Literaturland Baden-Württemberg

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Hermann Hesse Museum Calw
20/01/2021
Hermann Hesse Museum Calw

Hermann Hesse Museum Calw

Wer kennt es nicht, Hermann Hesses berühmtes "Stufen"-Gedicht, dessen Worte "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" zu den meist zitierten Zeilen der deutschen Lyrik gehört. Auch die Geigerin Franziska Pietsch lässt sich davon regelmäßig musisch inspieren:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/stufen-von-hermann-hesse-ein-gedicht-das-fuer-viele.2165.de.html?dram:article_id=482619

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Als Mechthild von der Pfalz nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1436 Rottenburg zum Witwensitz erwählte, begann für die...
18/01/2021

Als Mechthild von der Pfalz nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1436 Rottenburg zum Witwensitz erwählte, begann für die Stadt eine Glanzzeit: Die gebildete wie politisch geschickte Gräfin und Erzherzogin förderte die Künste, ließ Kirchen mit Kunstwerken ausstatten und notwendige Bauten errichten. An ihren »Musenhof« genannten Sitz lud sie Künstler wie Intellektuelle ein – sowohl Vertreter der vergehenden Ritterdichtung als auch Vorkämpfer erster humanistischer Ideen. So beflügelte Mechthild Hermann von Sachsenheim zu ritterlicher Dichtung; zugleich widmete ihr der Esslinger Stadtschreiber Niklas von Wyle vier seiner Übersetzungen, mit denen er seine Leserschaft sprachlich bilden wollte. Ihren Sohn Eberhard bewog Mechthild dazu, die Tübinger Universität zu gründen, deren Anfänge aus dem ihr zur Verfügung stehenden Nachlass ihres Gatten finanziert wurden.

Bild: Mechthild von der Pfalz im ›Codex Ingeram‹, einem Wappenbuch Herzog Albrechts VI.

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#bornonthisday »Dies auch dem Vergessen angeweiht. / Erdjahre sausen in die Ewigkeit / Und häufen sich zu Jahren tausend...
11/01/2021

#bornonthisday »Dies auch dem Vergessen angeweiht. / Erdjahre sausen in die Ewigkeit / Und häufen sich zu Jahren tausend an, / Wie Schutt, als ob sie nie gewesen wären.« Diese Zeilen radikaler Vergänglichkeit finden sich in Jacob Picards zweitem Gedichtband ›Erschütterung‹. Der dichtende Apologet des Landjudentums, dessen Werk von Hermann Hesse auch und gerade wegen seiner Humanität zur Lektüre empfohlen wurde, konnte im Oktober 1940 vor der Barbarei der Naziherrschaft ins amerikanische, von finanzieller Not geprägte Exil fliehen. Der vor 138 Jahren in Wangen am Bodensee geborene Picard konnte die Fremdheitserfahrung im Exil nicht überwinden. 1964 erhielt er für seinen Erzählband ›Die alte Lehre‹ den Bodensee-Literaturpreis. Seine Geburtsstadt erinnert im dortigen Rathaus an Leben und Werk.

Foto: Otto Schloss, Kohlezeichnung, 1935 / DLA Marbach

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#bornonthisday In einem bodenständigen Schwäbisch kommen Julie Kerns Beschreibungen der Atmosphäre ihres Heimatdorfes Wi...
06/01/2021

#bornonthisday In einem bodenständigen Schwäbisch kommen Julie Kerns Beschreibungen der Atmosphäre ihres Heimatdorfes Winterbach und dem Remstal daher. Unter dem Pseudonym J. Palmer schrieb die Tochter des dortigen Ortsvorstehers mehrere mundartliche Erzählungen und den Dorfroman ›D’Molerna‹ – ›Die Malerinnen‹. In letzterem schildert Palmer die Ereignisse in einem Dörfchen während der Jahrhundertwende. Die Schriften erschienen neben einem weiteren, in Hochdeutsch verfassten Roman, ›In der Luftkur‹, im Stuttgarter Verlag Steinkopf. Der heute vor 162 Jahren geborenen schwäbischen Autorin widmet das Dorf- und Heimatmuseum Winterbach eine literarische Gedenkstätte. Wer sich für ein Stück lokaler Mundart-Literaturgeschichte interessiert, sollte sich einen Besuch im Museum unbedingt vornehmen.

