Altertumsverein Grünstadt-Leiningerland

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Vor genau 128 Jahren, laut Vorwort „im September 1898“, erschien in Sausenheim das vom dortigen evangelischen Pfarrer pu...
01/09/2026

Vor genau 128 Jahren, laut Vorwort „im September 1898“, erschien in Sausenheim das vom dortigen evangelischen Pfarrer publizierte Buch „Die Japaner“. Es hat den stolzen Umfang von 417 Seiten und wurde in Berlin, vom A. Haack Verlag herausgegeben. Das Werk beschreibt Japan und das japanische Volk in sehr anschaulicher Weise. Wieso aber entstand es mit dieser ausgefallenen Thematik ausgerechnet in Sausenheim?

Dieser Frage ging der Altertumsverein Grünstadt nach, in dessen Bibliothek sich überraschend ein Exemplar davon fand. Es war als orts- und themenfremd schon zum Verschenken bestimmt, als glücklicherweise noch rechtzeitig der Herausgabeort Sausenheim ins Auge stach.

Recherchen ergaben nun, dass der Verfasser Carl Munzinger von 1896 bis 1901 Pfarrer in Sausenheim war und dort im Amt von unserem Vereinsgründer Emil Müller abgelöst wurde. Munzinger, der 1864 in Quirnbach bei Kusel zur Welt kam, hielt sich zwischen 1890 und 1895 als einer von insgesamt 3 Missionaren des Allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsvereins (Deutsche Ostasienmission) in Japan auf. Hier studierte er aufmerksam Land und Leute, außerdem erlernte er japanisch in Wort und Schrift. Wegen schwerer Erkrankung begab er sich im Winter 1895/96 auf Heimaturlaub. Man riet Carl Munzinger dringend von einer Rückkehr nach Japan ab und er trat deshalb in den Dienst der Pfälzischen Landeskirche ein. So kam er 1896 als Pfarrer nach Sausenheim. Hier hielt er alle Erinnerungen an Japan und die dort gewonnenen Erkenntnisse in Buchform fest, bevor sie zu verblassen drohten. Es entstand ein hochinteressantes Werk das auch nach fast 130 Jahren noch nichts an Frische verloren hat.

Natürlich ist es inzwischen mehr als selten, wurde jedoch digitalisiert und kann im Internet abgerufen werden.
https://www.deutschestextarchiv.de/book/show/munzinger_japaner_1898

Carl Munzinger war zuletzt Oberkirchenrat in Speyer und starb 1937 in Heidelberg.

Eine Japan-Monographie aus Sausenheim — wer hätte das für möglich gehalten?😅

Heute vor 80 Jahren wurde das Land Rheinland-Pfalz gegründet. Am 30. August 1946 erschien im Gesetzesblatt der französis...
30/08/2026

Heute vor 80 Jahren wurde das Land Rheinland-Pfalz gegründet.

Am 30. August 1946 erschien im Gesetzesblatt der französischen Besatzungsmacht die Verordnung Nr. 57, über die Bildung des Landes Rheinland-Pfalz aus der ehemals bayerischen Pfalz, den Regierungsbezirken Koblenz und Trier der ehemaligen preußischen Rheinprovinz, den linksrheinischen Teilen der ehemals zum Volksstaat Hessen gehörigen Provinz Rheinhessen, Teilen der preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem ehemals oldenburgischen Gebiet um Birkenfeld. Das neue Land umfasste Gebiete, die bisher unter französischer Verwaltung standen und entlang von Rhein und Mosel liegend, zwar kulturell verwandt, jedoch früher auf diverse deutsche Staaten aufgeteilt waren. Als historisches Vorbild diente wohl das alte französische Département du Mont-Tonnerre, dessen Hauptstadt Mainz, nun auch die des neuen Landes werden sollte.

Alsbald entsandte man aus den bereits gewählten Kreis- und Gemeinderäten Abgeordnete in die neu zu bildende „Beratende Landesversammlung“, welche die Verfassung ausarbeiten sollte. Sie war sozusagen das 1. Rheinland-Pfälzische Parlament und tagte in Koblenz.

