Gedenkstätte Bonn

Gedenkstätte Bonn Dokumentieren, Erinnern, Lernen - über Verfolgung, Ermordung und Widerstand in Bonn in der NS-Zeit

Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn zeigen seit 1996 eine Dauerausstellung zum Thema Verfolgung und Widerstand.
2005 ist die Ausstellung grundlegend überarbeitet und 2012 aktualisiert und ergänzt worden. Darüber hinaus erforscht, recherchiert und dokumentiert die Gedenkstätte die Zeit des Nationalsozialismus in Bonn. Ein Themenschwerpunkt in zahlreichen Veranstaltungen ist die Auseinand

ersetzung mit den Menschen, die verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden oder die durch die NS-Politik gezwungen waren, Deutschland zu verlassen. In der Geschäftsstelle im Erdgeschoss gibt es eine Präsenzbibliothek, eine Videothek und einen Seminarraum für Veranstaltungen.

[English version below]Moszek Blajmans Flucht- und Verfolgungsgeschichte führte ihn in drei verschiedene Länder. Geboren...
04/09/2026

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Moszek Blajmans Flucht- und Verfolgungsgeschichte führte ihn in drei verschiedene Länder. Geboren wurde er am 04.09.1910 im polnischen Sobiennie als Sohn von Jakob und Chajna Blajman. Sein Vater war Schreiner, ein Beruf, der in der Zeit des Ersten Weltkrieges in Deutschland nachgefragt war. Jakob Blajman fand eine Stelle in Bonn und kam zunächst allein in die Stadt. Ende Mai 1920 kamen seine Frau, Moszek und die drei Geschwister nach. Die Familie fand nach mehreren Umzügen in der Nordstraße 48 ein Zuhause. Dort betrieb der Vater eine Schreinerwerkstatt im Hinterhof. Moszek Blajman lebte ab Dezember 1920 aus unklaren Gründen für einige Monate im israelitischen Waisenhaus in Köln. Im März 1921 kam er zurück. Auch er wurde Schreiner und nannte sich nun Moritz. Die Familie besuchte den Betsaal in der Graurheindorfer Straße, betrieben von Mitgliedern der polnisch-jüdischen Gemeinschaft.

Im Oktober 1938 wurde Moszek Blajman mit seinem Vater und vielen anderen polnischstämmigen Juden von den NS-Behörden in das deutsch-polnische Grenzgebiet abgeschoben. Beide Staaten fühlten sich nicht zuständig, die Situation war prekär. Ende März 1939 durften beide kurz zurück nach Bonn, um den Haushalt aufzulösen und den Rest der Familie mit nach Polen zu nehmen.

Im weiteren Verlauf gelang Moszek Blajman und seinem Bruder die Flucht nach Südwestfrankreich. In Castelnau d’Estrétefonds versuchten sie sich zu verstecken. 1942 wurden beide aufgegriffen und im Durchgangslager Drancy interniert. Von dort erfolgte an Moszek Blajmans 32. Geburtstag die Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz, wo er direkt nach der Ankunft ermordet wurde.

Foto: Castelnau d’Estrétefonds (Arnaud.tlse – CC BY-SA 3.0)



Moszek Blajman’s story of flight and persecution took him to three different countries. He was born on September 4, 1910, in Sobiennie, Poland, the son of Jakob and Chajna Blajman. His father was a carpenter, a trade that was in high demand in Germany during World War I. Jakob Blajman found a job in Bonn and initially moved to the city alone. At the end of May 1920, his wife, Moszek, and his three siblings joined him. After moving several times, the family settled at Nordstraße 48. There, his father ran a carpentry workshop in the backyard. Starting in December 1920, Moszek Blajman lived for several months at the Jewish orphanage in Cologne for reasons that remain unclear. He returned in March 1921. He, too, became a carpenter and now went by the name Moritz. The family attended the prayer hall on Graurheindorfer Straße, run by members of the Polish-Jewish community.

