Zur freundlichen Erinnerung

Zur freundlichen Erinnerung Studentenphotographien aus alten Zeiten. Teilweise gehen die Bilder dann auch durch Tausch oder Verkauf an andere Sammler oder an die jeweiligen Verbindungen.

Seit einigen Jahren sammle ich historische Studentenphotographien, insbesondere solche, auf denen Angehörige von Studentenverbindungen zu sehen sind. Ich habe mir aber zur Gewohnheit gemacht, von allen Bildern auch aussagekräftige Ablichtungen zu behalten. Hier nun eine Auswahl. Die Alben werden ständig ergänzt. Die Erstellung der Texte erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen, in der Regel nach de

n online und in der einschlägigen Korporationsliteratur verfügbaren Informationen. Wer zusätzliches Wissen zu den Abbildungen oder Korrekturen zu den Angaben beisteuern kann ist herzlich aufgerufen, mir diese zukommen zu lassen. Ach ja, der Titel dieser Seite leitet sich von der gängigen Widmung auf der Rückseite der Portraits her, denn diese endete in der Regel mit den manchmal auch abgekürzten Wörtern "...zur freundlichen Erinnerung!"

Viel Spaß beim Stöbern!

Corps Bavaria Erlangen – Pauktag in Wellerstadt 1892Wie damals bei allen Erlanger Verbindungen üblich, focht man in den ...
04/09/2026

Corps Bavaria Erlangen – Pauktag in Wellerstadt 1892

Wie damals bei allen Erlanger Verbindungen üblich, focht man in den Dörfern des Umlandes. Man versuchte so, der Verfolgung durch Polizei und Universitätsbehörden zu entgehen, waren Mensuren doch offiziell verboten.

Dem Ansinnen, bei diesen „Exkursionen“ in die Umgebung nicht allzu auffällig zu erscheinen, ist wohl auch der Umstand geschuldet, daß man nicht die typische Couleurmütze, sondern zivile Kopfbedeckungen trug. Dies ist auch auf anderen zeitgenössischen Bildern zu sehen, wo im Sommer der Strohhut eine beliebte Alternative war. Im Februar erkennen wir auch einige Pelzmützen, leider nicht im richtigen Winkel um sicher sagen zu können, ob es sich vielleicht um die damals auch in Erlangen getragenen Pelztönnchen handelt. Die Herren von der örtlichen Einwohnerschaft tragen diverse andere Modelle. Man erkennt denke ich Strickmützen, Filzkappen und -hüte und auch ein sog. „Krätzchen“, also eine an sich militärische Kopfbedeckung.

Die wohl der Bauern- und Handwerkerschaft zugehörigen Männer, die eine interesante Rahmenerzählung für die Photographie bilden, machen um die 10% der damaligen männlichen Bevölkerung Wellerstadts aus, das heute ein Ortsteil von Baiersdorf ist. In knapp 40 Häusern lebten damals um die 200 Einwohner. Die einzelnen Typen ähneln denen, die man bis vor einigen Jahren noch in jedem fränkischen Dorf antreffen konnte. Die - je nach Tätigkeit in unterschiedlichen Farben gehaltenen - Schürzen, waren fester Bestandteil der Arbeitskleidung. Ein Brauch, wie man ihn heute noch z. B. aus Südtirol kennt.

Die Studenten tragen die für Akademiker damals gängige Alltagskleidung, der Sekundant dazu die - wie damals üblich - nur recht spärliche Schutzausrüstung. Bei ihm erkennt man auch die Trageweise des Bierzipfels, die ein recht deutlicher Hinweis auf dessen möglichen Ursprung als Anhänger/Chatelaine an der Taschenuhr(kette) ist, der das Herausziehen derselben erleichtern sollte.

Man beachte übrigens das schicke Innenfutter des Mantels rechts...