Foto: DLA Marbach

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#bornonthisday »...hie und da ein treffendes Wort« zu lesen, »das die dämonische Wucht ihrer Empfindung dämmt«, wünscht ...
14/12/2020

#bornonthisday »...hie und da ein treffendes Wort« zu lesen, »das die dämonische Wucht ihrer Empfindung dämmt«, wünscht der niederschwäbische Mundartdichter Eduard Hiller den Lesern seiner ›Stimmen vom Krankenlager‹ – besonders jenen, die wie er mit psychischen Erkrankungen kämpfen. Der Gedichtband ist sein persönlicher Kampf gegen die schweren Depressionsschübe. Mitunter heißt es darin: »Sind älle willkomme / Zum schönste begrüest – / Herz sag mer jetz nomme / An was de verdrießt.« Mehrfach durchkreuzt die Krankheit Hillers Lebenspläne und macht ihn schließlich dauerhaft arbeitsunfähig: Nachdem er das Studium der Staatswissenschaften unterbrechen muss, gelingt es ihm nur zwei Jahre lang, die Professur in Hohenheim zu bekleiden, ehe er das Arbeitsleben aufgibt und sich 50-jährig nach Buoch zurückzieht. Ein wohlhabender Stuttgarter Freund sorgte für Hillers Lebensunterhalt. Ein weiterer Freund besorgt die Ausgabe des späteren Gedichtbandes ›Wintergrün‹; dazu ist der Dichter selbst nicht in der Lage, den sein Nervenleiden zeitlebens nie völlig verlässt. Mit seinen Gedichten verhilft der heute vor 202 Jahren geborene Hiller der schwäbischen Mundartdichtung zu größerer Bedeutung.
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Den Schreibstil des Autors Wilhelm Genazino prägt ein besonderer Fokus auf das scheinbar Banale, das durch detaillierte ...
12/12/2020

Den Schreibstil des Autors Wilhelm Genazino prägt ein besonderer Fokus auf das scheinbar Banale, das durch detaillierte Beschreibungen einen Status des Besonderen erhält. Besonders oft sind Spaziergänge durch eine Stadt und Begegnungen mit anderen Menschen der Auslöser für diese ausführlichen Schilderungen. Der Alltag verliert das Alltägliche, erhält dafür eine komische Note und gleichzeitig bleibt eine tiefe Verzweiflung bestehen: ein typischer Balanceakt in den Texten Genazinos. Die Protagonisten lassen sich in vielen Fällen als Antihelden beschreiben oder, wie Genazino sie selbst nannte, »Individualisten wider Willen«. Heute vor zwei Jahren verstarb der in Mannheim geborene und zeitweise in Heidelberg ansässige Schriftsteller und Büchner-Preisträger im Alter von 75 Jahren. Sein Archiv liegt heute im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

Foto: Wilhelm Genazino, Warmbronn, 28.02.2009, DLA Marbach/Chris Korner

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Es ist das »reizend inkorrekte Privatidiom« der Schriftstellerin Annette Kolb, das Thomas Mann an ihren »originellen Ges...
03/12/2020

Es ist das »reizend inkorrekte Privatidiom« der Schriftstellerin Annette Kolb, das Thomas Mann an ihren »originellen Gesellschaftsstudien« reizte. Als Tochter einer französischen Pianistin und eines angesehenen Münchner Gartenarchitektes setzte Kolb sich zeitlebens mit Essays, Aufsätzen und Feuilleton-Artikeln für die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland ein – gerade zwischen den beiden Weltkriegen keine einfache Aufgabe. Mit dem Roman ›Das Exemplar‹ debütierte Kolb 1913, erhielt dafür den Fontane-Preis. Bis 1923 ohne festen Wohnsitz, häufig auf geselligen Reisen durch Europa, ließ sich Kolb im baden-württembergischen Badenweiler nieder, freundete sich mit dem benachbarten Schriftsteller René Schickele an. Die mit ihren Romanen ›Daphne Herbst‹ und ›Die Schaukel‹ zu den erfolgreichsten der Weimarer Republik zählende Autorin kritisierte den an Macht gewinnenden Nationalsozialismus heftig. Es folgten unstete, entbehrungsreiche Exil- und Fluchtjahre in Europa und den USA. Nach dem Krieg wurde Kolb in Deutschland nie wieder wirklich sesshaft. Für ihre Literatur wie ihren politischen Einsatz für Austausch und Völkerverständigung erhielt die Schrifstellerin zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Goethe-Preis und der französische Orden ›Pour le Mérite‹. Ihr Badenweiler Haus in der Kanderner Straße behielt Kolb bis zu ihrem Tod heute vor 53 Jahren als Ferienwohnsitz.