Hier kann nun das Museum Grünstadt mit 2 ganz besonderen Stücken zum Gründungsjubiläum unseres Landes aufwarten, die es vielleicht kein zweites Mal mehr gibt. Sie tauchten aus dem Nachlaß der Buchdruckerei Sommer auf. Deren Inhaber Eugen Sommer (1876-1961) gehörte nämlich als Grünstadter der „Beratenden Landesversammlung“ an und arbeitete die Landesverfassung mit aus (Foto rechts oben). Sein Großvater Elias Sommer war vom jüdischen Glauben zum Christentum konvertiert, weshalb die Sommers in der NS-Zeit stark benachteiligt wurden.

Unter vielen handschriftlichen Papieren der Familie lagen die 2 abgebildeten Zettel, die sich als erstrangige Dokumente unserer Landesgeschichte entpuppten. Auf dem einen Zettel sind Eugen Sommers persönliche Daten als Abgeordneter der Landesversammlung in Koblenz und sein Quartier aufgeschrieben. Demnach war er der Abgeordnete Nr. 85 und wohnte im Hotel „Prinz Karl“ in Bad Ems. Der andere Zettel ist eine Liste persönlicher Gegenstände, die der neue Abgeordnete mit auf die Reise nahm. Sie reicht von einem Uhrständer für die Taschenuhr, über Cognac mit Gläschen, bis hin zu Büchsenöffner und 1 Säckchen Kartoffeln — man schrieb das Jahr 1946!

Das Museum Grünstadt ist sehr glücklich darüber, mit diesen zwar unscheinbaren aber historisch erstklassigen Dokumenten etwas Besonderes zur frühen Landesgeschichte beisteuern zu können und verbindet dies mit den herzlichsten Glückwünschen an unseren Jubilar.

Am 29. August 1850, heute vor 176 Jahren, wurde in Grünstadt der Franziskanerpater Franz Vogel geboren. Er galt zu seine...
29/08/2026

Am 29. August 1850, heute vor 176 Jahren, wurde in Grünstadt der Franziskanerpater Franz Vogel geboren. Er galt zu seinen Lebzeiten als einer der authentischsten Vertreter seines Ordens und stand im Ruf der Heiligkeit.

Ursprünglich hieß er Michael Vogel, erhielt 1873 die Priesterweihe und war Kaplan in Busenberg, sowie in Steinfeld. Zwei seiner Brüder wurden ebenfalls Priester, wie er.

Die Nachricht eines vom Glauben abgefallenen Geistlichen (es soll der eigene Bruder gewesen sein) ließ ihn innerlich nicht mehr zur Ruhe kommen und er beschloss, als Sühneleistung für den Mitbruder ins Kloster einzutreten. Seinem überraschten Umfeld hinterließ er lediglich einen Zettel mit der Aufschrift: „Adieu liebe Freunde, ich gehe ins Kloster“.

Über das pfälzische Kloster Oggersheim kannte er den Franziskaner-Minoritenorden. Im Mutterhaus der deutschen Ordensprovinz, zu Würzburg, wurde Kaplan Michael Vogel am 13. September 1877 in die Gemeinschaft aufgenommen und erhielt den Ordensnamen „Pater Franz“. Zunächst führte er im Kloster ein zurückgezogenes Leben innerer Besinnung und Buße. 1879 betreute er drei Wochen lang die verwaiste Pfarrei Lambsheim und führte feierlich den Nachfolger, Pfarrer Franz Bettinger, dort ein — später Kardinal-Erzbischof von München.

Von 1890 bis 1909 wirkte Pater Vogel als deutschsprachiger Beichtvater und Seelsorger im weltbekannten italienischen Wallfahrtsort Loreto. Er kehrte nach Deutschland zurück, um von 1909 bis 1911 Guardian (Abt) im Kloster Schönau und 1911/1912 in Würzburg zu sein. Von 1912 bis 1915 wirkte er nochmals als Pilgerseelsorger in Loreto.

Ab 1915 kam Franz Vogel endgültig wieder in die Heimat und lebte als Ordensmann im Minoritenkonvent Würzburg. Hier versah er die Ämter des Klerikermagisters, des Instruktors der Laienbrüder, war Bibliothekar und wirkte besonders als erfahrener Beichtvater. Bereits zu Lebzeiten sahen die Gläubigen Pater Franz Vogel als „heiligmäßig“ an. Bei seinem Tod setzte deshalb 1926 ein Zustrom von Pilgern ein, auch viele die an seinem Leichnam Andachtsgegenstände berührten. Der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried nahm höchstselbst an den Trauerfeierlichkeiten des weithin bekannten Mönchs teil.

