Gerhart-Hauptmann-Haus

Gerhart-Hauptmann-Haus Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus
Bismarckstr. 90
40210 Düsseldorf
www.g-h-h.de

Bis in die 1950er-Jahre lag die Entscheidungsgewalt im deutschen Familienrecht beim Ehemann, ein Prinzip, das 1957 durch...
03/09/2026

Bis in die 1950er-Jahre lag die Entscheidungsgewalt im deutschen Familienrecht beim Ehemann, ein Prinzip, das 1957 durch den sogenannten Stichentscheid des Bundesverfassungsgerichts unter Mitwirkung der ersten Richterin Erna Scheffler für verfassungswidrig erklärt wurde. Scheffler, die im Nationalsozialismus als rassistisch verfolgte Juristin massive Einschränkungen erlebte, prägte maßgeblich die rechtliche Gleichstellung von Frauen in der Bundesrepublik. Der Vortrag von Dr. Marion Röwekamp, Expertin für Rechtsgeschichte, zeichnet Schefflers Weg von der Verfolgung zur zentralen Figur im Kampf um Gleichberechtigung nach und verdeutlicht die Verwebung von persönlicher Erfahrung und juristischem Wandel.

📅 Mittwoch, 16. September 2026, 18.30 Uhr
📍 Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf
🎫 Eintritt frei!

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts »100 Köpfe der Demokratie« der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus statt.

GHH GERHARTHAUPTMANNHAUS VORTRAG DÜSSELDORF

Wie verändert der Krieg die Bilder? Wie verändert er das Sehen? Und wie verändert er diejenigen, die ihm standhalten? Mi...
01/09/2026

Wie verändert der Krieg die Bilder? Wie verändert er das Sehen? Und wie verändert er diejenigen, die ihm standhalten? Mit ihren zwischen Februar 2022 und Herbst 2024 in der FAS erschienenen Fotokolumnen hat Katja Petrowskaja eine Chronik des Krieges geschrieben.

»Als wäre es vorbei« (im Februar 2025 bei Suhrkamp erschienen) ist eine Sammlung dieser Texte zu Fotos aus dem Krieg, die zu einer Chronologie des Krieges in der Ukraine geworden sind.

📅 Dienstag, 15. September 2026, 18.00 Uhr
📍 Zentralbibliothek im KAP1, Freiraum, Konrad-Adenauer-Platz 1, 40210 Düsseldorf
🎫 Eintritt frei!

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe »Ukraine is here« der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, der Karl-Arnold-Stiftung und dem Generalkonsulat der Ukraine in Düsseldorf zusammen mit Stadtbüchereien Düsseldorf, RespektundMut Düsseldorf, Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Düsseldorf Czernowitz e.V., Studyon Institut für Sprache und Interkultur Düsseldorf u. Ridne Slowo e.V. und der Kofinanzierung der Europäischen Union statt.

𝗕𝗶𝗯𝗹𝗶𝗼𝘁𝗵𝗲𝗸𝗲𝗻 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝗱𝗼𝗰𝗵 𝗢𝗿𝘁𝗲, 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗻𝗲𝗻 𝗺𝗮𝗻 𝗻𝘂𝗿 𝘀𝘁𝗶𝗹𝗹 𝘂𝗻𝗱 𝗲𝗶𝗻𝘀𝗮𝗺 𝘃𝗼𝗿 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗶𝗻𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝘁, 𝗼𝗱𝗲𝗿?🤫Ganz und gar nicht! Im Rahmen...
29/08/2026

𝗕𝗶𝗯𝗹𝗶𝗼𝘁𝗵𝗲𝗸𝗲𝗻 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝗱𝗼𝗰𝗵 𝗢𝗿𝘁𝗲, 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗻𝗲𝗻 𝗺𝗮𝗻 𝗻𝘂𝗿 𝘀𝘁𝗶𝗹𝗹 𝘂𝗻𝗱 𝗲𝗶𝗻𝘀𝗮𝗺 𝘃𝗼𝗿 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗶𝗻𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝘁, 𝗼𝗱𝗲𝗿?🤫
Ganz und gar nicht! Im Rahmen der dbv-Kampagne »Weiter Wissen« (Deutscher Bibliotheksverband e.V.) haben wir unsere Kolleginnen und Kollegen in unserer Bibliothek gefragt, was eine moderne wissenschaftliche Bibliothek ausmacht. Denn sie ist weit mehr als ein reiner Bücherspeicher.
Sie ist ein sogenannter »Dritter Ort« – ein lebendiger Treffpunkt zwischen Zuhause und Arbeit. Ein Raum, in dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen, Neues entdecken und gemeinsam Zeit verbringen.
Bibliotheken sind Orte zum Lernen und Lesen, aber auch zum Diskutieren, Spielen, Lachen und Kennenlernen! Ein schönes Beispiel für dieses lebendige Miteinander gibt es bei uns Anfang September: Wir laden alle Interessierten herzlich zu unserem Spielenachmittag in die Bibliothek ein.

