19/07/2026
Aus der Predigt von Günter Lesinski Haus Werdenfels zum Sonntag vom 19.7.26:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Nachfolger des heiligen Petrus, der die Kirche im Geist Jesu mit Weite, Offenheit und Vertrauen führte. Er ermutigte Theologinnen und Theologen,
zu forschen, Fragen zu stellen und gemeinsam nach der Wahrheit zu suchen. Er schenkte ihnen großes Vertrauen. Doch einige missbrauchten dieses Vertrauen. Sie wurden zu Querulanten, ver-
loren sich in destruktiver Kritik und trugen mehr zur Spaltung als zum Aufbau der Gemeinschaft bei.
Da kamen seine Berater zu ihm und fragten: „Hast du nicht alles getan, damit der Geist Jesu in der Kirche lebendig bleibt? Wie kommt es dann, dass manche Theologen so viel Unruhe stiften?“
Er antwortete: „Auch Theologinnen und Theologen sind Menschen. Manche brauchen einen Gegner, um sich selbst zu profilieren. Andere sind vielleicht verletzt worden und reagieren des-
halb mit Härte und Aggression. Hinter mancher Kritik stehen Erfahrungen, die wir ernst nehmen sollten.“Da sagten die Berater: „Sollen wir ihnen das Wort verbieten? Sollen wir ihnen die Lehr-
erlaubnis entziehen? Sollen wir genau beobachten lassen, was sie schreiben, lehren und sagen?“Er entgegnete: „Nein. Denn wenn ihr gegen die wenigen wirklichen Unruhestifter vorgeht, trefft ihr leicht auch viele gute Theologinnen und Theologen. Ihr bestraft dann auch jene, die aus Liebe zur Kirche kritische Fragen stellen und ehrlich nach Antworten suchen. So zerstört ihr Vertrauen und schafft ein Klima der Angst. Redeverbote, Lehrverbote und Denkverbote sind wie Unkrautbekämpfungsmittel: Sie treffen oft die Falschen und ersticken viele gute Gedanken schon im Keim. Lasst neuen Ideen und Denkansätzen Zeit zum Wachsen und Reifen. Bleibt gelassen. Was wahr ist und dem Evangelium entspricht, wird sich bewähren. Macht euch bewusst: Allzu
oft zerstört nicht das Unkraut die Saat, sondern der Übereifer der Knechte, die bei ihren Säuberungsaktionen den guten Weizen mit niedertrampeln.Darum sucht das Gespräch. Hört einander zu. Ringt gemeinsam um Antworten auf die Fragen unserer Zeit: Wie kann die Kirche heute glaubwürdig leben? Wie kann der Glaube die Menschen von heute erreichen? Sagt nicht vorschnell: 'Das ist häretisch!' oder: 'Das ist nicht mehr katholisch!' Überlasst das letzte Urteil Gott.“
Ich glaube, spätestens jetzt würde Jesus lächeln. Vielleicht würde er sagen: „Genau darum geht es.“ Denn das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen handelt gar nicht zuerst von Ackerbau. Es handelt von Menschen. Von Ihnen und mir. In jedem Menschen wachsen Weizen und Unkraut nebeneinander. Wie schnell sortieren wir Menschen aus. Ein falscher Satz. Eine schlechte Entscheidung. Ein Fehler. Und schon steht jemand in einer Schublade. Jesus macht das nicht. Er sieht immer auch das, was noch wachsen kann. Das heißt nicht, dass ihm das Böse gleichgültig wäre. Unkraut bleibt Unkraut. Ungerechtigkeit bleibt Unrecht. Am Ende sagt Jesus in die Stille hinein nur einen Satz: „Wer Ohren hat zu hören, der höre." Mehr sagt er nicht. Denn jetzt sind wir an der Reihe. Welche Geschichte würden wir heute erzählen? Wo könnten wir geduldiger sein? Wen haben wir vielleicht schon längst als „Unkraut" abgestempelt? Und wo hofft Gott darauf, dass in unserem eigenen Herzen noch etwas Gutes wachsen darf?
Dann ging Jesus weg an einen einsamen Ort, um zu beten. (Nach einer Predigt von Wolfgang Raible)
Predigtimpulse können gratis via eMail bestellt werden unter: Günter Lesinski, Haus Werdenfels, Waldweg 15, 93152 Nittendorf, 09404/9502-26, [email protected] ,
Haus Werdenfels ist ein gastliches Haus. Sie finden qualifizierte Kursangebote, die helfen, zur Ruhe zu kommen und zu sich selber zu finden.