Wegen der allgemeinen Verehrung Pater Vogels sammelte und archivierte der Orden Material über ihn, das ggf. einer späteren Seligsprechung dienen soll. Es wurden sogar Andachtsbildchen im Gedenken an den Grünstadter gedruckt (linkes Bild). 1971 sind Pater Franz Vogel in dem Gedenkbuch „Im Dienst der Gemeinde - 750 Jahre Minoriten in Würzburg“ mehrere Buchseiten gewidmet und er wird dort als „Vorbild der aszetischen, franziskanischen Grundhaltung der Buße, des Gebetes und des Apostolats“ bezeichnet. In einem Gedenkartikel der Speyerer Diözesanzeitung „Der Pilger“ hieß es 1950, zum 100. Geburtstag, er sei ein zweiter St. Franziskus aus der Pfalz gewesen.

So wurde einmal ein Grünstadter zum Vorbild seines Ordens in ganz Deutschland. Aber wer weiß dies heute noch??

Am 25. August 1768, gestern vor 258 Jahren, starb in Darmstadt der 1719 in Grünstadt geborene Maler Johann Conrad Seekat...
26/08/2026

Am 25. August 1768, gestern vor 258 Jahren, starb in Darmstadt der 1719 in Grünstadt geborene Maler Johann Conrad Seekatz.

Er gilt als der bedeutendste Grünstadter Maler und lebte ab 1753 als Hofmaler in Darmstadt. Hier wurde er besonders gefördert durch die aus Heidesheim bei Grünstadt stammende Gräfin Marie Luise Albertine von Leiningen-Dagsburg, verheiratet mit dem Bruder des hessischen Landgrafen. Für sie und ihren Gatten fertigte er u.a. Rokoko-Dekorationsmalereien im Schloss Braunshardt bei Weiterstadt. Außerdem verkehrte Johann Conrad Seekatz in Frankfurt mit Goethes Vater und porträtierte dessen Familie. Einige dieser Bilder sind im Frankfurter Goethe-Haus ausgestellt. Johann Wolfgang von Goethe erwähnt und beschreibt Seekatz ausführlich in seinen Memoiren „Aus meinem Leben“.

Vor einigen Jahren konnten wir für das Museum Grünstadt dieses schöne Seekatz-Gemälde eines Pfeifenrauchers erwerben. Laut rückseitiger, alter Beschriftung soll es ein Selbstporträt sein, was durchaus stimmen kann. Goethe charakterisiert den Künstler als einen „sehr in sich gezogenen Mann“ der jedoch „unter Freunden durch eine unvergleichlich heitere Laune“ bestach. Beides kommt sicher auch ein wenig in dem verschmitzten Blick des Mannes auf dem Porträt zum Ausdruck.

Heute vor 240 Jahren, am 25.08.1786, wurde König Ludwig I. von Bayern in Straßburg geboren. Er wuchs in Mannheim auf und...
25/08/2026

Heute vor 240 Jahren, am 25.08.1786, wurde König Ludwig I. von Bayern in Straßburg geboren. Er wuchs in Mannheim auf und die Pfalz liebte er von ganzem Herzen. Ihr schenkte er die Ludwigsbahn, das Kloster Oggersheim, die Marienkirche in Neustadt und ließ den Speyerer Dom renovieren (neue Westfassade) bzw. ausmalen; Ludwigshafen trägt seinen Namen. Als Sommerresidenz schuf er sich Schloss Ludwigshöhe bei Edenkoben. Sein erklärter Lieblingsplatz war aber der abgebildete Pavillon der Familie Lingenfelder, bei Gimmeldingen. Dort hielt er sich oft auch mit fürstlichen Gästen auf. Den hier von ihm geprägten Spruch: "Der Garten Deutschlands -- die blühende Pfalz" ließ ihm Familie Lingenfelder dort 1925, als Zeichen dankbarer Erinnerung, auf einen Gedenkstein schreiben.