📅 Freitag, 04. September 2026, 15.00 Uhr
📍 Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf
🎫 Eintritt frei!
📝Anmeldeinfos:
Alter: 14 bis 99
Anmeldeschluss: 03.09.2026
Anmeldung unter: [email protected] oder 0211/1699-130

Das Motto lautet: Stille ist erlaubt – aber absolut kein Muss!
Wir freuen uns auf euch! Kommt vorbei und spielt mit!

Wir nehmen euch in unserer neuen Ausstellung mit in das Siebenbürgen (Rumänien) der späten 1980er- und frühen 1990er-Jah...
27/08/2026

Wir nehmen euch in unserer neuen Ausstellung mit in das Siebenbürgen (Rumänien) der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Der Fotograf Radu Darvas dokumentierte damals den Alltag der älteren Generation der Siebenbürger Sachsen in den Dörfern. Gemeinsam mit anderen jungen Leuten, die in einem Haus der Initiative Rumänien e. V. übernachteten, half er tagsüber den Dorfbewohnern auf dem Feld, im Haus und im Hof und erledigte Besorgungen für den Verein und die Dorfbewohner. Radu war immer mit seiner Kamera dabei und hielt Momente fest, die aus heutiger Perspektive hundert Jahre weit weg zu sein scheinen.
Kuratiert wird die Ausstellung von der Tochter des Künstlers, Mira Darvas.

📅 Laufzeit: 09.09 bis 13.11.2026
📍 Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf
🎫 Eintritt frei!
🕙 Öffnungszeiten: Mo und Mi 10.00 – 17.00 Uhr, Di und Do 10.00 – 19.00 Uhr, Fr 10.00 – 14.00 Uhr, Sa auf Anfrage

GHH GERHARTHAUPTMANNHAUS AUSSTELLUNG ERÖFFNUNG DÜSSELDORF RUMÄNIEN

𝗗𝗮𝘀 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲 𝗧𝗼𝗱𝗲𝘀𝗼𝗽𝗳𝗲𝗿 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗕𝗲𝗿𝗹𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗠𝗮𝘂𝗲𝗿 𝗸𝗮𝗺 𝗮𝘂𝘀 𝗪𝗲𝘀𝘁𝗽𝗿𝗲𝘂ß𝗲𝗻. 𝗭𝘂𝗺 𝟲𝟱. 𝗧𝗼𝗱𝗲𝘀𝘁𝗮𝗴 𝘃𝗼𝗻 𝗜𝗱𝗮 𝗦𝗶𝗲𝗸𝗺𝗮𝗻𝗻 (𝟭𝟵𝟬𝟮-𝟭𝟵𝟲𝟭) 𝗮𝗺 𝟮𝟮. 𝗔𝘂𝗴...
26/08/2026

𝗗𝗮𝘀 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲 𝗧𝗼𝗱𝗲𝘀𝗼𝗽𝗳𝗲𝗿 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗕𝗲𝗿𝗹𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗠𝗮𝘂𝗲𝗿 𝗸𝗮𝗺 𝗮𝘂𝘀 𝗪𝗲𝘀𝘁𝗽𝗿𝗲𝘂ß𝗲𝗻. 𝗭𝘂𝗺 𝟲𝟱. 𝗧𝗼𝗱𝗲𝘀𝘁𝗮𝗴 𝘃𝗼𝗻 𝗜𝗱𝗮 𝗦𝗶𝗲𝗸𝗺𝗮𝗻𝗻 (𝟭𝟵𝟬𝟮-𝟭𝟵𝟲𝟭) 𝗮𝗺 𝟮𝟮. 𝗔𝘂𝗴𝘂𝘀𝘁 𝟮𝟬𝟮𝟲

