31/08/2026
Schneller, einfacher, günstiger? Der Wert guter Planung am Scheideweg
Beim 20. Symposium zur Förderung der Baukultur in Niedersachsen am 27. August in Hannover stand die Qualität der Entscheidungen im Mittelpunkt, die unter Zeit- und Kostendruck getroffen werden. Die These des Tages: Gute Planung macht Beschleunigung erst wirksam, weil sie Konflikte, Nachträge und spätere Kosten vermeiden kann.
Monika Thomas, Präsidentin der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), stellte die aktuelle Baukrise in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Hohe Baukosten, ökonomische Unsicherheit, Klimawandel und Ressourcenknappheit verlangen Veränderungen. Normen müssten überprüft, entschlackt und neu justiert werden. Doch bevor Regeln fallen, müsse geklärt werden, welche Werte sie schützen sollen. Thomas warb für eine neue Evaluationskultur, mehr Vertrauen und Mut zum Experiment. Ihre Perspektive: Aus dem Zwang, einfacher und günstiger zu bauen, kann eine neue, eigenständige Baukultur entstehen.
Wie Planungsqualität konkret entsteht, zeigten anschließend unterschiedliche Perspektiven aus Stadtentwicklung und Architektur. Thimo Weitemeier, Stadtbaurat der Stadt Osnabrück, stellte das LokViertel vor. Hans-Peter Boltres, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt im Bezirksamt Hamburg-Nord, berichtete über das Hamburger Pergolenviertel und die Bedeutung einer Planung im Dialog. Jan Löhrs, geschäftsführender Gesellschafter von Spine Architects, nahm dasselbe Quartier aus der Entwurfspraxis in den Blick.
Leon Beck, Vorstandsvorsitzender von Architects for Future Deutschland, rückte Bestand und Innenentwicklung ins Zentrum. Am Nachmittag wurde der Bau-Turbo kommunal konkret. Frank Schlegelmilch, Büropartner bei BPW Stadtplanung, zeigte am Beispiel Ritterhude, wie städtebauliche Leitlinien neue Spielräume ordnen und Fehlentwicklungen begrenzen können. Wie schwierig der neue Spielraum in der Praxis sein kann, zeigte Maike Klesen, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung der Stadt Gifhorn. Vera Hartmann, Director + Partner bei sauerbruch hutton, schloss den Tag mit einem Blick auf ganzheitliche Planung für zukunftsfähiges Bauen.
Fotos: Kai-Uwe Knoth