Als der Monarch 1829 in Grünstadt weilte, speiste er in der Jakobslust. Damit ihn die neugierigen Grünstadter besser sehen konnten ließ er leutseliger Weise beim Mittagessen im Erdgeschoß alle Fenster öffnen und sich von draußen bestaunen wie die Affen im Zoo. 😅

Am 20. August 1914, heute vor 112 Jahren, wurde in der Schlacht bei Saarburg/Lothringen, an einem Flurkreuz, von einer G...
20/08/2026

Am 20. August 1914, heute vor 112 Jahren, wurde in der Schlacht bei Saarburg/Lothringen, an einem Flurkreuz, von einer Granate, das Kreuz wegeschossen und die Heilandsfigur blieb unversehrt stehen. Allgemein betrachtete man das besondere Monument fortan als eindruckvolles Mahnmal des Krieges. Die Soldaten erzählten davon, es wurde ein Lied darüber gedichtet und das zuvor völlig unbekannte Kreuz avancierte, quasi über Nacht, zum beliebten Postkartenmotiv, tausendfach auf Feldpostkarten in die Heimat geschickt. Es existiert übrigens in diesem Zustand bis heute, jedoch durch den zeitlichen Abstand zum I. Weltkrieg weitgehend in Vergessenheit geraten.

Als sich der Krieger- und Waffenbrüder-Verein Mühlheim an der Eis 1932 eine neue Fahne sticken ließ, die weniger vom früheren Hurra-Patriotismus als vom traumatischen Erlebnis des I. Weltkriegs zeugen sollte, wählte man just dieses Saarburger Kreuz als Zentralmotiv. Davor liegt ein verwundeter bayerischer Soldat, der Trost suchend zu ihm aufschaut. Eine ganz außergewöhnlich geschmack- und kunstvolle Kriegervereinsfahne, wie es sie im gesamten Leininger Land nicht ein zweites Mal gab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sie ein amerikanischer Soldat als Beutestück und Souvenir mit in seine Heimat, brachte sie aber nach einigen Jahrzehnten zurück, da ihn das schlechte Gewissen plagte.

Heute befindet sich die eindrucksvolle Mühlheimer Fahne im Museum Grünstadt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuz_von_Saarburg

Am 19. August 1625, heute vor 401 Jahren, starb in Asselheim, an der damals grassierenden Pest, Pfarrer Theodor Rhodius....
19/08/2026

Am 19. August 1625, heute vor 401 Jahren, starb in Asselheim, an der damals grassierenden Pest, Pfarrer Theodor Rhodius.

In Ladenburg geboren wurde er Schüler und später Lehrer an der Lateinschule Höningen. 1601 berief ihn der Graf von Leiningen zum lutherischen Pfarrer von Quirnheim, 1612 von Asselheim. Theodor Rhodius verfasste lateinische Dramen und Komödien; er zählt zu den bekannteren deutschen Späthumanisten. Deshalb besitzt er einen Eintrag in der "Allgemeinen deutschen Biographie" (1889).
1601 wurde er in Heidelberg zum Dichter gekrönt.

Sowohl sein Buch „Poemata Varia“ - Verschiedene Dichtungen (großes Bild) als auch seine „Dramata Sacra“ - Geistliche Dramen (rechts unten) entstanden laut einleitender Widmung zu Asselheim im Wormsgau, nämlich in „Asselheimii Vangionum“, wie es im Originaldruck von 1615 heißt (rechts oben).

Am 18. August 1765, heute vor 261 Jahren, starb Kaiser Franz I. Stephan völlig unerwartet an einem Schlaganfall in der I...
18/08/2026

Am 18. August 1765, heute vor 261 Jahren, starb Kaiser Franz I. Stephan völlig unerwartet an einem Schlaganfall in der Innsbrucker Hofburg, als die Herrscherfamilie anlässlich einer Hochzeit dort weilte. Er war ein Lothringer und brachte 1736, bei seiner Eheschließung, auch die pfälzische Grafschaft Falkenstein mit der Exklave Hohen-Sülzen in den österreichischen Hausbesitz ein.

Seine Gattin Maria Theresia liebte ihn sehr und betrauerte ihn tief. „Zum ewigen Gedenken“ gründete sie noch im gleichen Jahr an der Todesstätte ihres Mannes ein Adeliges Damenstift (beigefügtes Bild: Maria Theresia trauernd vor dem Bild ihres Gatten mit Stiftungsurkunde und Ordenszeichen des Damenstiftes).