In October 1938, Moszek Blajman, along with his father and many other Jews of Polish descent, was deported by the N**i authorities to the German-Polish border region. Neither country considered itself responsible, and the situation was precarious. At the end of March 1939, the two were briefly allowed to return to Bonn to liquidate their household and bring the rest of the family with them to Poland.

Moszek Blajman and his brother subsequently managed to flee to southwestern France. They attempted to go into hiding in Castelnau d’Estrétefonds. In 1942, both were apprehended and interned in the Drancy transit camp. From there, on Moszek Blajman’s 32nd birthday, he was deported to the Auschwitz extermination camp, where he was murdered immediately upon arrival.

[English version below]Auch nach 1945 wurden verschiedenste Formen von Diskriminierung und Abwertung unverändert weiterg...
01/09/2026

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Auch nach 1945 wurden verschiedenste Formen von Diskriminierung und Abwertung unverändert weitergetragen. Ein Bereich, in dem das sehr deutlich wird, ist der gesellschaftliche Umgang mit Homosexualität. Diese blieb auch in der Bundesrepublik lange strafbar, auch wenn die Debatten um eine Entkriminalisierung bereits seit Jahrzehnten liefen.

Wie kategorisch manche Deutschen eine solche ablehnten, zeigt auch das Beispiel des Bonner Amtsgerichtsrates Richard Gatzweiler. 1951 veröffentlichte dieser einen Artikel in der Broschüre „Das dritte Geschlecht“ des katholischen Volkswartbundes, der sich den Kampf gegen Sittenlosigkeit auf die Fahne schrieb und dabei immer wieder mit homophoben Positionen an die Öffentlichkeit ging. Gatzweilers Artikel mahnte ebenfalls die strafrechtliche Verfolgung homosexueller Männer an, ging zum Ende hin jedoch sogar noch einen Schritt weiter. Nach seiner festen Überzeugung seien auch lesbische Beziehungen als strafwürdig zu betrachten, da alles andere in seinen Augen inkonsequent sei.

Es blieb nicht der einzige Artikel des 1911 geborenen Juristen zu diesem Thema, immer wieder fanden diese auch Eingang in Gemeindeblätter. Dabei zeigte Gatzweiler Homosexuellen gegenüber größtmögliche Verachtung, etwa wenn er die hohe Suizidrate als Beweis ins Feld führte, dass der Homosexualität kriminalisierende Paragraph 175 wirke. Einige seiner Aussagen wurden von zeitgenössischen Betroffenen gar als Mordaufrufe gelesen. Sämtliche Klagen gegen ihn wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beihilfe zum Mord verliefen jedoch erfolglos.

Foto: Lesbische Ampelfrauen in München (Henning Schlottmann – CC BY 3.0)



Even after 1945, various forms of discrimination and stigmatization continued unabated. One area where this is particularly evident is society’s treatment of homosexuality. Homosexuality remained a criminal offense in the Federal Republic for a long time, even though debates about decriminalization had been ongoing for decades.

The example of Richard Gatzweiler, a judge at the Bonn District Court, illustrates just how categorically some Germans rejected such a move. In 1951, he published an article in the brochure “Das dritte Geschlecht” (“The Third Sex”) by the Catholic Volkswartbund, an organization that championed the fight against immorality and repeatedly took a public stance with homophobic views. Gatzweiler’s article also called for the criminal prosecution of homosexual men, but toward the end, it went an even step further. He was firmly convinced that le***an relationships should also be considered punishable, since anything else would be inconsistent in his view.

This was not the only article on this topic written by the lawyer, who was born in 1911; such articles repeatedly appeared in local church newspapers. In them, Gatzweiler displayed the utmost contempt for homosexuals, for example when he cited the high su***de rate as proof that Paragraph 175, which criminalized homosexuality, was effective. Some of his statements were even interpreted by those affected at the time as incitement to murder. However, all lawsuits filed against him for libel, slander, and aiding and abetting murder were unsuccessful.

