20/05/2026
Franz Kramm, Corps Saxonia Jena, später Marinepfarrer auf der „S.M.S. Gneisenau“ als Aktiver im Jahre 1889.
Franz Kramm wurde am 27. November 1870 im Ort Jordan in Niederschlesien (heute poln. „Jordanowo“) geboren. Seine Eltern waren der evangelische Pfarrer Hermann Kramm und dessen Ehefrau Olga, geb. Polnow (Hochzeit 1867). Der Vater war als Student Angehöriger des Corps Saxonia Halle (1859).
Die Familie zog später nach Berlin, wo Franz Ostern 1888 am „Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster“ seine Reifeprüfung ablegte. Er studierte Theologie in Jena, wo er im Dezember 1888 beim Corps Saxonia recipiert wurde.
Es gab noch mindestens zwei Brüder:
Hermann Kramm jun. (1872-1952), Abitur 1889 ebenfalls am „Grauen Kloster“. Dieser studierte Medizin am „Friedrich-Wilhelm-Institut“ für Militärärzte (die spätere „Kaiser-Wilhelm-Akademie“, auch als „Pépinière“ bekannt. Er war als Student 1889 beim Corps Normannia aktiv und brachte es bis zum Generaloberarzt.
Erich Kramm (1875-1933), Theologe, 1928-1933 Erster Pfarrer und Superintendent/Domprediger in Merseburg. Dieser wurde 1893 wie sein Vater bei Saxonia Halle aktiv und erhielt 1914 auch das Band der Saxonia Jena.
Drei Söhne von Franz und Erich wurden ebenfalls bei Saxonia Jena aktiv und auch der Großvater erhielt 1884 dieses Band.
Der hier abgebildete Franz trat am 22. August 1899 seinen Dienst als einer von 16 beamteten Pfarrern der Reichsmarine an - 13 der 16 waren damals übrigens evangelisch... Gleich zu Beginn seiner Laufbahn wurde Kramm Pfarrer auf dem Kadetten-Schulschiff „S.M.S. Gneisenau“, welches mit über 470 Mann Besatzung am 18. September 1900 zu einer Ausbildungsfahrt nach Spanien, Portugal und Marokko auslief. Im Dezember 1900 lag die „Gneisenau“ in Málaga, wo es am 10. d. M. zu einem tragischen Unglück kam. Ein vor dem Hafen aufziehender Sturm wurde vom Kapitän in seiner Wirkung wohl unterschätzt und der Versuch, das Schiff aus der Gefahrenzone zu bringen, scheiterte. Die „Gneisenau“ wurde mehrmals an die Mole geworfen und sank dort schließlich soweit, daß lediglich noch die Masten aus dem Wasser ragten, auf die sich einige Besatzungsmitglieder geflüchtet hatten. 41 deutsche Seeleute und 12 spanische Zivilisten, welche zur Rettung eilten, verstarben an diesem Tag.
Das Unglück blieb bis heute im Gedächtnis der Stadt, auf deren „Cementerio Inglés” (dem 1831 eröffneten ersten protestantischen Friedhof Spaniens) die deutschen Matrosen, darunter auch der Kapitän, ihre letzte Ruhe fanden. Es existiert auch die “Puente de los Alemanes” (Brücke der Deutschen), welche 1907 nach einer verheerenden Flutkatastrophe auf Anregung des Kaisers vom Deutschen Reich als Dank für die Rettung und Versorgung der mit der “Gneisenau” sieben Jahre zuvor Verunglückten gestiftet wurde.
Kramm überlebte das Unglück, jedoch hatte er die traurige Pflicht, seinen Kameraden letzte Worte zuzurufen. Die “Gedächtnisrede für die Gefallenen S.M.S Gneisenau gehalten an der Bahre des Kapitäns zur See Kretschmann zu Málaga 1900 von Marinepfarrer Franz Kramm“ wurde 1901 in Wilhelmshaven gedruckt. Der Verkaufserlös war für die Errichtung eines Gedenksteins in Málaga bestimmt.
Kramm versah dann bis 1909 weiter seinen Dienst bei der Marine. Danach war er bis 1915 Pfarrer in Bernkastel und 1915 bis 1920 an der Lietzenseegemeinde (Berlin-Charlottenburg). Von hier wechselte er nach Solingen, wo er bis 1937 wirkte. Er verstarb am 14. April 1940.