01/09/2026
48 Dollars and a Namesake – Jen Tiger, 2017, Pigmentdruck, 45,7 × 30,5 cm
In unserer aktuellen Ausstellung „Osage Orange“ zeigt die Künstlerin Jen Tiger eine Arbeit, die mit erschreckender Präzision eine koloniale Logik offenlegt: Wer vier Jahre lang 12 Dollar pro Jahr zahlte – 48 Dollar insgesamt – erhielt das „Privileg", einem indigenen Kind einen neuen Namen zu geben.
Tiger gräbt in Missionstagebücher, Diözesanunterlagen und anderen Archiven – und was sie dort findet, sind keine abstrakten Zahlen, sondern die Spuren von Kindern: Kinder aus Osage-Familien, Kinder aus gemischten Familien, getauft, umbenannt, eingeschrieben in Listen, die nicht für sie, sondern über sie geschrieben wurden. Die Umbenennung war kein Randphänomen, sondern Methode: durch Taufe, durch Internatserziehung, durch das systematische Überschreiben von Zugehörigkeit
Osage Orange – Antje Majewski & Jen Tiger
📍 Gutshaus Steglitz
Mo–So 10–18 Uhr
🎟 Eintritt frei
📸 Jen Tiger, 48 Dollars and a Namesake, 2017
© Jen Tiger
Ausstellungsansicht: Ludger Paffrath