[English version below]In Bonn und in Remagen erinnern gleich zwei Stolpersteine an das Leben von Alice Marx. Geboren wu...
28/08/2026

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In Bonn und in Remagen erinnern gleich zwei Stolpersteine an das Leben von Alice Marx. Geboren wurde sie am 28.08.1910 als Alice Heumann in Beuel. Ihre Eltern waren der jüdische Metzger Philipp Heumann und seine Frau Regina. Philipp Heumann übernahm noch vor dem Ersten Weltkrieg eine Metzgerei in Beuel. Aus diesem kehrte er anschließend jedoch schwer verwundet zurück. Nur durch die Mithilfe der Familie war es ihm möglich, die Metzgerei dennoch zu führen. Alice wuchs mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Heinz im Elternhaus in der Rheinaustraße 95 auf. Sie besuchte zunächst die evangelische Volksschule in Beuel und wechselte anschließend auf eine Bonner Schule. Nach dem Tod ihrer Mutter heiratete Alice Vater deren Schwester Franziska.

In der NS-Zeit ging das Geschäft der Metzgerei stark zurück. Während der Novemberpogrome wurde dann auch die Einrichtung zerstört. Bereits 1937 war Alice Bruder nach Chicago emigriert, doch ihr Vater war zu krank, um fliehen zu können. Alice Heumann beteiligte sich an seiner Pflege. Er verstarb jedoch am 25.12.1939. Rund ein Jahr später heiratete sie den Buchhalter Max Marx.

Als im August 1941 der erzwungene Umzug in das Ghetto im früheren Endenicher Kloster bevorstand, gingen Alice Marx, ihr Mann und ihre Stiefmutter stattdessen nach Remagen, der Heimat von Max Marx. Sie lebten dort in der heutigen Marktstraße 59. Im April 1942 wurden Alice Marx und ihr Mann nach Koblenz gebracht. Von dort folgte vier Tage darauf die Deportation in das Ghetto im polnischen Kraśniczyn. Entweder bereits dort oder bei der Räumung des Ghettos nach Sobibór starb Alice Marx.

Foto: Luftbild von Remagen aus dem Jahr 1933 (Landesarchiv NRW – CC BY-SA 4.0)



In Bonn and Remagen, two Stolpersteine commemorate the life of Alice Marx. She was born on August 28, 1910, as Alice Heumann in Beuel. Her parents were Philipp Heumann, a Jewish butcher, and his wife Regina. Philipp Heumann took over a butcher shop in Beuel before World War I. However, he returned from the war severely wounded. It was only with the help of his family that he was able to continue running the butcher shop. Alice grew up with her brother Heinz, who was three years younger, in her parents’ home at Rheinaustraße 95. She first attended the Protestant elementary school in Beuel and later transferred to a school in Bonn. After her mother’s death, Alice’s father married her mother’s sister, Franziska.

During the N**i era, business at the butcher shop declined sharply. The shop’s furnishings were then destroyed during the November pogroms. Alice’s brother had already emigrated to Chicago in 1937, but her father was too ill to flee. Alice Heumann helped care for him. However, he died on December 25, 1939. About a year later, she married the accountant Max Marx.

When the forced relocation to the ghetto in the former Endenich monastery was imminent in August 1941, Alice Marx, her husband, and her stepmother went instead to Remagen, Max Marx’s hometown. They lived there at what is now Marktstraße 59. In April 1942, Alice Marx and her husband were taken to Koblenz. Four days later, they were deported from there to the ghetto in Kraśniczyn, Poland. Alice Marx died either there or during the liquidation of the ghetto at Sobibór.