Die namentlich genannten Studenten können über Bildvergleiche größtenteils sicher identifiziert werden. Es handelt sich um:

Steger, Johann (links mit Korbschläger, später Oberamtsrichter in München, rec. 1891; verstorben 1957)

Heydolph, Hans („Schreibfuchs“, später Landgerichtsdirektor in Weiden, rec. 1889; verstorben 1933)

Hahn, Robert (mit dunkler Pelzmütze, nach unten gebeugt, Corps Baruthia, später Arzt, rec. 1891; gefallen 1915)

Angerer, Eugen (im Sekundantenwichs, später Rechtsanwalt in Nürnberg, rec. 1890; verstorben 1912)

Schreiber (mit heller Pelzmütze, in den Kösener Corpslisten 1910, 1930 und 1960 nicht erfasst)

Meyer, Bernhard (dunkle Pelzmütze, Dr. med. in Stuttgart-Gaißburg, rec. 1892; 1944 bei einem Luftangriff getötet)

Thoma, Julius (ganz rechts, Oberamtsrichter in Aichach/Oberbayern, rec. 1892; verstorben 1955)

Grüße aus der Milchstraße: Fritz Schunack, Sängerschaft Arion Leipzig, im Jahre 1903.Schunack wurde 1878 als Sohn eines ...
03/09/2026

Grüße aus der Milchstraße: Fritz Schunack, Sängerschaft Arion Leipzig, im Jahre 1903.

Schunack wurde 1878 als Sohn eines Oberlehrers in Borna geboren. Er besuchte Gymnasien in Bautzen und später in Zittau, wo sein Vater Direktor der höheren Mädchen und der 1. Bürgerschule wurde. Nach dem Theologiestudium und der Ordination 1906 wirkte er als Pfarrer in Tirpersdorf, Seifertshain (mit Filialkirche in Fuchshain) und Tuttendorf. Er wurde 1941 emeritiert und verstarb 1952.

Das Gebäude des Photostudios Schröder in Zittau aus dieser Zeit existiert übrigens auch heute noch.

Manchmal gibt es Photographien, wo man sich einfach gerne rein- bzw. dazusetzen möchte, oder?Corps Bavaria Erlangen - ve...
31/08/2026

Manchmal gibt es Photographien, wo man sich einfach gerne rein- bzw. dazusetzen möchte, oder?

Corps Bavaria Erlangen - vermutlich zum 100. Bundesfest 1921 aufgenommen.

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Heinz Niehoff, Corps Suevia Heidelberg. Niehoff stammte aus Burscheid im Rheinisch-B...
30/08/2026

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Heinz Niehoff, Corps Suevia Heidelberg. Niehoff stammte aus Burscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis und studierte Rechtswissenschaften. Gefallen 1945 in Ostpreußen.

Bin ich der einzige oder geht es auch anderen so: es gibt Kleidungsstücke, die eigentlich zum Kanon der Herrengarderobe ...
28/08/2026

Bin ich der einzige oder geht es auch anderen so: es gibt Kleidungsstücke, die eigentlich zum Kanon der Herrengarderobe gehören, die man aber noch nie besaß bzw. getragen hat?

Für meine Person wäre dies die Strickkrawatte, von der wir auf diesem um 1923 entstandenen Bild dreier Aktiver des Corps Guestphalia Heidelberg gleich zwei sehen. Sie passen auch völlig in diese Zeit, waren die 1920er doch die Ära, in der solche Modelle bei weniger förmlichen Anlässen einen kleinen Siegeszug antraten. Links noch ein klassisches Modell aus Seide mit der perlenbesetzten Krawattennadel, wie sie z. B. mein Vater in den 1950ern noch als Konfirmationsgeschenk erhalten hat. Rechts nicht wie ich zuerst dachte eine Krawattenklammer, sondern wohl auch eine mehr verspielte Krawattennadel, die ein Hufeisen und eine Reitgerte zeigt.

Beim links stehenden und bei dem sitzenden Herren erkennt man auch, daß der Hosenbund damals generell sehr hoch angesetzt wurde. Die sog. „Leibhöhe“ war bis in die 1950er viel länger als im heutigen Schnitt. Apropos Hosenbund: Rätselhaft ist mir immer noch, was der Herr rechts dort trägt. Einen seltsamen Gürtel oder eine Art Leibriemen?

Irgendwie mutet auch der Anzug links etwas unpassend groß an, aber was soll's. Schauen wir mal, ob man in 100 Jahren Bilder von uns als Aktive „seziert“ und sich fragt, was man 1989 so für komische Sachen trug... Ach ja, ich hatte damals übrigens eine knallrote Lederkrawatte...

Zwei Füchse der Turnerschaft Cimbria Bonn mit ihrem Dobermann-Hund – Bild von 1906.Man beachte die jeweils fast waagrech...
26/08/2026

Zwei Füchse der Turnerschaft Cimbria Bonn mit ihrem Dobermann-Hund – Bild von 1906.