Was bewegt eine 58-jährige Frau dazu, aus einem Fenster im dritten Stock eines Wohnhauses zu springen? Ich mache einen Test: Ich gehe in den dritten Stock unseres Stiftungsgebäudes, öffne ein Fenster und blicke – mit der gebotenen Vorsicht – nach unten. Die Fallhöhe, die unter mir gähnt, dürfte sich nicht allzu stark von der unterscheiden, die Ida Siekmann vor Augen hatte, als sie am 22. August 1961 das Fenster in ihrer Wohnung in der Bernauer Straße 48 öffnete. Ich bin, gottlob, nicht geplagt von Höhenangst, aber ein Sprung aus dieser Höhe – nein! Es ist völlig klar, dass das nicht ohne schwere Verletzungen abgehen könnte, wenn nicht mehr … Ida Siekmann ist trotzdem gesprungen.

Eines ist gewiss: das geschah nicht in selbstmörderischer Absicht. Sie hat vor dem Sprung Bettzeug hinabgeworfen, offenbar in der Hoffnung, das würde ihr Auftreffen auf dem Pflaster des Gehweges ausreichend dämpfen. Wenn man davon ausgeht, dass ein Stockwerk eines gewöhnlichen Wohnhauses etwa drei Meter hoch ist, trennten Ida Siekmann rund 12 Meter, vielleicht etwas mehr vom Gehweg. Ihre Vorkehrungen haben nicht ausgereicht: nach dem Aufschlag war Ida Siekmann so schwer verletzt, dass sie noch im Ambulanzwagen auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben ist. Warum ist das geschehen?

Wenige Tage zuvor, am 13. August 1961, hatte auf Anordnung des SED-Regierung in Ost-Berlin die vollständige Abriegelung des sowjetisch kontrollierten östlichen Stadtteils gegen die drei Westsektoren der seit 1945 faktisch geteilten Stadt begonnen. Zwar war ein Überschreiten der Sektorengrenze von Ost nach West zuvor schon mit Hindernissen verbunden, war aber grundsätzlich möglich. Für sehr viele Menschen hatte das Hin- und Herwechseln zwischen den Sektoren aus unterschiedlichen, etwa beruflichen Gründen zu ihrem täglichen Leben gehört, schließlich lebte man ja in ein und derselben Stadt. Diese war allerdings von den vier Hauptsiegermächten des Zweiten Weltkriegs USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion in vier jeweils von ihnen kontrollierte Sektoren aufgeteilt worden. Jetzt sollte jedes Überschreiten der Sektorengrenze zwischen dem östlichen und den westlichen Stadtteilen unterbunden werden, außer an den streng überwachten Kontrollstellen, wo nur noch Personen mit spezieller Genehmigung durch die DDR-Behörden Durchlass finden sollten. Dies geschah durch den Bau der »Mauer«, also eines gestaffelten Systems von Hindernissen, die zunächst noch unterschiedliche Formen hatte. In der Bernauer Straße, wo Ida Siekmann wohnte, war die Situation eine besondere: Die Häuser auf der einen Straßenseite gehörten zum Ost-Sektor, der davor liegende Gehweg aber gehörte bereits zum französischen Sektor West-Berlins. Für Ida Siekmann und die anderen Hausbewohner bedeutete dies konkret, dass seit dem 18. August 1961 die vorderen Hauseingänge und die Erdgeschoßfenster zugemauert wurden. Die Häuser konnten also nur noch durch die Hinterausgänge in Richtung des Ost-Sektors verlassen werden. Oder man wagte den Sprung mindestens aus dem ersten Stock. Dass die Häuser aber in Kürze gänzlich geräumt und die Bewohner zum Umzug tiefer in den Ost-Sektor gezwungen werden würden, darüber kursierten bereits Gerüchte. Es war also keine Zeit zu verlieren, denn bald würde es auch die risikoreiche Option des »Sprungs nach Westen« nicht mehr geben.