[English version below]Es ist nur ein hastig aufgenommener Schnappschuss, und doch erlaubt er einen Einblick in das Bonn...
25/08/2026

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Es ist nur ein hastig aufgenommener Schnappschuss, und doch erlaubt er einen Einblick in das Bonn des Jahres 1933. Im „Haagsche Courant“, einer niederländischen Tageszeitung, war am 25.08.1933 diese Aufnahme eines Leidener Studenten zu sehen, der sie bei einem Aufenthalt in Bonn aufgenommen hatte. Zwei Kommunisten, so der Student, seien uniformiert in der Stadt unterwegs gewesen und hätten offenbar versucht, Aufmerksamkeit zu erregen und für die verbotene KPD zu werben. Daraufhin seien sie von SA-Männern und einem Polizeibeamten angehalten und umgehend unter den Augen der interessierten Öffentlichkeit in Gewahrsam genommen worden. Unbemerkt von ihnen hatte der Student von einem Hotelbalkon aus schnell seine Kleinbildkamera gezückt und das Geschehen fotografiert.

Aktionen wie die hier dokumentierte waren für Kommunisten nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten äußerst gefährlich. Schon früh hatten diese begonnen, KPD-Mitglieder und kommunistische Funktionäre zu verhaften und teils zu ermorden und die Morde an ihnen durch falsche Todesursachen zu tarnen. Auch in den Jahren danach wurden Versuche, die politische Arbeit im Untergrund fortzuführen, bei Entdecken schwer bestraft. Verlegungen in Konzentrationslager waren keine Seltenheit.

Bei all dem wollte das NS-Regime die Deutungshoheit bewahren. Unabhängige Berichterstattung existierte nach der Gleichschaltung der Presse nicht mehr. Immer wieder gelang es jedoch Menschen, unbemerkt Vorgänge zu dokumentieren. Diese ungestellten Aufnahmen stellen heute für die Forschung eine wichtige Quelle dar.

Foto: Haagsche Courant 25.08.1933



It is just a hastily taken snapshot, and yet it offers a glimpse into Bonn in 1933. On August 25, 1933, the ‘Haagsche Courant’, a Dutch daily newspaper, published this photograph taken by a student from Leiden during a stay in Bonn. According to the student, two communists had been walking through the city in uniform and were apparently trying to attract attention and recruit members for the banned KPD. As a result, they were stopped by SA men and a police officer and immediately taken into custody in full view of the curious public. Unnoticed by them, the student had quickly pulled out his 35mm camera from a hotel balcony and photographed the scene.

Actions such as the one documented here were extremely dangerous for communists after the National Socialists seized power. Early on, they had begun arresting and, in some cases, murdering KPD members and communist officials, while covering up their murders by attributing false causes of death. Even in the years that followed, attempts to continue political work underground were severely punished upon discovery. Deportations to concentration camps were not uncommon.

Throughout all this, the N**i regime sought to maintain control over the narrative. Independent reporting ceased to exist after the press was brought into line. Time and again, however, people managed to document events unnoticed. Today, these candid photographs serve as an important source for research.

[English version below]Ida Arensbergs Leben spielte sich im Rheinland ab. Geboren wurde sie am 20.08.1870 in Duisdorf al...
20/08/2026

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Ida Arensbergs Leben spielte sich im Rheinland ab. Geboren wurde sie am 20.08.1870 in Duisdorf als Tochter des jüdischen Metzgers Jakob Benjamin und seiner Frau Eva. Sie hatte je zwei Brüder und Schwestern. 1893 heiratete sie in Poppelsdorf den Metzgereigroßhändler Bernhard Arensberg. 1894 wurde Tochter Wilhelmina geboren, die mit einem Monat verstarb. Mit Selma (1895) und Johanna (1908) bekam das Paar weitere Töchter. Obwohl Ida Arensberg religiös war, erzog sie die Kinder liberal. Als tüchtige Geschäftsfrau half sie im Betrieb und in der jüdischen Gemeinde. 1903 starb ihr Vater, als ihn am Landgericht ein fallendes Holzteil traf. 1909 verlor sie ihre Mutter, 1925 Bruder Max.

