30/05/2026
Mai-Exkursion 🌞 zur Flussperlmuschel💧
📍 Wir starteten in der Flussperlmuschel-Zuchtstation im Raunergrund vor Beginn des heutigen Tages der offenen Tür und erhielten ausführliche und anschauliche Informationen durch Thomas Findeis und Thomas Thoß.
📍 Nach einem gemütlichen Mittagessen im Adorfer Rathskeller begaben wir uns ins Erlebnismuseum Perlmutter und ließen uns auf die Ausstellung von oben bis unten vollständig ein.
📍 Es war eine gute Entscheidung, erst in der Zuchtstation Wesentliches zu erfahren und anschließend im Adorfer Erlebnismuseum in Text und Bild sowie Video das Gehörte umfassend nachvollziehen zu können.
.. und jetzt ein bisschen Inhalt, weil wir aus unserer Sicht Erstaunliches erfuhren und wieder einmal empfanden, dass mit Leidenschaft und ehrenamtlichem Engagement vieles möglich ist ♥️
✔️ Ca. 3000 Muschel-Öffnungen sind für 10 Perlenfunde notwendig - und darunter gibt es oft nur eine Schmuck-/Kunstperle. In Sachsen waren die gefundenen Perlen vollständig an den Kurfürsten bzw. ab 1806 König abzuliefern.
✔️ Die Perlenfischerei im Vogtland endete in den 20er-Jahren, die Perlmutterverarbeitung in Adorf in den 2000ern.
✔️ Seit den 90er-Jahren besteht ein Artenschutzprogramm. Der Bestand in den drei vogtländischen Vorkommen war nicht nur gering, sondern auch an Nachwuchs fehlte es.
+ Der Wolfsbach trocknete in den Jahren 2013, 2015 und 2018 aus. Kam man bei der Muschel-Rettung 2013 noch auf 2330 Tiere, so konnten 2023 nur noch 400 gezählt werden.
+ Triebelbach (80-100 Alttiere)
+ Rauner Bach (80-100 Alttiere)
✔️ Da fehlende Nachkommenschaft als Hauptproblem gilt, wird auch im Vogtland mittlerweile nach "tschechischem" Vorbild gehandelt und eine halbnatürliche Zucht betrieben - heute gibt es bereits Nachwuchs aus nachgezüchteten Muscheln.
🐟 Für die Fortpflanzung sind Forellen notwendig, da für Muschelnachwuchs eine parasitäre Lebensweise für ca. 1 Jahr notwendig ist. Die infizierten Bachforellen
tragen zwischen 300 und 400 Glochidien an ihren Kiemen - ca. 4 bis 5 Mio. produziert jede Muschel.
🐟 Halbnatürliche Zucht umfasst, dass im Hochsommer trächtige Muscheln aus den heutigen 4 Gewässern entnommen und zum Forellen-Fischwirt gebracht werden.
🐟 Im Frühjahr (oft März) - nach 1200 Temperatur-Graden - werden die Fische entnommen ... und von ihnen die Larven.
🐟 Zu diesem Zeitpunkt sind sie ca. 0,5 mm klein und fallen ab, um für ca. fünf Jahre als Weidegänger im Flusssubstrat zu wachsen. Da die vielfältigen Qualitätsprobleme des Substrats (Verunreinigungen durch konventionelle Landwirtschaft, Hochwasser oder dauerhaftes Niedrigwasser) noch nicht gelöst sind und ein Überleben in der Natur somit kaum möglich ist, setzt hier die umfangreichste Arbeit in der Zuchtstation an.
✔️ Im Hammerpark Plauen befand sich die erste Zuchtstation, da dort ein Anglerverband Forellen züchtete und auch geeignetes sauberes Wasser vorhanden war - die Umgestaltung zum "Spielplatz" beendete dieses Kapitel.
✔️ Seit 2012 befindet sich die Station direkt am Rauner Bach in einem gekauften und sanierten ehemaligen Dreiseithof.
🐟 Es ist allen bewusst, dass die Substratersatzzucht in der Station nur eine "Krücke" ist, um die empfindlichen Anfangsjahre der Muschel zu überwinden, aber die natürliche Beschaffenheit reicht dafür noch nicht aus. In 5 cm Tiefe (Sohle) gibt es aufgrund von Abwasser oft schon keinen Sauerstoff mehr.
🐟 Im Substrat müssen sie sich in einem Vierteljahr verdoppeln, also ca. 1 mm groß werden.
🐟 Danach werden sie in Wärmeschränken untergebracht - nach 2 Jahren ist infolge des Wachstums (2 bis 3 mm groß) ein Wechsel des Käfigkastens (Reinigung ganzjährig alle 2-3 Wochen notwendig) notwendig, nach weiteren fünf bis sechs Jahren sind sie theoretisch ausgewachsen.
Nach diesen ersten im Substrat in der Station überbrückten Lebensjahren leben sie an der Oberfläche ... als Filtrierer.
🐟 10 000 bis 15 000 Tiere jährlich wären gut, in Wärmeschränken ist das gut machbar, aber die Zahl der Tiere schwankt zwischen 4000 und 100 000.
🐟 Durch die Auswilderung von 1200 gezüchteten, 15 Jahre alten Tieren gibt es inzwischen auch außerhalb der Zuchtstation wieder mehr Nachwuchs - obwohl es in den vier dafür genutzten Gewässern noch keine optimalen Bedingungen gibt. Die Weiße Elster ist noch zu dreckig fürs Überleben, aber mit den Seitengewässern Triebelbach, Tetterweinbach, Rauner Bach (größter) und Eisenbach hat man weitgehend abwasserfreie Gewässer.
✔️ Mit den weiteren deutschen Stationen in Regnitzlosau, Passau und in der Eiffel an der Grenze zu Belgien besteht eine enge Zusammenarbeit.
✔️ Projektzeiträume und Fördergelder sind immer ein Problem, zudem ist eine Fortführung nicht möglich, Projekte müssen immer neu sein.
✔️ Durch die Zusammenarbeit mit den Universitäten in Dresden und München kann z. B. auch zu Bedingungen für das Überleben an verschiedenen Standorten in verschiedenen Entwicklungsstadien oder zu den Folgen von "Inzucht" geforscht werden.
✔️ Im Lebens- und Erlebnisraum Gewässer gilt die Flussperlmuschel als "Gallionskultur", deswegen auch das Motto: "Muscheln helfen Ihrem Wasser. Wir helfen Muscheln."
http://www.flussmuscheln.de
https://www.perlmuttermuseum.de/