04/09/2026
Corps Bavaria Erlangen – Pauktag in Wellerstadt 1892
Wie damals bei allen Erlanger Verbindungen üblich, focht man in den Dörfern des Umlandes. Man versuchte so, der Verfolgung durch Polizei und Universitätsbehörden zu entgehen, waren Mensuren doch offiziell verboten.
Dem Ansinnen, bei diesen „Exkursionen“ in die Umgebung nicht allzu auffällig zu erscheinen, ist wohl auch der Umstand geschuldet, daß man nicht die typische Couleurmütze, sondern zivile Kopfbedeckungen trug. Dies ist auch auf anderen zeitgenössischen Bildern zu sehen, wo im Sommer der Strohhut eine beliebte Alternative war. Im Februar erkennen wir auch einige Pelzmützen, leider nicht im richtigen Winkel um sicher sagen zu können, ob es sich vielleicht um die damals auch in Erlangen getragenen Pelztönnchen handelt. Die Herren von der örtlichen Einwohnerschaft tragen diverse andere Modelle. Man erkennt denke ich Strickmützen, Filzkappen und -hüte und auch ein sog. „Krätzchen“, also eine an sich militärische Kopfbedeckung.
Die wohl der Bauern- und Handwerkerschaft zugehörigen Männer, die eine interesante Rahmenerzählung für die Photographie bilden, machen um die 10% der damaligen männlichen Bevölkerung Wellerstadts aus, das heute ein Ortsteil von Baiersdorf ist. In knapp 40 Häusern lebten damals um die 200 Einwohner. Die einzelnen Typen ähneln denen, die man bis vor einigen Jahren noch in jedem fränkischen Dorf antreffen konnte. Die - je nach Tätigkeit in unterschiedlichen Farben gehaltenen - Schürzen, waren fester Bestandteil der Arbeitskleidung. Ein Brauch, wie man ihn heute noch z. B. aus Südtirol kennt.
Die Studenten tragen die für Akademiker damals gängige Alltagskleidung, der Sekundant dazu die - wie damals üblich - nur recht spärliche Schutzausrüstung. Bei ihm erkennt man auch die Trageweise des Bierzipfels, die ein recht deutlicher Hinweis auf dessen möglichen Ursprung als Anhänger/Chatelaine an der Taschenuhr(kette) ist, der das Herausziehen derselben erleichtern sollte.
Man beachte übrigens das schicke Innenfutter des Mantels rechts...
Die namentlich genannten Studenten können über Bildvergleiche größtenteils sicher identifiziert werden. Es handelt sich um:
Steger, Johann (links mit Korbschläger, später Oberamtsrichter in München, rec. 1891; verstorben 1957)
Heydolph, Hans („Schreibfuchs“, später Landgerichtsdirektor in Weiden, rec. 1889; verstorben 1933)
Hahn, Robert (mit dunkler Pelzmütze, nach unten gebeugt, Corps Baruthia, später Arzt, rec. 1891; gefallen 1915)
Angerer, Eugen (im Sekundantenwichs, später Rechtsanwalt in Nürnberg, rec. 1890; verstorben 1912)
Schreiber (mit heller Pelzmütze, in den Kösener Corpslisten 1910, 1930 und 1960 nicht erfasst)
Meyer, Bernhard (dunkle Pelzmütze, Dr. med. in Stuttgart-Gaißburg, rec. 1892; 1944 bei einem Luftangriff getötet)
Thoma, Julius (ganz rechts, Oberamtsrichter in Aichach/Oberbayern, rec. 1892; verstorben 1955)