16/05/2026
"Aus dem Nähkästchen geplaudert ... "
„Lokalzeitung heute - Im Spannungsfeld zwischen Lesererwartungen und digitaler Transformation“ lautete das Thema einer Veranstaltung, zu der der Heimatverein Gronau am Montag eingeladen hatte. Um eine möglichst ortsbezogene Sicht auf das Thema zu garantieren, hatte der Verein Guido Kratzke von der WN-Lokalredaktion als Referenten passend zum Tag des Lokaljournalismus eingeladen.
Nach einer kurzen Vorstellung seiner beruflichen Laufbahn griff Kratzke locker, und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, den Begriff „digitale Transformation“ auf. So führte er aus, dass die Lokalzeitungen vor einem tiefgreifenden Wandel stehen. Die Leserschaft altert, die Printauflagen schrumpfen stetig und digitale Plattformen gewinnen insbesondere bei jüngeren Lesern zunehmend an Bedeutung, heißt es in einer Mitteilung des Heimatvereins.
Der Generationswechsel erfordere, so Kratzke weiter, zudem neue journalistische Formate vor Ort. Dabei verwies er auf Projekte wie die Pop-up-Redaktion auf dem vergangenen Weihnachtsmarkt oder das Live-Interview vor Lesern mit Bürgermeister Jörg von Borczykowski, das auch als Video im Internet angeboten wird.
Hilfreich bei der Themenbewertung, so der Lokalredakteur, seien datenbasierte Auswertungen über das Zugriffsverhalten digitaler Leserinnen und Leser. Dabei orientiere sich die Entscheidung über die Veröffentlichung von Beiträgen und Nachrichten an lokaler Relevanz. Es bleibe bei allem natürlich die Frage: Was sind wertvolle lokal-journalistische Produkte, für die Menschen gern bezahlen?
Ein weiteres Thema des Redakteurs bezog sich auf die Zukunft der gedruckten Lokalausgaben. Möglicherweise liegt die Tageszeitung schon in einigen Jahren nicht mehr morgens im Briefkasten, so die Befürchtung einiger Veranstaltungsteilnehmer. Dafür könne man die Ausgaben schon am Abend vorher auf dem Handy, dem Tablet oder am PC lesen, wies der Journalist auf Alternativen hin.
In den Vereinigten Staaten seien „News Deserts“ – Nachrichtenwüsten ohne regionale Medien - für die demokratischen Debatten ein Problem. In Deutschland gebe es dies in dieser Form zwar noch nicht, allerdings hätten erste Zeitungen schon den Vertrieb gedruckter Ausgaben eingestellt, rundete Kratzke das Thema „E-Paper“ ab.
Nach einem rund 45-minütigen Schnelldurchgang mit weiteren Aspekten, die einen Wandel der Zeitungslandschaft hervorrufen werden, bedankten sich die zahlreich erschienenen Heimatfreunde mit lebhaftem Applaus für den informativen Vortrag.
In der sich anschließenden Aussprache brachten dann zahlreiche Zuhörer ihre breit gefächerten Wünsche in Sachen „lokaler Berichterstattung“ zum Ausdruck. Das eingebrachte Feedback soll, soweit möglich, für die künftige Redaktionsarbeit berücksichtigt werden.
Bereits im kommenden Jahr könnte es ein Wiedersehen geben. Dann, so der Vorschlag aus den Reihen der Mitgliederschaft, könnte ihnen in der Praxis gezeigt werden, wie die digitalen Angebote konkret aussehen und vor allem, wie sie genutzt werden können. Ob sie für die langjährigen Leser der gedruckten Ausgabe tatsächlich eine Alternative darstellen können, ließen die Heimatfreunde offen. Mit dem digitalen Mehrwert wollen sie sich allerdings gern auseinandersetzen.
Bildunterschrift: Guido Kratzke zog mit seinen lebhaften und viel Herzblut gepaarten Ausführungen die zahlreichen Heimatfreunde in seinen Bann. (Foto: EWB)