuen Gaul den Kriegsmühen im ersten und zweiten Weltkrieg opfern. Einige findigen Besitzer stachelten das Tier mit Juckpulver und anderen Tricks kurz vor der Musterung auf, um ihre Gefährten nicht in die Schlacht schicken zu müssen. Gelang der Trick, dann wurde das Pferd als "bösartig" eingestuft und galt für den Kriegseinsatz als untauglich.
Dennoch mussten viele Tauben, Hunde und Pferde in den Krieg ihrer menschlichen Herren ziehen. Allein im Zweiten Weltkrieg - bei dem die Wehrmacht als hochmotorisiert galt - kamen fast 3 Millionen Pferde zum Einsatz und mehr als die Hälfte davon wurde getötet. Nicht wenige davon starben an Erschöpfung oder Mangelernährung. Weil die Tiere denselben Gefahren ausgesetzt waren, wie die menschlichen Kriegsteilnehmer, wurden für sie in beiden Kriegen spezielle Pferdegasmasken angefertigt.
Ein Exemplar, das wir leihweise vom Westfälischen Pferdemuseum in Münster bekommen haben, zeigt wie strapaziös das Tragen der schweren, großen Masken gewesen sein muss. Wenn einmal ein Pferd die Torturen, die Granaten und den Beschuss überlebt hatten, dann kamen sie mit einer kleinen Emaille-Plakette nach Hause, auf der sie als "Kriegskameraden" geehrt wurden.
Mehr über das Unterbadische Kaltblut und seinen Einsatz in Krieg und Frieden könnt ihr noch bis kommenden Montag in der kostenfreien Sonderausstellung "Das Unterbadische Kaltblut - Mehr als ein Ackergaul" erfahren. Kommt vorbei, bevor es zu spät ist!