Man beachte die jeweils fast waagrechte Trageweise von Band und Uhrenkette bei den beiden Herren. Beide tragen das Band auch sehr hoch, so daß man fast vermuten könnte, daß es beim Sitzenden links und rechts unter der Achsel klemmt... Dieses „Phänomen“ findet sich auf alten Studentenbildern immer mal wieder. Meine Vermutung geht dahin, daß man es so trug, damit man es auch bei einem geschlossenen Sakko mit kleinem Ausschnitt zwischen der Revers noch gut sehen konnte.

1903 "verdoppelte" man das Haus der Skull & Bones in Yale und setzte zwischen Alt- und Neubau einen neuen Eingangsbereic...
25/08/2026

1903 "verdoppelte" man das Haus der Skull & Bones in Yale und setzte zwischen Alt- und Neubau einen neuen Eingangsbereich. In dieser gestalt hat sich das Gebäude bis heute erhalten.

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Unbekannter Angehöriger der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller - um 1895.
23/08/2026

Das schöne Couleurbild zum Sonntag: Unbekannter Angehöriger der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller - um 1895.

Valentin Porr und der Unbekannte – der Mutmaßungs-Mittwoch...Im leider komplett unbeschrifteten Bild kann der rechts ste...
19/08/2026

Valentin Porr und der Unbekannte – der Mutmaßungs-Mittwoch...

Im leider komplett unbeschrifteten Bild kann der rechts stehende Herr eindeutig benannt werden. Es handelt sich um den Mediziner Valentin Porr (1848-1886) aus der Rheinpfalz, Angehöriger des Corps Rhenania Würzburg, dessen Vita hier bereits Thema war:

https://www.facebook.com/photo/?fbid=1525213682941781&set=a.594043170618620

Der andere Korporierte kann leider nicht so einfach identifiziert werden. Der Aufnahmeort Fürth lässt aber vermuten, daß es sich wohl um einen Kommilitonen Porrs aus dessen Studienzeit 1872 bis 1874 in Erlangen handelt. Einer Erlanger Korporation können Band und Mütze allerdings nicht zugeordnet werden. Spontan fällt einem die damals bestehende, zunächst kurzlebige Rhenania II ein, aber das Band passt nicht (für deren Couleur hellblau-weiß-blutrot falsche Reihenfolge).

Vielleicht nähert man sich der Person über das im oben verlinkten Text bereits besprochene Pistolenduell im Erlanger Eichenwäldchen
an, bei dem Porr beteiligt war. Der Zweikampf, der den Corpsstudenten Friedrich Lang das Leben kostete und besonders der darauf folgende Strafprozeß fand in der Presse seinerzeit einen breiten Niederschlag.

Auffällig ist, daß dort zwar einerseits alle Beteiligten namentlich aufgeführt wurden, die Korporationszugehörigkeit aber nur bei einigen und da auch teils unvollständig erwähnt wird. Beim Herausforderer Eugen Block (Corps Silesia Breslau und Saxonia Leipzig) wird nur das Band in Leipzig erwähnt. Zum Geforderten Lang erfährt man immer nur, daß er bei einem Corps Franconia aktiv war, in einigen Berichten wird dies präzisiert und auf das Corps Franconia München verwiesen. Dies deckt sich auch mit den Angaben in den Kösener Corpslisten, allerdings war sein Urbund das Corps Suevia Tübingen und nach München nahm er noch bei Franconia Jena ein Band auf. Auch die Dedikation des Bildes von Porr bestätigt diese dreifache Aktivität.

Die Listen des Köseners wären allerdings womöglich hinsichtlich des Studienfachs von Lang zu korrigieren. Hier wird er als „cand. iur.“ geführt, aber die Studentenverzeichnisse aus Tübingen, Jena und schließlich Erlangen weisen ihn alle als Mediziner aus... Die Zeitungsmeldungen weisen auch darauf hin, daß er bei Franconia (München?) bereits philistriert gewesen sein soll – eine weitere Merkwürdigkeit.

Eine etwas „buntere“ und für uns dadurch ggf. hilfreiche Schilderung der Umstände des Duells lieferte in der Prozeßberichterstattung am 16. Oktober 1874 die „Süddeutsche Reichs-Post“ aus Augsburg. Diese sah das Duell und den studentischen Ehrenbegriff durchaus kritisch und bezog beileibe nicht Stellung für eine der Parteien.