Zwischen 1935 und 1937 führten Arensbergs eine Metzgerei in Köln, vergrößerten sich dann in Bonn. Sie lebten in der Kölnstraße 97. Im selben Jahr emigrierte Selma mit ihrem Mann und vier Kindern in die USA. Bernhard Arensberg unterschätzte die Bedrohung und wollte in Bonn bleiben.

Er musste das Haus an einen Troisdorfer verkaufen, der sie dort wohnen ließ und ihnen in Zukunft einen Rückkauf anbot. Bald mussten sie weitere Jüdinnen und Juden bei sich aufnehmen, das Geschäft aufgeben und am 09.07.1941 nach Endenich ziehen, wo ein Ghetto im ehemaligen Benediktinerinnen-Kloster eingerichtet wurde. Ihre jüngste Tochter lebte in sogenannter „privilegierter Mischehe“ und musste nicht mit. Sie besuchte die Eltern häufig mit ihrem Sohn und half, wo sie konnte. Das Ehepaar lenkte sich mit Kartenspielen ab. Kurz vor der Deportation waren Tochter und Enkel vor Ort und verabschiedeten sich. Am 14.06.1942 erfolgte die Deportation nach Theresienstadt, wo Ida Arensberg am 18.09.1942 starb.

Foto: Ida und Bernhard Arensberg (Archiv Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn)



Ida Arensberg’s life unfolded in the Rhineland. She was born on August 20, 1870, in Duisdorf, the daughter of Jakob Benjamin, a Jewish butcher, and his wife Eva. She had two brothers and two sisters. In 1893, she married Bernhard Arensberg, a meat wholesaler, in Poppelsdorf. In 1894, their daughter Wilhelmina was born, but she died at one month old. The couple went on to have two more daughters, Selma (1895) and Johanna (1908). Although Ida Arensberg was religious, she raised her children in a liberal manner. As a capable businesswoman, she helped run the family business and was active in the Jewish community. In 1903, her father died when he was struck by a falling piece of wood at the district court. She lost her mother in 1909 and her brother Max in 1925.

Between 1935 and 1937, the Arensbergs ran a butcher shop in Cologne, then expanded their business in Bonn. They lived at Kölnstraße 97. That same year, Selma emigrated to the United States with her husband and four children. Bernhard Arensberg underestimated the threat and wanted to stay in Bonn.

He was forced to sell the house to a man from Troisdorf, who allowed them to continue living there and offered to buy it back from them in the future. Soon they had to take in more Jewish people, give up their business, and move to Endenich on July 9, 1941, where a ghetto had been established in the former Benedictine convent. Their youngest daughter was in a so-called “privileged mixed marriage” and was not required to go with them. She visited her parents frequently with her son and helped out wherever she could. The couple kept their minds off their troubles by playing cards. Shortly before the deportation, their daughter and grandson came to say goodbye. On June 14, 1942, they were deported to Theresienstadt, where Ida Arensberg died on September 18, 1942.

[English version below]Auf 106 Jahre Schulgeschichte kann das Sankt-Adelheid-Gymnasium in Pützchen zurückblicken. Doch 1...
18/08/2026

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Auf 106 Jahre Schulgeschichte kann das Sankt-Adelheid-Gymnasium in Pützchen zurückblicken. Doch 1940 stand die Schule vor dem Aus. Gegründet wurde das heutige Gymnasium 1920 als höhere Mädchenschule durch Schwestern des Sacré-Cœur-Ordens. Schnell wuchs die Zahl der Schülerinnen so stark, dass ein Schulgebäude neugebaut werden musste. Das Portfolio wurde um die Möglichkeit erweitert, an der Schule das Abitur abzulegen, was 1932 auch erstmals geschah.

In der NS-Zeit sahen sich kirchliche Institutionen generell dem Druck des Regimes ausgesetzt. Trotz des sogenannten „Reichskonkordats“, in dem die NS-Führung sich mit der katholischen Kirche auf bestimmte Rechte verständigt hatte, gerieten auch katholische Schulen verstärkt unter Druck. In Pützchen mussten zunächst erhebliche Veränderungen im Lehrplan verkraftet werden, immer häufiger wurden die Schülerinnen offensiv der NS-Ideologie ausgesetzt.

