Die Windmühle
Die Westhoyeler Windmühle wurde 1870 vom Bauern Mölk (vormals Westhoyel Nr. 5) erbaut. Die Hofstätte lag etwa 150 m südöstlich von der Windmühle entfernt, sie ist heute nicht mehr vorhanden. Infolge von mehrfachen Besitztumswechseln (Mölk-Heilmann-Münchmeyer-Heilmann-Berger) sind leider keine Unterlagen aus dieser Zeit erhalten geblieben. Betrieben wurde die Mühle ausschließlich von
der Familie Menke, Müllermeister Heinrich Menke hatte sie seit Mitte der dreißiger Jahre gepachtet. Jahrhunderts existierte eine Reihe von Mühlen in der näheren Umgebung. Im gesamten Meller Kreisgebiet gab es etwa 90 Mühlen, davon 9 Wind- und 57 Wassermühlen sowie 24 Göpel. Zum Vergleich: Im heutigen Kreis Enger gab es 25 Mühlen, davon 8 Wind- und 9 Wassermühlen, im Kreis Spenge existierten 16 Mühlen, davon 4 Wind- und 7 Wassermühlen, der Rest bestand aus Göpeln und Motormühlen. Unter Berücksichtigung der damaligen Einwohnerzahlen versorgte eine Mühle ca. 290-360 Personen in einem Einzugsgebiet von knapp 3 km2. Offenbar traten trotzdem Engpässe beim Vermahlen auf, vielleicht war auch der Transport des Mahlgutes auf den alten, ausgefahrenen und oftmals morastigen Wegen zu beschwerlich, jedenfalls machte sich Bauer Mölk Beziehungen zum Düingberg in Düingdorf zunutze und bezog von dort die Natursteine für den Mühlenturm. Dieser wurde nebst Wall von Grund auf gemauert, d.h. Wegen der konischen Form des Mühlenturmes verlaufen die Mauerfugen schräg nach unten, der daraus resultierende Wasserdurchbruch bereitet bis heute Sorgen. Die tragenden Balken konnten bei der Mühlenrestauration nicht einfach herausgezogen und erneuert werden, sie wurden statt dessen im Hakenblattverfahren (in Teilen) ersetzt. Die Mühlsteine aus Blaubasalt wurden 1872 wahrscheinlich aus Niedermendig bei Andernach bezogen (zu der Zeit ein wohlbekannter Mühlsteinbruch), der Sandstein des Schrotganges vermutlich aus Hannoversch-Münden. Alle Mühlsteine in der heutigen Mühle sind noch die Originale. Die Mühle wurde als Hofmühle drei Generationen lang jeweils im ‚Ein-Mann-Betrieb‘ von der Müllerfamilie Menke betrieben: Von 1872-1889 Caspar Menke, von 1889-1935 Friedrich Menke und von 1935-1975 Heinrich Menke. Bis etwa 1920 erfolgte der Antrieb mit Windkraft. Das würde bedeuten, dass bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 15 Jahren bis zu diesem Zeitpunkt das Flügelkreuz mindestens drei Mal erneuert werden musste. Nach mündlicher Überlieferung soll um 1905 ein Sturm die Kappe von hinten angehoben haben. Da zu diesem Zeitpunkt das Flügelkreuz in ‚Pausenstellung stand, wurde der nach unten zeigende Flügel gegen den Mühlenturm gedrückt, was das Herunterwehen der gesamten Kappe mitsamt Flügeln und damit das Schlimmste verhinderte. Trotzdem dürfte eine Generalüberholung fällig gewesen sein. Damit wäre die letzte Flügelerneuerung auf etwa 1905 festgelegt. Nach der Zerstörung der Flügel übernahm ab ca. 1914 ein Benzolmotor den Antrieb. Er leistete 15-18 PS und stand in einer kleinen Hütte, die hinter der Mühle errichtet wurde. Der Motor verfügte über ein großes Schwungrad, er soll sehr stark gestaubt haben. Ab ca. 1920 besorgte ein Sauggasmotor den Antrieb: Von glühenden Kohlen wurden die Gase abgesaugt, durch einen Filter gereinigt und dann verdichtet. Das Ansaugen soll ein charakteristisches, lautes Geräusch verursacht haben, das weithin zu hören war. Um 1935 wurde schließlich ein 15 PS starker Deutz-Diesel installiert. Der jeweilige Motor trieb über eine Transmission das Kegelradgetriebe und weiter über ein Zahnradgestänge das Spindelrad an. Die Elektrifizierung der Mühle