Die Stiftsdamen mussten 16 adelig geborene Ahnen, ein Mindestalter von 24 Jahren, die katholische Religion und einen tugendhaften Lebenswandel besitzen. Ihre Anzahl war auf 12 begrenzt. Als gemeinsamer Gebetsraum diente das zur Kapelle umgebaute Sterbezimmer Kaiser Franz Stephans (beigefügtes Bild). Hauptaufgabe der Stiftsdamen war das Gebet für den Verstorbenen. Jeden Vormittag mussten sie an zwei Messen für ihn teilnehmen und am Abend, zur Sterbestunde des Kaisers, das Totenoffizium beten. Sie trugen schwarze Kleider, darüber ein schwarzes Mäntelchen mit weißem Hermelinbesatz und einen weißen Schleier, zudem das ovale Ordenszeichen mit einem Kreuz, an einer weiß/blauen Bandschleife (beigefügtes Bild von Vorder- und Rückseite des Ordenszeichens).

Im Museum Grünstadt besitzen wir das seltene Porträt einer dieser Innsbrucker Ordensdamen (beigefügtes Bild). Es ist Gräfin Seraphine zu Leiningen-Westerburg-Neuleiningen (1810-1874), die 1838 dort eintrat. Ihr Vater, ein österreichischer Offizier, kam noch in Grünstadt zur Welt. Gräfin Seraphine war sehr wohltätig und eine Broschüre des Altertumsvereins befasst sich mit ihr. Sie ist kostenlos im Museum Grünstadt erhältlich und eine Co-Produktion mit dem Stadtarchiv Westerburg.

Am 16. August 1705, heute vor 321 Jahren, fiel Graf Philipp Ludwig von Leiningen, als kaiserlicher General, in der Schla...
16/08/2026

Am 16. August 1705, heute vor 321 Jahren, fiel Graf Philipp Ludwig von Leiningen, als kaiserlicher General, in der Schlacht von Cassano. Er starb als letzter männlicher Sproß der Linien Leiningen-Rixingen und Leiningen-Leiningen.

Graf Philipp Ludwig war 1671 zur katholischen Kirche konvertiert und übernahm 1686 die Regierung der Grafschaft Leiningen, die als Streubesitz teilweise auf französischem, teilweise auf deutschem Territorium lag. Bei Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekrieges verfügte der Kaiser 1688, dass alle Deutschen ihren Dienst im feindlichen, französischen Heer quittieren sollten. Graf Philipp Ludwig, französischer Offizier, kam dieser Weisung nur zögerlich nach, da er beim Wechsel der Seiten um seine Besitzungen fürchtete. Dennoch gab er im gleichen Jahr seinen französischen Kriegsdienst auf und zog sich auf Burg Altleiningen, im deutschen Teil der Grafschaft zurück. Deren Hauptort war das nahe Städtchen Grünstadt, das er 1689 vor völliger Vernichtung bewahrte. Beim Anrücken der Franzosen, befahl der Landesherr die Dächer von den Häusern abzuwerfen, um eine bereits erfolgte Zerstörung vorzutäuschen. Zwar fielen die Franzosen auf die Kriegslist nicht herein, aber das von ihnen in der Stadt gelegte Feuer richtete weitaus geringeren Schaden als in den umliegenden Gemeinden an, da es wegen der fehlenden Dachgebälke weniger Nahrung fand.

1690 verbrannten bzw. sprengten die Franzosen Burg Altleiningen und verwüsteten die gesamte Grafschaft. Philipp Ludwig geriet kurzfristig in ihre Gefangenschaft, konnte aber von österreichischen Husaren befreit werden. Der Landesherr war durch die Plünderungen finanziell verarmt und musste überdies noch die Kosten der Landesverteidigung bestreiten. Zu diesem Zweck lieh er sich mehrfach Geld zu günstigen Konditionen bei dem ihm freundschaftlich verbundenen Kurmainzer Oberfeldkriegskommissar Ritter Franz Georg von Blumencron. Der Leininger Graf verpfändete hierfür das Dorf Wattenheim an Herrn von Blumencron, welches 1698 als Pfandlehen an ihn verkauft und zur eigenständigen Herrschaft Wattenheim wurde.

Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz ernannte Graf Philipp Ludwig zum Geheimen Rat der Kurpfalz und zum Gouverneur von Heidelberg. Außerdem beförderte er ihn zum Pfälzischen Generalleutnant. Später trat er in die kaiserliche Armee ein, wo er zum Feldmarschallleutnant und General der Kavallerie aufstieg.

Infolge von Unbewohnbarkeit der Stammburg Altleiningen ließ sich Philipp Ludwig 1698 in Grünstadt den alten Lungenfelder Klosterhof als Schloss Unterhof zur Residenz ausbauen. Er unterstützte hier auch die Kapuziner, denen er in Grünstadt ein Kloster stiftete, dessen Gebäude bis heute existieren; die zugehörige Kirche ist die jetzige katholische Pfarrkirche der Stadt. 1699 nahm er persönlich an der Grundsteinlegung teil. Schon 1698 führte Philipp Ludwig in der Grafschaft Leiningen auch die längst überfällige Reform zum Gregorianischen Kalender durch.

Graf Leiningen beteiligte sich als österreichischer Offizier mit Auszeichnung an den Feldzügen unter Prinz Eugen von Savoyen, gegen die Türken. Als ihn Kaiser Leopold I. Ende 1704, im Spanischen Erbfolgekrieg zum General beförderte, beurteilte ihn Prinz Eugen folgendermaßen: Er habe angesichts der ernsten Kriegslage zwar nicht die nötige militärische Erfahrung als Führer großer Truppenverbände, doch biete er persönliche Qualitäten, als ein Mann "auf dessen Treue, Wachsamkeit und Tapferkeit man sich verlassen könne ... und [der] fremden, vernünftigen Rath nicht außer Acht lasse." Leiningen befehligte 1705, in der Schlacht von Cassano, zwei Infanteriebrigaden und erhielt beim Sturmangriff auf eine strategisch wichtige Brücke, eine tödliche Schussverletzung. Philipp Ludwig von Leiningen wurde zu Cassano, in der Kapuzinerkirche S. Antonio, vor dem Nikolausaltar beigesetzt.

Am 14. August 1724, heute vor 302 Jahren, wurde in Bad Dürkheim Graf Carl Friedrich Wilhelm von Leiningen-Hardenburg geb...
14/08/2026

Am 14. August 1724, heute vor 302 Jahren, wurde in Bad Dürkheim Graf Carl Friedrich Wilhelm von Leiningen-Hardenburg geboren, seit 1779 der 1. Fürst zu Leiningen. Er regierte die Grafschaft Leiningen-Hardenburg, zu der u.a. auch Bockenheim, Kindenheim, Kleinkarlbach u. Battenberg gehörten, und residierte im Schloss Dürkheim (Platz des heutigen Kurhauses). Dort ließ er einen schönen Garten anlegen, den jetzigen Kurpark. Um 1780 eröffnete er in dieser Residenz ein öffentliches Theater, das jedermann kostenlos besuchen durfte. Wilhelm Iffland aus dem nahen Mannheim betreute und organisierte es. Einige von dessen Werken erlebten dort ihre Uraufführung.

1794 brannten die Franzosen das Dürkheimer Schloss nieder, Fürst Carl Friedrich Wilhelm floh mit seiner Familie ins Rechtsrheinische und erhielt später den Besitz der säkularisierten Abtei Amorbach, wo seine Nachfahren bis heute leben. Er starb dort 1807.

Als 1903 der Altertumsverein Grünstadt gegründet wurde, schenkte ihm ein Herr Bogen aus Kleinbockenheim — noch auf der Gründungsversammlung — die abgebildete, barocke Kreidezeichnung des Fürsten Carl Friedrich Wilhelm zu Leiningen-Hardenburg, einstmals der dortige Landesherr. Es war das erste Objekt für das damals noch gar nicht existierende, aber geplante Museum Grünstadt und hängt nunmehr dort seit 120 Jahren. Damit hat es zusätzlich auch eine Bedeutung für die hiesige Stadtgeschichte erhalten. Ursprünglich zierte es wohl einmal eine Amtsstube in Bockenheim.

Adresse

Hauptstraße 84
Grünstadt
67269

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