Die kommunistischen Machthaber in der DDR mit Walter Ulbricht (1893-1973) an der Spitze, von der Sowjetunion unmittelbar nach der Eroberung und Besetzung Deutschlands und der Zerschlagung der NS-Diktatur 1945 im von der Roten Armee kontrollierten Teil des Landes an die Macht gebracht und gehalten, hatten sich von Beginn an mit einer Massenflucht aus ihrem Herrschaftsbereich konfrontiert gesehen. Bis zu jenem 13. August 1961 hatten knapp drei Millionen Menschen die Sowjetische Besatzungszone beziehungsweise die 1949 aus dieser hervorgegangene DDR Richtung Westen verlassen und in ihrer großen Mehrzahl Aufnahme in den Westzonen beziehungsweise der Bundesrepublik Deutschland gefunden. Demokratisch regiert und im Zuge des »Wirtschaftswunders« noch kurz zuvor kaum vorstellbar erscheinende Wohlstandszuwächse verzeichnend, hatte diese hohe Anziehungskraft. Unter den Menschen, die aus der SBZ/DDR flohen, befanden sich besonders viele junge und besonders zahlreiche hochqualifizierte Menschen. Das machte die wirtschaftlichen Folgen für die DDR noch gravierender.

Wir wissen nur wenig über Ida Siekmann, sie war ein »ganz normaler Mensch«. Sie gehörte aber nicht zu den größten Gruppen der DDR-Flüchtlinge, denn sie war verhältnismäßig alt und sie gehörte gewiss auch nicht zur Bildungselite. Wir wissen nicht einmal, wann genau und warum sie ihren Geburtsort Gorken, einen kleinen Gutsbezirks unweit des westpreußischen Marienwerder (heute Kwidzyn) verlassen hat. Klar ist, dass sie 1961 schon rund drei Jahrzehnte in Berlin lebte. Sie ist also bereits als junge Frau in die damalige Reichshauptstadt gekommen, eventuell – wie so viele andere Menschen aus ländlichen Regionen – um dort Arbeit zu finden. Damit gehörte sie nicht zu der großen Zahl der infolge des Zweiten Weltkrieges aus den damaligen Ostgebieten Vertriebenen und Flüchtlingen, die fast ein Viertel all derer ausmachten, die später aus der DDR flohen und damit statistisch deutlich überrepräsentiert waren.

Ida Siekmann war alleinstehend, möglicherweise ist ihr also auch zum Verhängnis geworden, dass ihr bei ihrem Fluchtversuch niemand half. Was hat sie bewogen, dennoch den risikoreichen Sprung zu wagen? Im Juli 1961, also unmittelbar vor dem »Mauerbau«, wurden im Rahmen des Notaufnahmeverfahrens in der Bundesrepublik Deutschland 2.810 DDR-Flüchtlinge nach den Gründen für ihre Flucht befragt. Knapp 62 Prozent der Befragten gaben politische Gründe unterschiedlicher Art an, so die Ablehnung der kommunistischen Staatsdoktrin, Gewissensnot aus religiöser Überzeugung angesichts der Bedrückung der christlichen Kirchen, Forderungen, Spitzeldienste für den Staatssicherheitsdient der DDR leisten zu sollen und einiges mehr. Die große Mehrzahl der übrigen aber, nicht ganz 28 Prozent der befragten Flüchtlinge nämlich verwiesen »nur« auf persönliche Gründe. Bei diesen persönlichen Gründen rangierte die »Familienzusammenführung« mit mehr als 12 Prozent an erster Stelle.

Ida Siekmann, die alleinlebende 58-Jährige, wollte vielleicht nur sicher sein, dass sie ihren 59. Geburtstag mit ihrer in West-Berlin lebenden Schwester feiern konnte. Das wäre am 23. August 1961 gewesen – am Tag vor ihrem Geburtstag aber starb Ida Siekmann, weil ein diktatorisches Regime ihr nicht erlauben wollte, ihr Wohnhaus in der Bernauer Straße durch den Vordereingang zu verlassen, möglicherweise nur um ihre ein paar Straßenzüge weiter wohnende Schwester zu treffen. Das war der Charakter der SED-Diktatur: Sie tötete »normale Menschen«, die »normale« Wünsche hatten, sofern mit deren Erfüllung verbunden war, dass diese Menschen sich womöglich ihrer Macht und Kontrolle entzogen. Zwei Tage nach dem Tod Ida Siekmanns, den man zur Not noch als Unglücksfall betrachten könnte, starb der 24-jährige Günter Litfin (1937-1961). Er wurde von DDR-Polizeikräften erschossen, als er versuchte einen Spreearm zu durchschwimmen, um an das West-Berliner Ufer zu gelangen. Der gelernte Schneider Litfin sah sich durch den »Mauerbau« damit konfrontiert, dass ein lange zuvor geplanter Umzug nach West-Berlin, der in erster Linie berufliche Gründe hatte, plötzlich unmöglich gemacht war. Der junge Mann hatte vor dem 13. August 1961 gezögert, diesen Schritt zu vollziehen, da er seine kurz zuvor verwitwete, im Ost-Sektor lebende Mutter weiter unterstützen wollte. Der tödliche Schuss traf ihn in Sichtweite zahlreicher Zeugen auf dem westlichen Ufer in den Hinterkopf, erst Stunden später wurde sein Leichnam von DDR-Kräften aus dem Wasser geborgen. Das war der Charakter der SED-Diktatur: Sie ließ Menschen ermorden, die ihren Wohnsitz vielleicht auch nur um ein paar Kilometer verlegen wollten.