Nach Kriegsbeginn wurde dann in einem Teil der Räumlichkeiten ein Feldlazarett eingerichtet. Immer deutlicher wurde jedoch der Wille der Behörden, den Schulbetrieb ganz einzustellen. Sogar im Ausland wurde für die Schule in Pützchen und ähnlich bedrohte Institutionen protestiert und ein Wortbruch gegen Artikel 23 des Konkordats herausgestellt, etwa in der Rotterdamer Tageszeitung „De Maasbode“. Zu Ostern 1940 musste das Lyzeum dennoch schließen und wurde vollständig in ein Lazarett umgewandelt. Auch die verbliebenen Schwestern wurden dort eingesetzt. Schon im Juli 1945 konnte dann der Schulbetrieb neu starten. Ein erster neuer Schritt in eine Schulgeschichte, die nun schon über 100 Jahre umfasst.

Bild: Das Herz-Jesu-Kloster in den 1930er-Jahren (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)



The Sankt-Adelheid-Gymnasium in Pützchen can look back on 106 years of school history. But in 1940, the school faced closure. The school as it exists today was founded in 1920 as a secondary school for girls by the Sisters of the Order of the Sacred Heart. The number of students grew so rapidly that a new school building had to be constructed. The school’s offerings were expanded to include the option of taking the Abitur exam, which was administered for the first time in 1932.

During the N**i era, church institutions in general faced pressure from the regime. Despite the so-called “Reich Concordat,” in which the N**i leadership had agreed with the Catholic Church on certain rights, Catholic schools also came under increasing pressure. In Pützchen, the school initially had to cope with significant changes to the curriculum, and the students were increasingly and aggressively exposed to N**i ideology.

After the war began, a field hospital was set up in part of the school’s premises. However, it became increasingly clear that the authorities intended to shut down the school entirely. Protests were even held abroad on behalf of the school in Pützchen and similarly threatened institutions, and the breach of Article 23 of the Concordat was highlighted, for example in the Rotterdam daily newspaper ‘De Maasbode’. By Easter 1940, the Lyceum was nevertheless forced to close and was completely converted into a military hospital. The remaining sisters were also assigned to work there. By July 1945, school operations were able to resume. This marked the first new chapter in a school history that now spans over 100 years.

[English version below]Nicht genau hinzuschauen war eine Tendenz, die nach 1945 in der deutschen Gesellschaft praktizier...
14/08/2026

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Nicht genau hinzuschauen war eine Tendenz, die nach 1945 in der deutschen Gesellschaft praktiziert wurde. Kritik an der NS-Vergangenheit von Prominenten und Wissenschaftlern kam vor allem aus dem Ausland. So berichtete die niederländische „Het parool“ am 14.08.1945 von einer Protestnote, welche die Gesellschaft tschechoslowakischer Physiker anlässlich der geplanten Neueröffnung der Bonner Universität verabschiedete.

In der Begründung hieß es, die Professoren der Universität seien aktiv an den Verbrechen im Konzentrationslager Dachau beteiligt gewesen. Wenn auch unklar ist, auf wen sie sich konkret bezogen, sollten sie Recht behalten. Das zeigt der Fall des Luftfahrtmediziners Siegfried Ruff, der bis 1934 am Bonner Universitätsklinikum tätig war und ab 1951 in Bonn als Professor agierte. Tatsächlich war dieser in der NS-Zeit an Höhenversuchen der Luftwaffe im KZ Dachau beteiligt und über deren Fortgang informiert. In einer Unterdruckkammer wurde an Gefangenen des KZ getestet, wie Menschen auf extremen Sauerstoffmangel reagieren. Zwischen 10 und 30 Gefangene starben.

