30/05/2026
Heute erinnern wir an das Leben von Else Forst, geboren am 30. Mai 1922 in Boppard im heutigen Rheinland-Pfalz. Nach der Scheidung ihrer Eltern Bella und Jakob lebte sie mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder Erich Joseph Forst (*1920) in der Reichsgrafenstraße 24 im Stadtteil Wiehre.
Ihr seht die beiden Geschwister auf dem Foto im Post.
Else Forst und ihr Bruder waren beide christlich getauft, galten für die Nationalsozialist*innen aber als „Volljuden“. Daher entschied sich Erich Forst bereits 1937 oder 1938 zur Flucht nach Frankreich. Else blieb mit ihrer Mutter in Freiburg. Der Vater, Jakob Forst, wurde im Februar 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet.
Else und ihre Mutter Bella Forst wurden am 22. Oktober 1940 gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern in Freiburg verhaftet und ins Lager Gurs in Südfrankreich deportiert. Später kamen sie in das Lager Rivesaltes, etwa 350 km östlich von Gurs.
1942 gelang es ihrem Bruder Erich, mindestens neun Mitglieder seiner Familie, darunter Else und seine Mutter Bella, nachts mithilfe eines Lastwagens aus dem Lager zu befreien. Danach lebte die Familie versteckt auf einem Bauernhof in der Gemeinde Caussade in Südfrankreich.
Nach rund sieben Monaten wurden sie verraten, verhaftet und zurück ins Lager Rivesaltes gebracht. Von dort wurde Else Forst im Verlauf des Jahres 1942 gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder ins Lager Drancy, und dann nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
Als Tag ihres Todes wurde der 31. Dezember 1942 festgesetzt. Else Forst wurde 20 Jahre alt.
Jeden Monat erinnern wir an das Leben verfolgter Menschen mit Bezug zu Freiburg. Wie ausführlich die jeweilige Biografie dargestellt werden kann, hängt u. a. davon ab, ob es historische Quellen, Berichte von Angehörigen oder bereits Forschung zu der jeweiligen Verfolgungsgeschichte gibt.
Foto: Else und Erich Forst, Archiv STOLPERSTEINE in FREIBURG,
Marlis Meckel.