Allein an der »Mauer« in Berlin, deren Sperrsystem seit dem 13. August 1961 ständig »perfektioniert« wurde, starben bis zum »Mauerfall« am 9. November 1989 nach Ida Siekmann und Günter Litfin noch mindestens 138 weitere Menschen. Noch im bereits weit fortgeschrittenen Jahr 1961 kamen seit Ende August 10 weitere Personen ums Leben und im letzten Jahr des Bestehens der »Mauer« 1989 waren es noch drei. Von den 140 ums Leben gekommenen Menschen insgesamt waren 101 eindeutig solche Personen, die Fluchtversuche unternahmen. Die sonstigen Todesopfer kamen durch Unglücksfälle im Zusammenhang mit den Sperranlagen ums Leben; acht Todesopfer waren DDR-Grenzsoldaten, die bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Flüchtigen starben. Von den 101 Opfern, die eindeutig zu fliehen versuchten, wurden 68 erschossen, also gezielt mit tödlicher Waffengewalt aufgehalten.

Diese Zahlen bleiben, wie alle Zahlen, abstrakt. Alle diese 140 Menschen, die direkt oder indirekt durch die SED-Diktatur ihr Leben verloren haben, hatten Gesichter. Hatten ihre eigene Geschichte mit Hoffnungen, Wünschen, zwischenmenschlichen Beziehungen und allem, was zu einem »normalen« Leben gehört, selbst wenn darüber so wenig bekannt ist wie im Falle von Ida Siekmann. Daher seien alle, denen an der Erinnerung an die DDR liegt – mit welcher Tendenz auch immer -, aufgefordert, sich in Ruhe die Internetseite »Chronik der Mauer«, speziell den Teil über die Todesopfer anzusehen (www.chronik-der-mauer.de/todesopfer). Diese Internetseite beruht auf intensiven wissenschaftlichen Recherchen des renommierten Leibniz-Zentrums für zeithistorische Forschung in Potsdam und wird von diesem zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Deutschlandfunk und der Stiftung Berliner Mauer betrieben. Nur von 23 der Maueropfer gibt es dort kein Porträtfoto. 117 menschliche Gesichter also gilt es zu betrachten, etwa das des achtjährigen Cengaver Katranci, Kind türkischer Eltern im West-Berliner Stadtteil Kreuzberg, der am 30. Oktober 1972 beim Spielen in die Spree gestürzt ist. Ein Freund, der mit ihm unterwegs war, alarmiert einen Erwachsenen, der in der Nähe angelt. Als diesem klar wird, dass die Spree an dieser Stelle in ganzer Breite zum Ost-Sektor gehört, wird ihm bewusst, dass er damit rechnen muss, dass die Grenzposten auf der anderen Seite auf ihn schießen würden, wenn er ins Wasser geht. Er hatte schon begonnen, sich auszuziehen, bricht das aber jetzt ab. Ein DDR-Feuerlöschboot fährt an der Unglücksstelle vorbei und reagiert nicht auf Zurufe von westlicher Seite, die um Hilfe bitten. Hinzukommende West-Berliner Polizisten verhandeln mit den Grenzsoldaten auf der anderen Seite und versuchen, die Zustimmung dazu zu erhalten, dass zwei inzwischen eingetroffene Taucher der West-Berliner Feuerwehr ins Wasser gehen dürfen. Vergeblich. Erst rund anderthalb Stunden nachdem Cengaver ins Wasser gestürzt ist, trifft ein Rettungsboot von DDR-Seite ein. Dessen Taucher birgt nach kurzer Zeit den Leichnam des Achtjährigen, legt aber nicht die zwei Meter zum westlichen Ufer zurück. Vielmehr wird der Tote mitgenommen, seine Eltern müssen am Abend nach Ost-Berlin einreisen, um ihr Kind zu identifizieren und mitzunehmen. Nur eine Geschichte von 140. Und »nur« die »Mauer« in Berlin betreffend, da wären noch viele Geschichten von Menschen hinzuzufügen, die an der innerdeutschen Grenze starben oder in der Ostsee ertranken. Jede einzelne ein Teil der Geschichte der SED-Diktatur. Deren Hymne jetzt wieder von manchen gesungen wird, die das für angemessen oder gar für »lustig« halten. »Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland«, das ist die Hymne aller geschichtsbewussten Deutschen.