Ruff wurde im Nürnberger Ärzteprozess angeklagt, jedoch freigesprochen. Anschließend forschte er für die US Army, wurde leitender Arzt der Lufthansa und Vorstandsmitglied der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt. In seiner Arbeit für die Army kam eine Unterdruckkammer zum Einsatz, die auch in Dachau genutzt worden war. Wegen öffentlichen Drucks aufgrund seiner Vergangenheit trat Ruff 1966 als Professor ab. Die personellen Kontinuitäten, welche die tschechoslowakischen Physiker schon 1945 anmahnten, bestanden jedoch weiter.

Foto: Siegfried Ruff während des Nürnberger Ärzteprozesses



A tendency to look the other way was common in German society after 1945. Criticism of the N**i past of prominent figures and scholars came primarily from abroad. For example, on August 14, 1945, the Dutch newspaper ‘Het Parool’ reported on a protest note issued by the Society of Czechoslovak Physicists in response to the planned reopening of the University of Bonn.

The statement claimed that professors at the university had been actively involved in the crimes committed at the Dachau concentration camp. Although it is unclear exactly whom they were referring to, they turned out to be correct. This is illustrated by the case of aviation physician Siegfried Ruff, who worked at the Bonn University Hospital until 1934 and served as a professor in Bonn beginning in 1951. In fact, during the N**i era, he was involved in the Luftwaffe’s high-altitude experiments at the Dachau concentration camp and was kept informed of their progress. In a low-pressure chamber, experiments were conducted on concentration camp prisoners to determine how humans react to extreme oxygen deprivation. Between 10 and 30 prisoners died.

Ruff was charged in the Nuremberg Doctors’ Trial but was acquitted. He subsequently conducted research for the U.S. Army, became chief medical officer at Lufthansa, and served on the board of the German Aerospace Research Center. In his work for the Army, he used a low-pressure chamber that had also been used at Dachau. Due to public pressure stemming from his past, Ruff resigned as a professor in 1966. However, the continuity in personnel—which the Czechoslovak physicists had already warned about as early as 1945—continued.

[English version below]Ludwig Waldmann wurde am 12.08.1879 in Kaubenheim geboren. Sein Vater, Protestant, und die jüdisc...
12/08/2026

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Ludwig Waldmann wurde am 12.08.1879 in Kaubenheim geboren. Sein Vater, Protestant, und die jüdische Mutter heirateten nicht. Die Kinder wuchsen jüdisch auf. Nach Besuch der Musikhochschule Würzburg spielte der Hornist in Bad Kreuznach, wo er seine Frau Betta traf. 1911 und 1913 wurden Karola und Else geboren. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg wurde Waldmann ausgezeichnet.

Die Familie lebte in Bonn, Waldmann war Mitgründer des städtischen Orchesters. Er war nicht religiös, Sozialdemokrat, rauchte und fluchte auf Fränkisch. Heiligabend spielte er stets ein Solo im Münster. Nach Streit mit dem Direktor, der ein Theaterstück für die Töchter zu freizügig fand, ließ Waldmann sie die Schule wechseln. Er musizierte mit ihnen und nahm sie mit auf Konzertreisen. Im Juni 1930 starb seine Frau an Leukämie.

1933 heiratete er die Katholikin Therese Spindler, die er vom Stammtisch kannte und bekam noch eine Tochter. Das schlechte Verhältnis der Frau zu den Töchtern ließ Karola in die Schweiz gehen. 1935 wurde Waldmann nach über 25 Jahren ohne Rente entlassen. Seine Frau, die ihn als „Saujuden“ beschimpfte, ließ sich scheiden. Karola kam zurück und pflegte mit Else den Vater. Der saß nach Nervenzusammenbrüchen und Schlaganfällen gelähmt im Rollstuhl. Die Konfiszierung der Instrumente brach ihn. Eine Flucht war ihm unmöglich. Die Töchter vereinbarten, wer zuerst ein Visum bekäme, solle fliehen. Karola kam nur bis in die Niederlande und wurde in Auschwitz ermordet. Ihr Vater legte die Kriegsorden demonstrativ auf den Nachttisch. Ludwig Waldmann starb im Dezember 1940. Tochter Else überlebte mehrere Lager und kam nach Bonn zurück.

