01/09/2026
Heute beginnt meteorologisch der Herbst. In Renoirs „Der Birnbaum“ von 1877 lenkt der gewundene Baumstamm rechts den Blick zur Bildmitte, wo unvermischtes Schwarz schattige Partien akzentuiert. Das vom herbstlichen Wind bewegte Laub ist in pastosen, staccatoartigen Pinselzügen aus leuchtendem Gelb und Orange erfasst und kontrastiert mit dem kühlen Blau des Himmels und dem satten Grün der Wiese. Grelle Farben und die freie, sichtbar gesetzte Pinselführung kennzeichnen die Bildsprache des Hochimpressionismus, dessen Entwicklung Renoir gemeinsam mit Monet und anderen Kollegen seit Mitte der 1870er Jahre maßgeblich prägte.
Das Gemälde entstand 1877 in Louveciennes, rund 20 Kilometer westlich von Paris, einer Landschaft, in der auch Monet, Sisley und Camille Pissarro wiederholt arbeiteten. Renoirs künstlerische Entwicklung war wesentlich durch seine frühen Erfahrungen mit der Freilichtmalerei bestimmt. Im Pariser Atelier des Schweizer Historienmalers Charles Gleyre hatte er Anfang der 1860er Jahre gemeinsam mit Frédéric Bazille, Claude Monet und Alfred Sisley studiert. Anders als die akademische Tradition nutzte er die Arbeit unter freiem Himmel nicht nur für Studien, sondern für eigenständige Gemälde.
„Der Birnbaum“ gehört heute mit sechs weiteren Werken Renoirs zur impressionistischen und postimpressionistischen Sammlung des Museumsgründers Hasso Plattner im Museum Barberini in Potsdam. Mit 115 Gemälden von 23 Künstlerinnen und Künstlern – darunter Monet, Renoir, Morisot, Sisley, Pissarro, Cross und Signac – bietet sie einen außergewöhnlich umfassenden Überblick über die französische Landschaftsmalerei. Allein 40 Werke von Claude Monet machen Potsdam außerhalb von Paris zu einem der bedeutendsten Orte für impressionistische Landschaftskunst.
Pierre-Auguste Renoir, Der Birnbaum, 1877, Sammlung Hasso Plattner, Museum Barberini