30/07/2026
Beim 9. durften wir gemeinsam mit anderen Münchner Kulturinstitutionen noch vor der Wiedereröffnung einen Blick hinter die Kulissen des neu gestalteten Valentin-Karlstadt-Musäum werfen. 👀
Ein besonderer Schwerpunkt des sanierten Museums ist die neue Dauerausstellung "Liesl Karlstadt – Flug zum Mond". Sie macht deutlich, dass Liesl Karlstadt weit mehr war als die Bühnenpartnerin von Karl Valentin. Als Schauspielerin, Komikerin und Künstlerin prägte sie das gemeinsame Werk entscheidend mit und verfolgte zugleich ihren eigenen Weg. Die Ausstellung erzählt von ihren künstlerischen Anfängen, ihrem Mut, immer wieder Neues auszuprobieren, ihren Erfolgen, aber auch von Krisen und persönlichen Herausforderungen. So entsteht das Porträt einer außergewöhnlichen Frau, deren Geschichte lange hinter der ihres berühmten Partners zurücktrat.
In der neu gestalteten Ausstellung "Karl Valentin" befindet sich auch Karl Valentins Fotomontage "München, Lenbachplatz mit Wolkenkratzer" aus dem Jahr 1921. 📷
Das Motiv zeigt auch einen Ort, der für das jüdische München von zentraler Bedeutung war: die ehemalige Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße. Die scheinbar spielerische Zukunftsvision dokumentiert nebenbei die Geschichte eines konkreten Ortes in München. Wolkenkratzer hinter der Frauenkirche? Valentin setzt mit seiner Ansichtskarte den Zeitgenossen diese Fantasie als reales Stadtbild vor, ähnlich dem Manhattan seiner Zeit. Fand der Künstler die Vision bedrohlich oder aufregend? München kannte 1921 keine Wolkenkratzer; das erste Hochhaus wurde 1929 fertig. Für seine "AR-Darstellung" wählte Valentin das verbreitete Ensemble von Künstlerhaus, Hauptsynagoge und Frauenkirche, dem Wahrzeichen der Landeshauptstadt. Mit seiner Sammlung alter Münchner Ansichten, heute im Stadtarchiv zugänglich, dokumentierte Valentin verschwundene Orte. Was 1921 noch keiner wusste: Staatlicher Terror löschte die große Synagoge im Juni 1938 für immer aus dem Stadtbild.
Vielen Dank an das Valentin-Karlstadt-Musäum für die spannende Führung und die interessanten Einblicke. 💛
Abb. 1: Liesl Karlstadt und Karl Valentin bei Schallplattenaufnahmen, 1929. Valentin-Karlstadt-Musaeum / Abb. 2-3: Ausstellungsansichten "Liesl Karlstadt – Flug zum Mond" / Abb. 3: Karl Valentin, München, Lenbachplatz mit Wolkenkratzer, um 1921, Valentin-Karlstadt-Musäum, München