31/10/2025
++ Aus der Museumssammlung: Eine Pfeilspitze - vom bayerischen Altmühltal an die westfälische Lenne ++
In der Sammlung des Archäologiemuseums Hagen finden sich zahlreiche interessante Fundstücke aus der Region. Viele steinzeitliche Werkzeuge und geschliffene Beilklingen wurden aus ortsfremden Rohmaterialien gefertigt. Sie stammen teilweise aus weit entfernten Gegenden. Dort hat man sie wie auf der bayerischen Frankenalb, im böhmischen Isergebirge und im niederländischen Maasgebiet bergmännisch abgebaut.
Wie diese Werkzeuge ins heutige Südwestfalen und in den Hagener Raum gelangten, kann bislang nur vermutet werden. Sicher ist nur, dass sie über weite Entfernungen von teilweise hunderten Kilometern transportiert wurden. Doch nicht nur Hornsteine und Flint wurden "verhandelt", sondern auch Beilklingen aus verschiedenen Felsgesteinen.
Die abgebildete Pfeilspitze - zu sehen ist die Vorder- und Rückseite - ist beschädigt und hat eine Restlänge von 4,2 cm. Sie zeigt an der Spitze (oben) eine Gebrauchspur in Form eines „Scharnierbruchs“. Er entsteht, wenn die Pfeilspitze auf einen harten Gegenstand wie Knochen, Geweih oder Stein auftrifft. Das Unterteil der Pfeilspitze, die Basis, ist vermutlich auch durch Gebrauch beschädigt. Vollständig erhaltene Vergleichsstücke z.B. aus den alpinen Uferrandsiedlungen ("Pfahlbauten") zeigen eine gerade bis leicht eingezogene Basis, die in den Pfeilschaft aus Holz eingelassen war.
Die Pfeilspitze wurde 1963 bei einer Ausgrabung des Archäologen Rudolph Kuper von der Universität zu Köln auf dem Burgberg bei Letmathe-Östrich, heute ein Stadtteil von Iserlohn, gefunden. Kuper versuchte, die jungsteinzeitlichen Siedlungsspuren, die damals auf dem Burgberg entdeckt wurden, genauer zu untersuchen.
Lesefunde lieferten Hinweise auf eine Besiedlung des Burgbergs in der Rössener Kultur (ca. 4.790-4.450) bzw. in der Bischheimer Kultur (ca. 4.400-4.200 v.Chr.) sowie während der Michelsberger Kultur (ca. 4.400-3.500 v.Chr.). Im Archäologiemuseum Hagen werden in einer Vitrine ausgewählte jungsteinzeitliche Funde vom Östricher Burgberg gezeigt.
Das Besondere an der Pfeilspitze ist ihr Rohmaterial. Sie besteht nämlich aus jurassischem Plattenhornstein aus dem jungsteinzeitlichen Abbaugebiet in Baiersdorf bei Riedenburg, Landkreis Kelheim, im bayerischen Altmühltal. Dort wurden im Schachtbau flache Hornsteinknollen gewonnen. In der Umgebung des Bergwerks erfolgte die Herstellung von Werkzeugen aus den abgebauten Hornsteinen.
Wie die Pfeilspitze vom Östricher Burgberg zeigt, bearbeitete man die Kanten und Oberflächen der in diesem Fall sehr flachen Hornsteinplatte. Auf diesem Weg wurde die Pfeilspitze in eine langdreieckige Form gebracht. Die auf beiden Oberflächen verbliebenen Rindenreste wurden sorgfältig überschliffen. Zuletzt wurde die Pfeilspitze an der Spitze eines Holzschaftes eingelassen und mit Birkenteer verklebt. Der Holzschaft blieb als organisches Material nicht erhalten, gelegentlich finden sich an Steinwerkzeugen aber Reste von Birkenteer.
Möglicherweise erfolgte der Transport in die vorwiegend im nordalpinen Raum gelegenen jungsteinzeitlichen Siedlungen als fertige Pfeilschäfte. Der Raum Hagen und einige weitere Fundstellen im Rheinland und in Westfalen sind aktuell die weiteste belegte Verbreitungsgrenze. (RBL)
Links
Biografie Dr. Rudolph Kuper
https://www.uni-koeln.de/phil-fak/praehist/africa/hbi-ev/Texte/cv_Kuper.pdf
Burgberg bei Letmathe-Östrich
https://de.wikipedia.org/wiki/Oestricher_Burgberg
Plattenhornstein, Typ Baiersdorf und Abensberg-Arnhofen
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/jahrb-rgzm/article/view/18860
https://de.wikipedia.org/wiki/Feuersteinbergwerk_von_Abensberg-Arnhofen
Foto: Stadtmuseum Hagen / Dr. Ralf Blank, 2021