WALTER BERNSTEIN - Heimkehr und Hommage
DAS PROJEKT zum 115. Die Heimkehr des verlorenen Sohnes war seine liebste Bibelgeschichte, seine eigene Heimkehr 1945 in der sog. Stunde Null war die persönliche Weichenstellung seines Lebens. Wanderjahre hatten ihn über Nürnberg nach Berlin geführt. Sein Leben hatte mit dem Studiu
m an der Akademie bei Hans Meid, mit ersten Erfolgen und erstem Eheglück bereits eine Form, die durch den Tod der jungen Frau und seinen Auszug an die Front jäh zerschlagen wurde. Einer, der den Tanz und das Theater liebte, Käthe Kollwitz und Max Slevogt verehrte, den Matthias Claudius und Berthold Brecht inspirierten, der kehrt nach sechs Jahren des Umherirrens in den Wirren des Krieges in seine Heimat an die Saar zurück. Er knüpft an dem an, was in Berlin zerstört worden war. Die Landschaft der neunen alten Heimat wird nicht von Seenplatten, sondern von Hütten- und Grubenanlagen geformt. Walter Bernstein zeichnet unmittelbar am Abstich und er zeichnet unter Tage. Er schafft DIE Ikone des Bergmanns oszillierend zwischen Individualität und Stilisierung. Er nimmt seine Aufgaben ernst und das Leben nimmt ihn ernst. Menschen in Leid und Not werden ihm wichtige Themen, wie die ohne Heimkehr der Zypernkrise 1974. Zu Hause ist es das Leid des einzigen Sohnes, dessen „Heimkehr“ unerbittlich näher rückt. Michael stirbt mit 32 Jahren, ein Jahr vor seinem Vater. Walter Bernstein hat malen gelernt, naturalistisch, pointilistisch, kubistisch, expressiv, neu sachlich, abstrakt … das betrachtete er als Handwerkszeug: Stil an und für sich hatte keine Bedeutung. Je nach Thema und Aufgabe bediente er sich an seinem eigenen Können. Dem künstlerischen Schaffen und dem Menschen Walter Bernstein möchte die 2013 gegründete Förderstiftung den angemessenen Ort im kulturellen Gedächtnisland sichern. Das Projekt Walter Bernstein zum 115. Geburtstag startet am 17. Juni 2016, am Tag seiner Geburt. Bei seinen Sammlern hat Walter Bernstein nie an Bedeutung verloren – im öffentlichen Bewusstsein geriet er jedoch in Vergessenheit. Eine Werkschau des Künstlers zeigt mit etwa 100 Exponaten die Bandbreite seines Schaffens und gibt Einblick in die vom Krieg geprägte Vita. In einem dokumentarischen Filmbeitrag bringen Zeitzeugen uns dem Menschen Walter Bernstein näher.
.. & HOMMAGE
Ihm zu Ehren zeigt der international tätige Bildhauer Johannes von Stumm Skulpturen nicht nur aus Stahl. In München und im Alpenland aufgewachsen hat er die Bindung an Familientradition bewahrt. Seine Vorfahren väterlicherseits einschließlich seines Urgroßonkels Karl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg waren für hunderte von Jahren Schmiede und Eisenhüttenbesitzer. Er schweißt und schleift, er arbeitet in Schutzanzug und -brille eher in seiner Werkstatt als in einem Atelier. Stahl steht in seiner Verarbeitung für die Moderne. Es mag einen gewissen Fortschrittsglauben verkörpern und Stabilität. Aber die schöpferischen Kräfte des Menschen sind uralt und der menschliche Geist ist schillernd. So suchte von Stumm die Verbindung des Stahls mit dem Jahrmillionen alten Muschelkalk und dem fragil erscheinenden Glas (glasa = das Glänzende, auch "Bernstein"). Zeit, Licht, Bewegung - Glas ist eine feste Flüssigkeit, der geronnene Augenblick, der Stein ein Zeitspeicher und der aus Erz gewonnene Stahl zeugt von menschlichem Denken. Eine weitere Facette der Hommage zeigen 10 Künstlerinnen und Künstler mit ihrer Malerei anlässlich des 1. Walter Bernstein Kunstpreises:
Sabine Groll
1962 Koblenz, Studium an der Werbefachlichen Akademie Köln, lebt und arbeitet in Blieskastel
Juliana Hümpfner
1961 Buchenbach/Hohenlohekreis, Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, lebt und arbeitet in Saarbrücken
Vera Kattler
1965 Wadgassen, Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, lebt und arbeitet in Saarbrücken und Püttlingen
Gisela Zimmermann
1965 Merzig, Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, lebt und arbeitet in Saarbrücken
Marianne Aatz
1929 Heiligenwald/Gemeinde Schiffweiler, Studium an der Schule für Kunst und Handwerk Saarbrücken und an der Grande Chaumière Paris, lebt und arbeitet in Oberlöstern/Wadern
Margit Bauer
1950 Bad Brückenau/Unterfranken, Studium der Kunstgeschichte an der freien Kunstschule Zürich, lebt und arbeitet in Neunkirchen
Ruth Engelmann-Nünninghoff
1951 Köln, Studium an der Werkkunstschule Köln, lebt und arbeitet in Bexbach-Frankenholz
Mane Hellenthal
1957 Saarbrücken, Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, lebt und arbeitet in Saarbrücken
Hans Huwer
1953 Oberthal, Studium an der Fachhochschule für Design Saarbrücken, lebt und arbeitet in Spiesen
Armin Rohr
Hemsbach über Weinheim, Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, lebt und arbeitet in Saarbrücken
Zuletzt beschäftigten sich auch die Schüler und Schülerinnen der Region mit Bernsteins Werk und der Frage: „Wie stellst du dir den Erlebnisort Reden in 10 Jahren vor.“