Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde
Im »Alten Zuchthaus«, direkt im Stadtzentrum von Brandenburg an der Havel am Nicolaiplatz gelegen, wurde 1939 eine von sechs Mordstätten der »Aktion T 4« eingerichtet. Hier wurden zwischen Januar und Oktober 1940 ca. 9.000 Kranke und Behinderte aus psychiatrischen Krankenhäusern des nord- und mitteldeutschen Raums einschließlich Berlins durch Giftga
s getötet. Die Dauer¬ausstellung hebt die Bedeutung der Euthanasie-Mordanstalt als Ort einer »Probevergasung« sowie des systematischen Massen¬mords an jüdischen Anstaltspatienten hervor. Außerdem thematisiert sie die direkte Verbindungslinie, die von der Tötungsanstalt in Brandenburg zum Genozid an den europäischen Juden führt. Ein Gedenkbuch nennt die Namen von 8.237 identifizierten Opfern. Anhand von Fotos und Dokumenten aus dem Besitz der Familien werden rund 30 Biografien von Ermordeten nachgezeichnet. Nur wenige mutige Menschen wie Lothar Kreyssig, Vormundschaftsrichter am Brandenburger Amtsgericht, nutzten ihr Wissen und ihre Position, um Abtransport und Ermordung der Patientinnen und Patienten zu verhindern. Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden
Die Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden besteht aus zwei Teilen: dem Gedenkort an der ehemaligen Hinrichtungsstätte der NS-Justiz und der Dauerausstellung im ehemaligen Wohnhaus des Anstaltsdirektors.
1. Die ehemalige Hinrichtungsstätte befindet sich innerhalb des Sicherungsbereichs der heutigen Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel. Dort wurden zwischen 1940 und 1945 2.032 Todesurteile an Männern aus ganz Europa vollstreckt. Gruppen können diesen Teil der Gedenkstätte nach vorheriger Anmeldung besichtigen.
2. Das Gebäude der Dauerausstellung »Auf dem Görden« liegt außerhalb der heutigen Justizvollzugsanstalt circa 200 Meter von ihrem Eingang entfernt. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Haftanstalt während des Nationalsozialismus und in der DDR-Zeit. Einführend wird der Reformstrafvollzug der Weimarer Republik thematisiert; am Ende steht eine Medienstation, die sich mit dem Justizvollzug der Gegenwart beschäftigt. Mit Originalobjekten, Fotografien, Filmaufnahmen, Dokumenten und Zeitzeugeninterviews erzählt die Ausstellung vom Schicksal der Inhaftierten und ihrem Haftalltag. Darunter sind selbstgefertigte Alltagsgegenstände der Gefangenen, aber auch Handfesseln und Abschiedsbriefe der Menschen, die die NS-Justiz in Brandenburg hinrichten ließ. Die Dauerausstellung ist zu den Öffnungszeiten zugänglich.