08/09/2026
Ich bin ehrlich gesagt ein wenig bewegt und nachdenklich über die aktuellen politischen Entwicklungen in einem Bundesland, das mir wirklich am Herzen liegt und in das ich immer wieder extrem gerne reise: Sachsen-Anhalt.
Nach den Ergebnissen vom 06. September frage ich mich ernsthaft: Ist das wirklich das Bild, das so viele Menschen hier von ihrer Heimat nach außen tragen möchten?
Ich habe volles Verständnis für Kritik an der Politik der letzten Jahrzehnte – da lief ganz sicher nicht alles perfekt. Aber ich finde es tief traurig, wenn berechtigter Unmut darin mündet, das Vertrauen ausgerechnet in Kräfte zu setzen, die vor allem durch Spaltung, Populismus und fehlende tragfähige Konzepte auffallen.
Wenn ich in Sachsen-Anhalt unterwegs bin, begegne ich auf meinen Veranstaltungen fast ausnahmslos netten, freundlichen und aufgeschlossenen Menschen. Umso schwerer fällt es mir zu verstehen, wie so viele von ihnen den Weg nach vorne ausgerechnet in Rhetorik und Ideen von gestern suchen – in Konzepten, die auf Ausgrenzung, Unsicherheit und einfachen Feindbildern basieren.
Manche vergleichen die heutige Situation sogar mit der DDR. Doch wer die damalige Zeit bewusst erlebt hat – mit echten Repressionen, Mangelwirtschaft und systematischer Überwachung –, weiß, wie hinkend dieser Vergleich ist. Und diejenigen, die nach 1989 geboren wurden, sollten sich ehrlich fragen, ob sie die Freiheit, die wir heute genießen, wirklich mit den Zuständen von damals gleichsetzen wollen. Einer Zeit, die sie selbst lediglich aus Erzählungen kennen.
Natürlich gab es nach der Wende viele Enttäuschungen und Narben. Und Ja, es wurden auch in der Politik viele Fehler gemacht und Dinge verschleppt. Das ist unbestreitbar. Aber ist der Blick zurück wirklich die Lösung? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Kulturen und Regionen, die sich verschließen und starr an Vergangenheit festhalten, verlieren den Anschluss an eine Welt, die sich rasend schnell weiterdreht. Deren Entwicklungen immer neue Möglichkeiten auftun. Möglichkeiten, die allen helfen können einen sinnvollen Nutzen aus unseren Ressourcen zu schaffen. Auch länderübergreifend oder gar kontinental. Doch muss man dafür nach vorne denken.
Unsere Erinnerung verklärt die „gute alte Zeit“ gerne, weil unser Gehirn Schlechtes mit der Zeit verdrängt. Das ist menschlich. Aber die Welt wartet nicht auf uns. Wohlstand und eine gute Zukunft entstehen nicht durch Hass und Abgrenzung, sondern durch Offenheit, Mut und Miteinander.
Mir geht es mit diesen Zeilen nicht darum, jemanden zu belehren, herabzusetzen oder pauschal zu verurteilen. Wer mich von der Bühne kennt, weiß: Ich möchte Menschen zusammenbringen, ein Lächeln schenken und dabei vielleicht dem einen oder anderen die eine oder andere neue Perspektiven aufzuzeigen.
Ich erhebe allerdings keinen Anspruch darauf, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Aber ich wünsche mir, dass wir wieder lernen, kritisch zu hinterfragen, ehrliche Verantwortung für unsere Entscheidungen zu übernehmen und gemeinsam nach echten Lösungen zu suchen.
Also, ich wäre dafür bereit...