14/10/2026
(EN below) Nach seinem Beitritt in die NSDAP 1926 beendete Martin Gottfried Weiß zunächst 1933 sein Studium in der Elektrotechnik. Bereits im April 1933 trat er in die Wachmannschaft des KZ Dachau ein, wurde in der Folge zum Lageringenieur ernannt und 1938 zum Adjutanten des Lagerkommandanten Hans Loritz befördert. Er besetzte in mehreren Lagerverwaltungen hochrangige Stellen, so auch in Neuengamme und Majdanek. Anschließend wurde er Amtschef zur besonderen Verwendung in der Amtsgruppe D des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes und war ab November 1944 als höchstrangiger SS-Offizier für den Dachauer Außenlagerkomplex Mühldorf zuständig.
Martin Gottfried Weiß verschlechterte die Lebens- und Arbeitsbedingungen vieler KZ-Insassen. Die Verantwortung für Selektionen und Hinrichtungen versuchte er auf andere abzuwälzen. Im Dachau-Hauptprozess wurde Weiß am 13. Dezember 1945 zum Tode verurteilt und am 29. Mai 1946 im Gefängnis Landsberg hingerichtet.
Sein jüngerer Sohn Dr. Ralph Schwerdt setzt sich mit seiner Ehefrau und deren Sohn für eine öffentliche Aufarbeitung von Täterschaft innerhalb der Familie ein. Hierfür stellten sie sich unter anderem für ein Mehrgenerationengespräch zur Verfügung, dass sie im Jahre 2022 an der KZ-Gedenkstätte Dachau führten. Zu diesem Teil der NS-Vergangenheit im familienbiografischen Kontext ein kritisches, öffentlich vermitteltes Verhältnis zu entwickeln, ist eine wichtige Aufgabe, der sich bis heute nur sehr wenige Menschen zu stellen bereit sind.
Am 17. Oktober 2026 um 14:00 - 16:30 Uhr findet der Themenrundgang „Das KZ Dachau und die SS – Täterschaft im Konzentrationslager“ statt. Anhand von Biographischen Bezügen ähnlich dem von Martin Gottfried Weiß soll sich dem Thema Täterschaft angenähert werden.
Weitere Informationen findet ihr hier: https://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/nachrichten/themenrundgang-das-kz-dachau-und-die-ss-taeterschaft-im-konzentrationslager-2/ //
After joining the NSDAP in 1926, Martin Gottfried Weiß first completed his studies in electrical engineering in 1933. As early as April 1933, he joined the guard unit at the Dachau concentration camp; he was subsequently appointed camp engineer and promoted in 1938 to adjutant to camp commander Hans Loritz. He held high-ranking positions in several camp administrations, including those at Neuengamme and Majdanek. He subsequently became head of a special unit within Department D of the SS Economic and Administrative Main Office and, beginning in November 1944, served as the highest-ranking SS officer in charge of the Mühldorf satellite camp complex of Dachau.
Martin Gottfried Weiß worsened the living and working conditions of many concentration camp inmates. He attempted to shift responsibility for selections and executions onto others. In the main Dachau trial, Weiß was sentenced to death on December 13, 1945, and executed on May 29, 1946, at Landsberg Prison.
His younger son, Dr. Ralph Schwerdt, along with his wife and her son, is committed to a public examination of the perpetrator’s role within the family. To this end, they participated in, among other things, a multigenerational dialogue that they led at the Dachau Concentration Camp Memorial Site in 2022. Developing a critical, publicly articulated relationship to this part of the N**i past within the context of family history is an important task that, to this day, very few people are willing to undertake.