Seit Anfang des Jahrhunderts gewann die Elektrizität immer mehr an Boden. Diese Entwicklung hatte einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf das tägliche Leben und stellt rückschauend sicher die zur damaligen Zeit am nachhaltigsten wirkende technologische Neuerung dar. Zum einen wurde nunmehr eine Energie angewendet, die nach entsprechenden infrastrukturellen Maßnahmen praktisch überall und auf Knopfdruck verfügbar war. Diese musste bald von den großen, meist weit entfernten „Überlandzentralen“ bezogen werden, da kleine, dezentrale Energieversorger die Nachfrage vor Ort nach wenigen Jahren nicht mehr decken konnten. Die Umstellung auf elektrische Energie war sicher gewöhnungsbedürftig: Hier wurde keine Ware mehr über den Ladentisch verkauft, sondern über einen gewissen Zeitraum hinweg bezogen, wobei der tatsächliche Verbrauch immer neu ermittelt werden musste. Andererseits hatte nun jeder, der über die notwendigen Finanzmittel verfügte, die Möglichkeit, elektrisch betriebene Maschinen zu installieren und somit von Dienstleistungen Dritter unabhängig zu werden. So konnten die Bauern jetzt daran denken, selbst Schrotmühlen auf ihren Höfen aufzustellen um durch diese Investition die Lohnmüllerei zu umgehen. Die zunehmende Abhängigkeit von der Elektrizität sollte in dem Zusammenhang allerdings nicht übersehen werden. In der Folge wurde das Ortsnetz laufend erweitert, knapp westlich an der Mühle vorbei zu Aring (Westhoyel Nr. 15) und weiter zur Hünenburg, jedoch nicht zur Mühle Menke. Erst knapp dreißig (!) Jahre später, am 29.12.1949 forderte die Fa. Engelbrecht & Lemmerbrock im Auftrag von Fritz Menke einen Kostenvoranschlag über den Neuanschluß der Mühle an, der Antrag folgte am 19.9.1950, seit dem 6. 12.1950 konnte die Mühle dann über einen 18 PS starken Elektromotor angetrieben werden. Da die Leitung direkt vor der Mühle verlief, wäre ein Stromanschluß schon um 1920 relativ kostengünstig möglich gewesen. Die Gründe, warum dies nicht erfolgte, liegen im Dunkeln. Vielleicht sollte sich zunächst der ebenfalls zu der Zeit angeschaffte Sauggasmotor amortisieren. Womöglich fehlte auch ganz einfach das Geld oder man schreckte vor Investitionen zurück und misstraute der neuen Technik. Trotz der nun verfügbaren Elektrizität wurde die Beleuchtung weiter mit Sturmlaterne und Karbidlampe besorgt: „Dat briukt wui nich, dat huäwet wui juimmer säo huat“. Es vergingen nochmals viele Jahre, bis auch im Müllerhaus die Elektrizität Einzug hielt:
Die Stillegung der Mühle vollzog sich langsam, in dem Maße, da die Bauern im Einzugsgebiet ihr Getreide über eigene Schrotmühlen vermahlten. Der letzte Müller Heinrich Menke bekam schließlich nur noch kleinere Aufträge und stellte den Betrieb gegen Ende der siebziger Jahre völlig ein.