14/07/2026
Jeder Künstlernachlass beginnt anders. Meiner begann nicht mit kunsthistorischen Analysen und auch nicht mit einer wohlgeordneten Datenbank, sondern mit Feuchtigkeit, Paketklebeband, harter körperlicher Arbeit und sehr vielen Fragen.
Am Anfang standen Koffer mit feuchten Dokumenten und Zeichnungen in meinem Büro. Gewellte Mappen. Schachteln voller unsortierter Fotografien. Lose Zeitungsausschnitte in einem Pappkarton. Handschriftliche Notizen, bei denen niemand wusste: scannen, abtippen, chronologisch ordnen – oder nach Themen?
Hunderte Zeichnungen waren mit aggressivem Paketklebeband auf weiße Hintergrundblätter geklebt. Ich habe sie mit Föhn und Skalpell vorsichtig abgelöst, damit sie nicht komplett von der Säure im Klebeband zerstört werden - und mir dabei einige Male die Finger verbrannt.
Unfixierte Pastellarbeiten lagen aufeinander und färbten ab. Fixieren oder den ursprünglichen Zustand bewahren? Wie reinige ich Werke? Eine professionelle Reinigung eines kleinen Werkes kostet 350,- EURO. Das kann ich mir nicht oft leisten... Kann ich das selbst riskieren?
Dazu kamen angeschimmelte Werke. Entsorgen – oder retten? Und zweieinhalb Meter hohe Arbeiten auf alten Holztüren, wie lagere ich sie platzsparend aber auch so, dass sie sich nicht verziehen? Was darf ich ohne schlechtes Gewissen aussortieren?
Viele Entscheidungen führten zu neuen Fragen. Ich hatte auch völlig unterschätzt, wieviel Platz ich benötigte, um alles auszubreiten, zu trocknen und zu sortieren. Und ich hatte keine Vorstellung, wie viele Jahre Arbeit vor mir lagen. Ich wusste nur: Ich wollte diesen Nachlass erforschen und sichtbar machen...
Begleitet mich gerne auf dieser Reise: www.carlocazals.com