07/06/2026
Galerie Coucou präsentiert:
DRIFT
Robert Sturmhoevel
Eröffnung
12.06.26 / 19 Uhr
Dauer
12.06. — 10.7.26
Mittwoch — Freitag
16 — 20 Uhr
(und nach Vereinbarung)
Artist Talk
26.06.26 / 18:30 Uhr
Mit „Drift" zeigt Robert Sturmhoevel in der Galerie Coucou im Vorderen Westen Kassels aktuelle klein- und großformatige Malerei, Installation und Zeichnungen. Es ist eine stille, kontemplative Ausstellung voller Sehenslust und Ambivalenz, in der die Wahrnehmung von Licht und die Erinnerung an Farbe sich unerwartet verschieben.
Die Gegenwart ist meist schnell, laut und aufmerksamkeitssüchtig. Sie ist voll mit kurzatmigen Feeds, Headlines und haftungsfreien Wahrheiten, die um unsere Lebenszeit kämpfen. All das verblasst zu Hintergrundrauschen in „Drift" von Robert Sturmhoevel – eine subtile Reise in die innere Welt.
Sturmhoevels Werke sind komplexe Gebilde, die zum Innehalten und genauerem Hinschauen einladen. Sie offenbaren die wunderbare Uneindeutigkeit seiner narrativen Bildsprache. Analytisch und emotional zugleich werden scheinbar bekannte Sujets – mal aus der Kunstgeschichte, mal aus dem Gedächtnis – verdichtet, bis sie anfangen zu driften. Dabei setzt eine unaufhaltsame Bewegung ein, die das Fundament des Gewöhnlichen genauso verschiebt wie die Eisschollen unter den Füßen der Protagonisten in seinen „Eislandschaften" – eine Reflexion auf Caspar David Friedrich.
Dass Vertrautes befremdlich sein kann, hat bei Sturmhoevel System. In „Lauschangriff" ist es die niedliche Geste von „Lucy", die einen kleinen „Luzifer" zum Schweigen tadelt. Dabei bleibt es offen, ob die zwei porzellanartigen Figuren sich gerade in einen Stein verwandeln oder von ihm befreien – ähnlich wie im Werk „Kleinod – Mariechen". Es ist eine mythologisch aufgeladene Geste, die gleichzeitig eine Brücke zu seinen mineralischen Studien schlägt. Da sind die kristallinen Strukturen solitär inszeniert – kleine Preziosen der Wissenschaft. Diese Forschung wird in „affectiv artifact" fortgesetzt – einem Bild, in dem zwei Hände Dürers Polyeder erkunden. Sturmhoevel greift gerne Eckpfeiler der Kunstgeschichte auf. In seinen „iconic dots" interpretiert er die Madonnen von Raffael und Botticelli neu, ohne die Vorbilder zu wiederholen – vielmehr porträtiert er deren Farben. Das Motiv wird auf die rein malerische Substanz reduziert – das Bild wird zum einzelnen Pinselstrich, zu seinem persönlichen Duktus als Kondensat vergangener Meisterwerke. In „Water Dot" geht er noch einen Schritt weiter und löst die Grenze zwischen Objekt und Malerei auf. Er schenkt der Farbe einen Körper. Der drei Meter lange, schwebende Pinselstrich aus reinem Pigment schimmert in den blauen Schattierungen von Luft und Wasser – Licht, verdichtet zu Farbe.
Robert Sturmhoevel gelingt eine spannungsvolle Wandlung, in der sich Themen und Techniken eng verflechten. Vielleicht schafft es diese Reise, voller Licht und Farbe, für einen Moment den Lärm des Alltags zu verdrängen und etwas mehr Drift mit auf den Weg zu geben.
Robert Sturmhoevel, geboren 1983 in Berlin, studierte Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Prof. Alf Schuler und Prof. Florian Slotawa und schloss sein Studium als Meisterschüler bei Prof. Johannes Spehr ab. Er wurde mit dem Kasseler Kunstpreis der Dr. Wolfgang Zippel Stiftung ausgezeichnet, erhielt Stipendien der Hessischen Kulturstiftung, einen Residenzaufenthalt der Zumikon Stiftung in Nürnberg sowie ein Residenzstipendium in Willingshausen. Seine Werke waren u.a. im Kasseler Kunstverein, Kunsttempel Kassel, Kunsthalle Willingshausen, Kunsthaus alte Mühle Schmallenberg, Kunsthaus Hamburg, Barlach Halle K Hamburg, Artothek – documenta Halle Kassel, Galerie Coucou Kassel, Galerie Drewes Hamburg und Galerie Löhrl Mönchengladbach zu sehen. Robert Sturmhoevel lebt und arbeitet in Kassel.
(Text und Kuration: Milen Krastev)