21/05/2026
Ein Blick in die Aufzeichnungen von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1933 wirkt heute erschütternd klar und nüchtern – und gerade deshalb so eindringlich:
„Vollkommenste Diktatur.
1. April Juden-Boykott.
Entlassungen. Hans noch im Amt.
10. Mai werden Bücher verbrannt. Am 21. Mai Nachricht, daß Clara Zetkin tot ist.
Am Sonnabend 1.Juli werden sämtlichen Ärzten, die dem Sozialdemokratischen Ärzteverein angehört haben, die Kassen weggenommen. Karl auch.
Jetzt im Juli gibt es weder die kommunistische Partei mehr, noch die sozialdemokratische, noch die demokratische, noch die Deutsch-Nationalen, noch die Bayerische Volkspartei noch das Centrum. In ganz Deutschland existiert nur noch die NSDAP.
Es gibt keine Zeitung, die eine andere Meinung vertritt.
Gleichschaltung.“
Diese wenigen Zeilen verdichten eine historische Entwicklung: den Verlust politischer Vielfalt, die Gleichschaltung des öffentlichen Lebens und das rasche Unterbinden oppositioneller Stimmen im Deutschland des Jahres 1933.
Was Kollwitz hier notiert, ist keine Analyse, kein Kommentar – sondern das präzise Festhalten einer sich verengenden Realität. Ein stiller, aber eindringlicher Blick darauf, wie schnell demokratische Strukturen verschwinden können.
Am 23. Mai 1949 wurde als Konsequenz aus diesen Erfahrungen das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Bonn vom Parlamentarischen Rat feierlich verkündet und unterzeichnet.
📷: Käthe Kollwitz, Selbstbildnis, 1934, Kreide- und Pinsellithographie