Foto: Annette Kolb im Jahr 1916. DLA Marbach / Thea Sternheim.

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#bornonthisday »... so begrüßte ich die alten wohlbekannten Berge: dort lag die Teck, ernsthaft und wachsam, hinter ihr ...
30/11/2020

#bornonthisday »... so begrüßte ich die alten wohlbekannten Berge: dort lag die Teck, ernsthaft und wachsam, hinter ihr lauerte der Räuber; durch den Sattelbogen von ihm getrennt stand der Neuffen und aus der Ferne schaute die heimatliche Achalm herüber.« Das sind die Worte, die der Schriftsteller, Dichter, Übersetzer und Herausgeber Hermann Kurz im ›Bergmärchen‹ für seine Heimat Reutlingen findet, wo er heute vor 207 Jahren in der Wilhelmstraße 95 das Licht der Welt erblickte. In dieser Geschichte erzählt Kurz von einem Weltuntergang rund um die Achalm: Neuffen, Teck, Räuber und Achalm sind darin Riesen, die verschlungene Liebensbeziehungen zueinander pflegen und schließlich wegen verletzter Gefühle einen Krieg beginnen, der alles zerstört. Immer wieder wird in Kurz’ Schreiben der Bezug zur Region um seine Geburtsstadt deutlich. Vor allem ist Kurz aber bis heute für die Vielfalt und Heterogenität seines Gesamtwerkes bekannt, das nicht nur moderne Formen wie Reiseerzählungen umfasst, sondern auch historisch-traditionelle wie den Schwank. In den 1850er Jahren gerät der demokratische Werte verbreitende Schriftsteller unter politischen Druck, sitzt gar auf der Festung Hohenasperg in Haft; auch ausbleibende literarische Erfolge führen zu einer längeren Phase der Niedergeschlagenheit. Mit der Beschäftigung als Bibliothekar in Tübingen gewinnt er Anerkennung, bekommt wenige Jahre darauf gar die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock verliehen.

Foto: DLA / Franz Hanfstaengl, 1863.
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#bornonthisday Geschickt wie kaum andere versteht der romantische Schriftsteller Wilhelm Hauff es, mit den Dynamiken des...
29/11/2020

#bornonthisday Geschickt wie kaum andere versteht der romantische Schriftsteller Wilhelm Hauff es, mit den Dynamiken des literarischen Marktes zu spielen: Seine erste Veröffentlichung trägt den provokanten Titel ›Mittheilungen aus den Memoiren des Satan‹, der die Neugier des Publikums weckt und zu einem ersten Erfolg führt. Hauffs zweite Veröffentlichung, ›Der Mann im Mond oder der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme‹, erscheint unter dem Pseudonym ›H. Clauren‹, herausgebracht von Carl Heun, einem erfolgreichen Schriftsteller aus Berlin. Heun zieht gegen Hauff und seinen Verleger vor Gericht – und erhöht so die Bekanntheit Hauffs umso weiter. Das macht sich jener zunutze, indem er den zweiten Teil der ›Mittheilungen aus den Memoiren des Satan‹ mit einer satirischen Darstellung eben dieses gerichtlichen Verfahrens beginnen lässt, die Aufsehen erregt. Und dabei belässt Hauff es nicht: Noch bekannter wird er dann, als er das literarische Schaffen seines Anklägers Heun polemisch in der ›Controverspredigt über H. Clauren‹ angreift. Der dem Kreis der ›Schwäbischen Dichterschule‹ angehörende Hauff wurde am heutigen Tag im Jahr 1802 in Stuttgart geboren.