Lang wurde als Medizinstudent, „welcher sich seit sechs Jahren Studirens (sic!) halber auf verschiedenen Universitäten, zuletzt in Erlangen, aufhielt“ und im Vergleich zu seinem Kontrahenten Block („21 Jahre alt - Israelit“ - „ein kleiner und schwächlicher Mann“) als „eine wahre Athletengestalt“ beschrieben. Zu Lang wurde noch angemerkt, daß er „in Duellen nicht weniger als 86 Kopfnarben davongetragen hatte“, was bei mindestens sieben Aktivensemestern an drei Hochschulorten angesichts der damaligen Verhältnisse seine Richtigkeit haben könnte, auch wenn diese „Duelle“ wohl größtenteils Schlägermensuren gewesen sein dürften. Es wurde auch auf die drei medizinischen Gutachter verwiesen, von denen einer ausführte, daß die Verletzungen Langs theoretisch auch hätten ausheilen können, aber daß eine „Verfettung des Herzens“ den schnellen Tod begünstigt habe.

Sehen wir hier neben Porr im heutigen Bild also vielleicht die „Athletengestalt“ mit einer bereits bestehenden ungesunden Veränderung eines wichtigen Organs? Das unglückliche Opfer des Duells vom 11. Juli 1874?

Dagegen spricht natürlich, daß der Sitzende nur ein Band trägt. Lang wurde 1870 bei Suevia Tübingen, 1871 bei Franconia München und 1872 bei Franconia Jena recipiert. Mit viel Phantasie könnte man die Couleur im Photo den Corps in Tübingen oder München zuordnen.

Was spräche dafür, daß hier tatsächlich Lang zu sehen sein könnte? Nun, Lang und Porr waren Landsleute, beide Mediziner und Porr war Langs Sekundant beim Duell. Von der Gestalt her könnten wir tatsächlich einen großgewachsenen und nicht ganz schlanken Mann vor uns haben. Was mich aber eigentlich hauptsächlich auf den Gedanken brachte, daß wir hier den im Duell gefallenen Friedrich Lang sehen könnten, ist die Tatsache, daß ich dieses Photo mit dem Einzelbild Porrs, das dem Lang gewidmet wurde, erworben habe. Beide könnten also aus Langs Nachlaß stammen und dann wäre es seltsam, wenn sich hier ein Bild Porrs und eines Fremden befände, das aber von keinem der beiden wie sonst üblich dediziert/beschriftet wurde.

Vielleicht findet sich bei Langs Corps ja jemand, der einmal einen Blick in die Ahnengalerie werfen könnte und das alles falsifiziert oder bestätigt.

In jedem Fall sollten wir uns aber heute an die beiden Opfer eines nach meiner Ansicht schon damals als übersteigert anzusehenden Ehrbegriffs erinnern, denn nicht nur Lang, sondern auch der schließlich verurteile Block überlebten die Sache nicht. Letzterer nahm sich kurz vor Antritt seiner - aus heutiger Sicht - läppischen Strafe (ein Jahr Festungshaft) das Leben.

Die schöne Couleurpostkarte zum Sonntag: Der Weimarer Chargierten-Convent farbentragender Sängerschaften – um 1910 event...
16/08/2026

Die schöne Couleurpostkarte zum Sonntag: Der Weimarer Chargierten-Convent farbentragender Sängerschaften – um 1910 eventuell entstanden anlässlich des 4. Bundesfestes.

Zwei biedermeierlich gekleidete Couleurstudenten mit ihren Ziegenhainer Knotenstöcken grüßen die 1906 zum dauerhaften Tagungsort gewählte Stadt an der Ilm. Wir erkennen die Türme des Stadtschlosses links und der danebenliegenden Stadtkirche St. Peter und Paul, besser bekannt als „Herderkirche“.

Unter den Farbschilden finden sich einige Verbindungen, die heute Landsmannschaft, Turnerschaft oder sogar Corps sind. Insofern lohnt sich die genaue Betrachtung auch für etliche Nicht-Sängerschafter; vielleicht finden sie ja ihren Bund.

Entwerfer war Dr. ing. Dipl.-Ing. Eugen Pietschmann (1881-1937), später Magistratsbaurat in Halle/Saale. Er gehörte der Sängerschaft Erato Dresden und ab 1921 auch der Salia Halle an.

Adresse

Schloßhof 1
Heidelberg
69117

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