16/08/2026
Am 15. August 1826 erscheint in der Kölnischen Zeitung eine eher unscheinbare Annonce: „echtes und wahres Melissen-Wasser“ sei „Auf der Litsch No. 1“, direkt am Kölner Dom, zu haben. Noch ahnt niemand, dass daraus einmal Klosterfrau Melissengeist wird – eine der bekanntesten Kölner Marken überhaupt.
Hinter dem „Wundermittel“, bestehend aus einem Destillat aus 13 Heilpflanzen und hohem Alkoholanteil, steckt Maria Clementine Martin (1775-1843). Nonne, Unternehmerin – und erstaunlich clever in Sachen Werbung. Sie setzt auf Zeitungsannoncen, prominente Fürsprecher und Empfehlungen von Medizinern. 1829 gelingt ihr der nächste Marketing-Coup: König Friedrich Wilhelm III. erlaubt ihr, den preußischen Adler auf ihren Etiketten zu führen. Frühes Branding, lange bevor jemand das Wort kannte. Ihre Erzeugnisse präsentierte Martin 1838 auf der Kölner Kunst- und Industrieausstellung auf dem Heumarkt.
Auch unter neuer Leitung bleibt Klosterfrau der Werbung treu: In den 1920er-Jahren kommen die drei Klosterfrauen im gotischen Spitzbogen erstmals zum Einsatz und werden bald darauf zum unverwechselbaren Markenzeichen. Und später kennt jedes Kind den Werbeslogan: „Nie war er so wertvoll wie heute.“
📷 (1) Wolf Strache: Hansaring mit Hochhaus und Klosterfrau Lichtreklame, Köln, 1952/1953, Kölnisches Stadtmuseum (KSM) - Graphische Sammlung
(2) Gegen Beschwerden vieler Art, Werbeanzeige Klosterfrau Melissengeist, aus der Festschrift 150 Jahre Klosterfrau Kölnisch Wasser, Köln 1976, KSM - Büchersammlung
(3) Eva Weinberg: Klosterfrau-Großraum-Werbezug vor dem Rathaus Berlin-Schöneberg, Berlin 1955, KSM – Graphische Sammlung