Winfrid Halder

Foto: W***y Pragher, via Wikimedia Commons

Drama | Regie: Gerhard Lamprecht | 85 Minuten | FSK 6Auch beim dritten Film unserer Reihe »Vom Propaganda- zum Aufklärun...
25/08/2026

Drama | Regie: Gerhard Lamprecht | 85 Minuten | FSK 6

Auch beim dritten Film unserer Reihe »Vom Propaganda- zum Aufklärungsinstrument? Trümmerfilme in Deutschland 1946« handelt es sich um eine sehr frühe Produktion der in der Sowjetischen Besatzungszone rasch nach Kriegsende gegründeten DEFA, später die dominierende Filmgesellschaft der DDR. Bereits am 18. Dezember 1946 wurde der unter der Regie von Gerhard Lamprecht (1897–1974) entstandene Streifen in Berlin uraufgeführt. Er unterscheidet sich von den bisher betrachteten Filmen in einem wichtigen Punkt: Im Mittelpunkt der Handlung stehen Kinder. Der Film greift somit einen wesentlichen Aspekt der allerersten Nachkriegszeit auf, nämlich das Aufwachsen in der vom Krieg hinterlassenen Trümmerlandschaft. Und zwar einer materiellen und einer seelischen Trümmerlandschaft: Die zerstörte Stadt als »Spielplatz« mit ungeahnten, zum Teil aber auch lebensgefährlichen Möglichkeiten einerseits, die entwurzelten, vielfach traumatisierten erwachsenen Bezugspersonen andererseits.

📅 Montag, 07. September 2026, 18.00 Uhr
📍 Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf
🎫 Eintritt frei!

Im Rahmen der Reihe »Vom Propaganda- zum Aufklärungsinstrument? Trümmerfilme in Deutschland 1946«.
Wir zeigen – 80 Jahre danach – Filme, die 1946 in die deutschen Kinos kamen oder produziert wurden. Allen Vorführungen geht eine (film-)historische Einführung voraus, im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch über das Gesehene.

GERHARTHAUPTMANNHAUS DÜSSELDORF NACHKRIEGSZEIT KINOFILM DEFA

Dokumentarfilm I Regie: Joanna Mielewczyk I Deutschland/Polen 2023 I 50 Min.Der deutsch-polnische Dokumentarfilm »Schick...
20/08/2026

Dokumentarfilm I Regie: Joanna Mielewczyk I Deutschland/Polen 2023 I 50 Min.

Der deutsch-polnische Dokumentarfilm »Schicksal/Los« erzählt die Geschichte von zwei Männern – einem Deutschen und einem Polen –, die als Jugendliche die Belagerung der Festung Breslau überlebt haben. Jahrzehnte später, im Jahr 2022, begegnen sie sich erstmals persönlich.

Die Erinnerungen von Jürgen Hempel und Jerzy Podlak eröffnen eindrucksvolle Einblicke in den Alltag der eingeschlossenen Stadt. Aus der Perspektive von Kindern schildern sie ihre Kriegserfahrungen und machen die bis heute nachwirkenden emotionalen Spuren greifbar. Untermalt von Archivmaterial und privaten Fotografien entfaltet der Film von Joanna Mielewczyk die Form einer intimen Reportage, die sich auf individuelle Schicksale konzentriert und diese in die »große Geschichte« einbettet. Somit ist der Film nicht nur eine Erzählung über die Vergangenheit, sondern auch eine Reflexion über Erinnerung, Identität und die Möglichkeit eines grenzüberschreitenden Dialogs.

