27/08/2026
Was steht’n da? 🍻
In unserem Depot gibt es eine ganze Regalreihe mit diesen dickbäuchigen Mönchen, die ulkig, vielleicht auch ein bisschen seltsam vor sich hin grinsen.
Tatsächlich sind das Bierkrüge – aus der Amberger Steingutfabrik Eduard Kick, um 1890. Und sie sind ein ganz schönes kulturgeschichtliches Rabbit Hole …
Runder Bauch, rote Bäckchen, ein schalkhaftes Lächeln: Das Ideal der klösterlichen Enthaltsamkeit trifft auf Essen, Trinken und Rausch. Aus dem wohlgenährten, so gar nicht asketischen Leib eines Kirchenmannes wird ein weltliches Trinkgefäß.
Gerade im so katholischen Bayern funktioniert dieser Humor besonders gut: Frömmigkeit und Biertradition schließen einander offenbar nicht aus – und werden gern mal aufs Korn genommen.
Doch der Krug verbirgt noch etwas in seinem Inneren. Im Boden steckt eine sogenannte Lithophanie mit einem Motiv aus dem Reineke Fuchs. Erst wenn sich der Krug leert und Licht durch das dünne Porzellan fällt, wird das Bild sichtbar – weich, fast verschwommen, wie eine Offenbarung am Ende des Trinkens.
Kommt mit dem Bier also die Wahrheit ans Licht?
Beim Reineke Fuchs, einem literarischen Stoff, der damals so etwas wie Popkultur war, geht es um Täuschung, Verkleidung und falsche Frömmigkeit. Außen der freundliche Mönch, innen der listige Fuchs: Schein und Sein liegen nah beieinander.
Und dann ist da noch die Industriegeschichte: So aufwendig der Krug wirkt – er entstand in Serienproduktion. Neue Verfahren wie das Keramikgießen machten solche Figuren schnell und in großer Stückzahl produzierbar. Die Krüge wurden erschwinglich und fanden ihren Weg in die Alltagskultur. Und die Hersteller ließen sich immer absurdere Formen einfallen, um die Kauflust anzuregen.
Ein Bierkrug war damit natürlich auch ein ziemlich guter Gesprächsanlass:
„Da schau her – was isn des für a Krug?“