Bild: Wilhelm Hauff. Gouache auf Elfenbein von Johann Michael Holder, um 1824.

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Gute Nachrichten aus Calw: Herzlichen Glückwunsch!
27/11/2020
Hermann Hesse Museum Calw

Gute Nachrichten aus Calw: Herzlichen Glückwunsch!

Unsere Freude kennt kaum Grenzen: Der Bund fördert in diesen für die Kultur so schwierigen Zeiten in großem Maße unsere umfangreichen Sanierungsmaßnahmen und stärkt dadurch nachhaltig die kulturpolitische und sozial- wissenschaftliche Bedeutung des neuen Hermann Hesse Museums. Dafür sagen wir in Demut auf das Herzlichste vielen Dank und danken zugleich den Fürsprechern für ihre großartige Unterstützung!

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#bornonthisday »Nur nicht zu frühe gelacht ihr Herrn der Schöpfung! –– Ich kenne itzt mein Geschlecht besser, es fehlt i...
25/11/2020

#bornonthisday »Nur nicht zu frühe gelacht ihr Herrn der Schöpfung! –– Ich kenne itzt mein Geschlecht besser, es fehlt ihm nicht an gutem Willen, alles das zu werden, was es seyn könnte, [...] aber nur an Gelegenheit«, heißt es 1790 angriffslustig in der ersten Ausgabe von Marianne Ehrmanns ›Amaliens Erholungsstunden‹. Zwar setzt sich das Blatt unverblümt für eine bessere Bildung seiner Leserinnen ein und verteidigt diese gegenüber dem »schadenfrohen Männervölkchen«, verfolgte sein Vorhaben aber, ohne die zeitgenössischen weiblichen Verpflichtungen anzutasten. Das Ziel bleibt die Erziehung gebildeter Ehe- und Hausfrauen.
Die heute vor 265 Jahren geborene Journalistin und Schriftstellerin Ehrmann hat zu diesem Zeitpunkt eine von Armut und Gewalt geprägte Kindheit und eine geschiedene Ehe hinter sich, hält sich mit Theaterschauspielerei über Wasser, bis ihre zweite Heirat schließlich das Dasein abseits der Gesellschaft beendet; Ehrmann legt den erfolgreichen Briefroman ›Amalie und Minna, eine wahre Geschichte in Briefen‹ vor. In Stuttgart, wo das Paar seit 1788 in der Engen Gasse 63 lebt, sichert vor allem Ehrmann mit ihrer Zeitschrift den Lebensunterhalt. Allerdings wird sie als Herausgeberin zunehmend vom Tübinger Cotta-Verlag aus ihren ›Erholungsstunden‹ verdrängt, bis sie nach dem dritten Jahrgang mit ihm bricht. Die zwei Jahre andauernde Arbeit an der dann neu gegründeten Zeitschrift ›Die Einsiedlerinn aus den Alpen‹ muss Ehrmann schließlich aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.
Darin abgedruckt hat sie übrigens auch Gedichte des unbekannten 23-jährigen Dichters Friedrich Hölderlin. Mit den beiden Zeitschriften gelingt es Marianne Ehrmann, als eine der frühesten und bekanntesten Herausgeberinnen ihrer Zeit aus der für schreibende Frauen üblichen Anonymität herauszutreten.

Bild: Schattenriss von Marianne Ehrmann von unbekannter Hand, um 1790; Vorwort der ersten ›Erholungsstunden‹.

