12/06/2026
Fokus am FREITAG: Weihestein für die Matronae Rumanehae von Lucius Vitellius Consors
Wer war Lucius Vitellius Consors? Vieles wissen wir nicht über den Stifter dieses Matronensteins, aber doch so einiges mehr, als über die anderen Einwohner des römischen Jülichs.
Dieser Weihestein, eine Dauerleihgabe des LVR Landesmuseums Bonn, stammt aus der mittelalterlichen Stadtmauer von Jülich, wo er als Spolie verbaut war. Ursprünglich wurde er als Weihgabe an die Matronae Rumanehae, vielleicht als Erfüllung eines Gelübdes, aufgestellt. Matronen waren Göttinnen, die immer als Dreiheit auftraten und häufig einen Beinamen trugen; hier Rumanehae.
Der Stein trägt die Inschrift „Matronis Rumân̂ehabus sacr(um) L(ucius) Vitellius Consors ex p̂(rimo p)îlo leg(ionis) V̅I̅ victr(icis)“, übersetzt: „Den Rumanehischen Matronen geweiht. Lucius Vitellius Consors, ehemaliger Primus Pilus der sechsten, siegreichen Legion.“
Die Legion VI Victrix wurde zur Niederschlagung der Revolte der germanischen Bataver 69/70 n. Chr. an den Rhein versetzt und war in Neuss und Xanten stationiert. Anhand der Inschrift „ex primo pilo“ erkennen wir in Consors einen Primus Pilus, also den Centurio mit dem höchsten Rang in einer römischen Legion. Dieser Titel wurde meistens im letzten Jahr vor der Entlassung aus dem Militärdienst verliehen.
Consors war also ein hochrangiger Offizier. Sein Gentilname Vitellius deutet darauf, dass ihm von Aulus Vittelius, der während des chaotischen Vierkaiserjahres 69 n.Chr. kurzzeitig die Kaiserwürde erringen konnte, das römische Bürgerrecht verliehen wurde.
Vermutlich schied vermutlich als Veteran aus der 6. Legion aus und ließ sich in oder um Jülich nieder. Vielleicht ließ er zum Dank für seinen Heil überstandenen Militärdienst den Stein für die Rumanehischen Matronen aufstellen.
Der Stein ist einer der älteste bekannten Matronensteine aus dem Rheinland und belegt bereits für das späte 1. Jh. eine hiesige Verbreitung des Kultes.
Bildnachweis: LVR-LandesMuseum, Inv.-Nr. 1933-198.0-1.