📝Anmeldeinfos:
Anmeldeschluss: 03. September 2026
Anmeldung unter: [email protected] oder 02102/9650

📅 Samstag, 05. September 2026, 12.00 Uhr
📍 Oberschlesisches Landesmuseum, Bahnhofstraße 62, 40883 Ratingen-Hösel
🎫 Eintritt frei!

Spiele kennen keine Sprachgrenzen – sie bringen Menschen zusammen, fördern den Austausch und machen einfach Spaß. Die Bi...
19/08/2026

Spiele kennen keine Sprachgrenzen – sie bringen Menschen zusammen, fördern den Austausch und machen einfach Spaß. Die Bibliothek im GHH lädt zu einem unterhaltsamen Spielenachmittag ein, bei dem außergewöhnliche und kuriose Karten- und Brettspiele aus Ost und West im Mittelpunkt stehen.
Entdeckt werden können Klassiker und Raritäten aus unserer Spielesammlung. Es können auch eigene Schätze mitgebracht werden. Besonders willkommen sind Spiele mit Bezug zur Geschichte und Geografie Deutschlands und seiner östlichen Nachbarn. Ob alt oder neu, historisch oder kurios: Wir spielen gemeinsam, lernen uns kennen und genießen einen unterhaltsamen Nachmittag.

📝Anmeldeinfos:
Alter: 14 bis 99
Anmeldeschluss: 03.09.2026
Anmeldung unter: [email protected] oder 0211/1699-130

📅 Freitag, 04. September 2026, 15.00 Uhr
📍 Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf
🎫 Eintritt frei!

GERHARTHAUPTMANNHAUS DÜSSELDORF NRW SPIELE GESCHICHTE GEOGRAFIE ÖSTLICHENACHBARN OSTEUROPA

Bulgarien ist seit fast zwei Jahrzehnten ein EU-Partnerland, hat also seit 2007 sehr direkt eine teilweise gemeinsame Ge...
18/08/2026

Bulgarien ist seit fast zwei Jahrzehnten ein EU-Partnerland, hat also seit 2007 sehr direkt eine teilweise gemeinsame Geschichte mit Deutschland. Und es gibt sehr viel mehr historische Schnittmengen, zum Teil sehr weit zurückreichende. Nur wissen die allermeisten von uns hierzulande darüber nur wenig. Wer denkt etwa daran, wenn er den Festsaal des Berliner Rathauses betritt und dort vor dem Monumentalgemälde »Der Berliner Kongreß 1878« von Anton von Werner (1843–1915) steht, dass dort in gewisser Weise auch der Gründungsakt des modernen Bulgarien dargestellt ist? Warum dies so ist und einige Grundlinien mehr aus der langen und wechselvollen Geschichte Bulgariens sollen Themen des Abends sein.

📅 Dienstag, 01. September, 18.00 Uhr
📍 Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf
🎫 Eintritt frei!

GHH GERHARTHAUPTMANNHAUS VORTRAG

 Danke, Rheinische Post 👏🏻„Die Geschichte Breslaus zeigt, dass es ein Leben nach dem Krieg gibt.“ Für Mielewczyk gehören...
18/08/2026


Danke, Rheinische Post 👏🏻

„Die Geschichte Breslaus zeigt, dass es ein Leben nach dem Krieg gibt.“ Für Mielewczyk gehören diese Worte zu den eindrücklichsten Reaktionen auf ihren Film.👏🏻

🔜Samstag, 5.9., 12 Uhr
„Schicksal/Los“ – Filmvorführung und Gespräch mit Joanna Mielewczyk und Jürgen Hempel
📌Oberschlesisches Landesmuseum

🔎 Seit Anfang des Jahres ist der „Filmische Gesprächskreis“ fester Bestandteil des Veranstaltungsprogramms im Oberschlesischen Landesmuseum. Einmal im Monat verbindet diese Reihe eine Filmvorführung mit einem anschließenden Austausch mit Filmschaffenden, Zeitzeugen oder Experten. Die Vorführung von „Schicksal/Los“ am Samstag, 5. September, ab 12 Uhr und das anschließende Gespräch mit Joanna Mielewczyk und Jürgen Hempel finden in Kooperation mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Köln sowie dem Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung erfolgt per E-Mail an
[email protected].

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Düsseldorf
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Dienstag 09:00 - 17:00
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Freitag 10:00 - 14:00

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