01/06/2026
Der Biberacher Hochaltar war einst eines der beeindruckendsten Kunstwerke Süddeutschlands: Mit einer Höhe von etwa 18 Metern, einer Breite von fast 9 Metern und seiner kunstvollen Dramaturgie aus Licht, Gold und Bildern, machte der Hochaltar jede Messe zu einem besonderen Erlebnis.
Die prachtvollen Flügelgemälde stammten von dem berühmten Maler Martin Schongauer, während die eindrucksvollen Figuren und Schnitzarbeiten von Niklaus Weckmann geschaffen wurden. Je nach Festtag öffneten sich die Flügel unterschiedlich weit und enthüllten immer neue Szenen. Angefangen mit der schlichten Werktagsseite mit geschlossenen Drehflügeln, über die Sonntagsseite mit acht Tafelbildern zur Passion Christi bis hin zur gesamten Öffnung an hohen Feiertagen. Hier öffnete sich das vergoldete Schreininnere und es erschienen die überlebensgroße, bekrönte Muttergottes mit dem Jesuskind, flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus, quasi lebensechte dreidimensionale Skulpturen aus der Hand Niklaus Weckmanns. Die seitlichen Schreintüren zeigen vier vermutlich ebenfalls vergoldete Reliefs mit Szenen aus der Weihnachtsgeschichte.
Das Allerheiligste tief im goldenen Schrein trat vergleichsweise selten vor Augen und gerade, weil dieser Anblick so selten war, muss er auf die Menschen damals eine enorme Wirkung gehabt haben.
Doch dieses Meisterwerk existiert heute nicht mehr: Im Bildersturm von 1531 wurde der Hochaltar zerstört. Was bleibt, sind historische Berichte, Rekonstruktionen und die Vorstellung davon, wie überwältigend dieses Kunstwerk einst gewirkt haben muss.
Das erste Bild zeigt den Blick ins Kirchenmodell von Kurt Schaal, mit einer schematischen Rekonstruktion des gotischen Hochaltars im Chor.
Das zweite Bild zeigt das Modell der Biberacher Stadtpfarrkirche St. Martin.