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Einen der runden Geburtstage in diesem Jahr ist der hundertste Paul Celans; auch er hat seinen Platz im Literaturland Ba...
24/11/2020

Einen der runden Geburtstage in diesem Jahr ist der hundertste Paul Celans; auch er hat seinen Platz im Literaturland Baden-Württemberg. So benennt Celan neben ›Tübingen, Jänner‹ das Gedicht ›Todtnauberg‹ nach einem württembergischen Ort. Der darin genannte »Brunnen mit dem / Sternwürfel drauf« gehörte zur Hütte bei Todtnauberg, die Martin Heidegger besaß und in die Celan 1967 von jenem eingeladen worden war. Einfach war das Verhältnis des aus einer jüdischen Familie stammenden Dichters zum einst in der nationalsozialistischen Politik aktiven Philosophen – vor dem Hintergrund der jüngsten Geschichte – keineswegs; unter anderem das Interesse an Friedrich Hölderlins Gedichten verband sie. Die Hölderlin-Gedichtzeile »Seit ein Gespräch wir sind« liegt Heideggers Sprachbegriff zugrunde – und findet sich in Celans ersten Entwürfen des ›Todtnauberg‹-Gedichts.
Dieses lässt auf die wohl kaum einfachen Gespräche – oder auch auf das nicht Gesagte –der beiden schließen: Von »einer Hoffnung, heute, / auf eines Denkenden / kommendes / Wort / im Herzen« ist die Rede, dann »Krudes, später, im Fahren, / deutlich«. Ähnliches deutet ein späterer Brief Heideggers an Celan an: So bewahre das »Wort des Dichters« ein »Andenken an einen vielfältig gestimmten Tag im Schwarzwald«.

Wer mehr erfahren möchte:
SPUREN 60 | Axel Gellhaus: Paul Celan bei Martin Heidegger in Todtnauberg

Bild: In 250 Exemplaren des SPUREN-Hefts 60 lag neben einer Fotografie des »Sternwürfels« ein Druck des in Stuttgart geborenen Druckers, Grafikers und Autors Josua Reichert bei, der die Brunnenskulptur in Celans Gedicht zum Motiv nimmt.

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#bornonthisday Im festen Glauben, bei Cleebronn handele es sich um den Ort, an dem die Wiederkunft des Herrn zu erwarten...
22/11/2020

#bornonthisday Im festen Glauben, bei Cleebronn handele es sich um den Ort, an dem die Wiederkunft des Herrn zu erwarten sei, mietet sich die heute vor 156 Jahren geborene Schriftstellerin Juliane von Krüdener im Frühjahr 1809 im dortigen Gutshof Katharinenplaisir ein. Das Zusammenleben mit dem zum Mythischen neigenden Pfarrer Johann Friedrich Fontaines und dessen vorgeblich Engel sehender Magd Maria Gottliebin Kummer endet allerdings schon bald: Anfang Mai befiehlt die württembergische Krone, die schon länger des Betrugs verdächtigte Kummer festzunehmen und die von Krüdener’sche Gesellschaft aus dem Königreich auszuweisen. Die zutiefst erschütterte Baronin von Krüdener gibt ihre bis dahin vielversprechende Karriere als Schriftstellerin auf, um sich umso radikaler dem pietistisch-mythischen Wirken zu widmen. Den bereits zu Ende geschriebenen Roman ›Othilde‹, bei dem ihr der befreundete Romantiker Achim von Arnim in Heidelberg mittels Literaturbeschaffung zur Seite gestanden hatte, veröffentlicht sie nie. Dabei sind die Erwartungen zahlreicher Leserinnen und Leser ihres zuvor erschienenen, an Goethes ›Werther‹ angelehnten Briefromans ›Valérie‹ groß: Dieses geschickt von der Autorin beworbene Werk hatte einst eine regelrechte ›Valérie‹˗Mode ausgelöst und war schnell vergriffen, auch die angesehene Schriftstellerin Sophie La Roche begeisterte sich dafür. Von der aufgegebenen ›Othilde‹ existiert heute nur noch ein im Deutschen mit ›Der Einsiedler‹ betiteltes Fragment.

Bild: Juliane von Krüdener, aus Justinus Kerners Klebealbum, nach einer Kreidezeichnung. (DLA Marbach)

Wer mehr erfahren möchte:
SPUREN 88 | Isolde Döbele-Carlesso: Juliane von Krüdener auf dem Katharinenplaisir bei Cleebronn

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Adresse

Schillerhöhe 8 - 10
Marbach Am Neckar
71672

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