Foto: Archiv Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn



Ludwig Waldmann was born on August 12, 1879, in Kaubenheim. His father, a Protestant, and his Jewish mother were never married. The children were raised as Jews. After attending the Würzburg University of Music, the horn player performed in Bad Kreuznach, where he met his wife, Betta. Karola and Else were born in 1911 and 1913, respectively. As a volunteer in World War I, Waldmann received a commendation.

The family lived in Bonn, where Waldmann was a co-founder of the city orchestra. He was not religious, was a Social Democrat, smoked, and swore in the Franconian dialect. On Christmas Eve, he always played a solo at the cathedral. After a dispute with the principal, who found a play too risqué for his daughters, Waldmann had them transfer to another school. He played music with them and took them on concert tours. In June 1930, his wife died of leukemia.

In 1933, he married Therese Spindler, a Catholic woman he had met at the regulars’ table, and they had another daughter. His wife’s poor relationship with his daughters led Karola to leave for Switzerland. In 1935, Waldmann was dismissed after more than 25 years without a pension. His wife, who had called him a “filthy Jew,” filed for divorce. Karola returned and, together with Else, cared for her father. He was paralyzed and confined to a wheelchair following nervous breakdowns and strokes. The confiscation of his instruments broke him. Escape was impossible for him. The daughters agreed that whoever obtained a visa first should flee. Karola made it only as far as the Netherlands and was murdered in Auschwitz. Her father pointedly placed his war medals on the nightstand. Ludwig Waldmann died in December 1940. His daughter Else survived several camps and returned to Bonn.

Szenische Lesung aus dem Buch „Grauland“ mit Wolfgang und Helga Kaes.Grauland des Schriftstellers Wolfgang Kaes ist eine...
11/08/2026

Szenische Lesung aus dem Buch „Grauland“ mit Wolfgang und Helga Kaes.

Grauland des Schriftstellers Wolfgang Kaes ist eine Familiengeschichte. Ein autofiktionaler Roman über die Generation der Kriegskinder in der Eifel, über die schweigende Generation tief im Westen.
Zugleich ein Porträt jener Landschaft, die von den Kolonialherren aus dem Osten Preußisch-Sibirien genannt wurde. Das Leben dort kannte lange Zeit nur einen Sinn: das Überleben.

Grauland ist zudem die Geschichte eines Verbrechens in der Familie von Wolfgang Kaes; einer nie geklärten, nie gesühnten Mordtat, die drei Generationen nachhaltig prägte.

14. September 2026, 18 Uhr

Großer Saal im Haus der Bildung, Mülheimer Platz 1, 533111 Bonn, 18 Uhr

ANNA HÁJKOVÁ | DAS LETZTE GHETTOLesung und Gespräch: Eine Alltagsgeschichte von TheresienstadtIm Gespräch: Anna Hájková ...
11/08/2026

ANNA HÁJKOVÁ | DAS LETZTE GHETTO
Lesung und Gespräch: Eine Alltagsgeschichte von Theresienstadt
Im Gespräch: Anna Hájková und Astrid Mehmel

Montag, 12. Oktober 2026, 18 Uhr
Großer Saal Haus der Bildung
Mülheimer Platz 1, 53111 Bonn

Auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen legt die Historikerin Anna Hájková erstmals eine analytische, transnationale Kultur-, Sozial-, Geschlechter- und Organisationsgeschichte Theresienstadts vor und bietet damit neue Einsichten in die Geschichte des Holocaust.

Anna Hájkova ist eine tschechische und britische Historikerin, die seit 2013 an der britischen Universität Warwick lehrt.

Adresse

Franziskanerstrasse 9
Bonn
53113

Öffnungszeiten

Samstag 13:00 - 18:00
Sonntag 11:00 - 18:00

Telefon

+4922894895307

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