13/08/2026
[💡 Unten gibt es den Text auch in Einfacher Sprache.]
Die Landesheilanstalt Hadamar ist nicht nur während der „Aktion T4“ ein Ort, an dem Menschen gezielt ermordet werden. Auch wenn nach Beendigung des zentral gesteuerten Mordprogramms nach außen hin wieder ein Anstaltsbetrieb aufgenommen wird und Patient:innen die Stationen belegen, ist der Alltag der Anstalt erneut durch gezielte Tötungen bestimmt.
Diese Morde sind Teil der „dezentralen Euthanasie“. Im gesamten deutschen Reich werden in dieser Zeit Menschen durch überdosierte Medikamente, Mangelernährung sowie extreme Vernachlässigung in zahlreichen psychiatrischen Einrichtungen getötet.
Heute sind allein in Hadamar mehr als 4.400 Ermordete namentlich bekannt.
Während der „dezentralen Euthanasie“ entwickelt sich Hadamar zu einem der wesentlichen Tötungsorte. Anders als bei der „Aktion T4“ gibt es keine aus Berlin gesteuerte Organisation der Morde mehr. Die Verantwortung wird in die Länder- und Provinzverwaltungen abgegeben, die „Euthanasie“ auch ohne zentrale Anweisungen in den Anstalten weiterführt.
Am 13. August 1942 und am folgenden Tag kommen die ersten Transporte mit über 120 Patienten aus der Nervenklinik Bremen. Diese markieren den Beginn der „dezentralen Euthanasie“. Bis 1945 sterben auf den Anstaltsstationen neben psychisch erkrankten durch den Bombenkrieg traumatisierte Menschen, ehemaligen Soldaten der Wehrmacht und Waffen-SS sowie psychisch erkrankten Zwangsarbeiter:innen auch Kinder und Jugendliche.
Darüber hinaus gibt es ab 1943/44 Menschen, die nicht aufgrund psychiatrischer Diagnosen ermordet werden: überwiegend an Tuberkulose erkrankte Zwangsarbeitskräfte, sowie „jüdische Mischlingskinder“, die durch Fürsorgeeinrichtungen nach Hadamar überstellt werden.
Die tägliche Selektion zur Ermordung wird vom medizinischen Personal vor Ort getroffen, der Mord selbst individuell durch das diensthabende Pflegepersonal ausgeführt. Nach der Aufnahme in Hadamar sind die Überlebenschancen verschwindend gering. Nur in Ausnahmefällen überleben die Menschen länger als ein paar Wochen oder Monate. Ein heute bekanntes Auswahlkriterium für den Zeitpunkt der Ermordung ist die noch vorhandene Arbeitsfähigkeit der Menschen.
Angehörige werden systematisch über das Schicksal ihrer Familienmitglieder belogen, auch in Bezug auf die Ruhestätte der Ermordeten. Ab 1942 werden die Menschen mehrheitlich in Massengräbern verscharrt. Als Tarnung wurde ein Anstaltsfriedhof mit vorgetäuschten Einzelgräbern angelegt.
Erst mit dem Eintreffen der US-Soldaten am 26. März 1945 wird die systematische Ermordung der Anstaltspatient:innen beendet. Doch auch in der folgenden Zeit sterben weitere Menschen an den Folgen zuvor erlittener Mangelernährung und extremer Vernachlässigung.
[💡 Der gleiche Text einfacher]
Die Landes·heil·anstalt Hadamar ist in der N**i·Zeit ein Ort für Mord.
Dort töten die N***s viele Menschen.
Die Morde mit dem Namen „Aktion T4“ enden 1941.
Danach leben wieder kranke Menschen in der Anstalt.
Die Tötungen gehen weiter.
Die Fach·leute sagen dazu „dezentrale Euthanasie“.
Das heißt: Die Morde finden an vielen Orten statt.
Im ganzen Deutschen Reich töten N***s viele kranke Menschen.
Sie geben zu viele Arznei·mittel.
Arznei·mittel sind Mittel gegen Krank·heiten.
Sie geben zu wenig Essen.
Sie helfen den Menschen nicht mehr.
Hadamar wird zu einem der wichtigsten Orte für diese Morde.
Mindestens 4.400 Menschen werden dort ermordet.
Am 13. August 1942 kommen die ersten Menschen aus der Nerven·klinik Bremen nach Hadamar.
Eine Nerven·klinik ist ein Kranken·haus für Menschen mit seelischen Krank·heiten.
Am Tag danach kommt ein weiterer Transport.
Mehr als 120 Menschen kommen nach Hadamar.
Damit beginnt die „dezentrale Euthanasie“ in Hadamar.
Bis 1945 sterben in Hadamar viele Menschen.
Dazu gehören Menschen mit einer seelischen Krank·heit.
Dazu gehören auch Menschen mit Leid durch den Bomben·krieg.
Dazu gehören frühere Soldaten der Wehrmacht und der Waffen·SS.
Die Wehrmacht war die Armee in der N**i·Zeit.
Die Waffen·SS war eine Kampf·gruppe der SS.
Die SS war eine wichtige Macht·gruppe der N***s.
Zu den Opfern gehören auch Zwangs·arbeiter·innen und Zwangs·arbeiter mit einer seelischen Krank·heit.
Zwangs·arbeit heißt: Menschen müssen gegen ihren Willen arbeiten.
Auch Kinder und Jugend·liche sterben dort.
Ab 1943 und 1944 werden weitere Menschen in Hadamar umgebracht.
Einige der Opfer haben Tuberkulose.
Tuberkulose ist eine schwere Krank·heit der Lunge.
Auch „jüdische Mischlings·kinder“ kommen nach Hadamar.
Das ist ein Wort aus der N**i·Zeit.
Die N***s nutzen das Wort für Kinder mit jüdischen und anderen Vor·fahren.
Fürsorge·einrichtungen bringen diese Kinder nach Hadamar.
Fürsorge·einrichtungen helfen Menschen im Alltag.
In der N**i·Zeit helfen sie den Menschen jedoch nicht.
Ärzt·innen und Ärzte wählen jeden Tag Menschen für den Mord aus.
Pflege·kräfte führen die Tötung aus.
Nach der Ankunft in Hadamar leben die meisten Menschen nur noch kurze Zeit.
Nur wenige Menschen leben einige Wochen oder Monate.
Ein Grund für den Zeit·punkt der Tötung ist die Arbeits·kraft.
Arbeits·kraft heißt: Ein Mensch kann noch arbeiten.
Die Anstalt gibt den Familien falsche Auskünfte.
Die Anstalt sagt auch falsche Dinge über das Grab der ermordeten Menschen.
Ab 1942 kommen viele ermordete Menschen in große Gräber.
Große Gräber für viele Tote heißen Massen·gräber.
Am 26. März 1945 kommen Soldaten aus den USA nach Hadamar.
Damit endet der Mord in Hadamar.
Viele Menschen sterben aber später an den Folgen von zu wenig Essen und zu wenig Hilfe.
Foto: Blick auf den Friedhof der Anstalt, wo Ermordete in Massengräbern beigesetzt wurden. United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of National Archives and Records Administration, College Park
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