23/06/2026
„Exil ist nicht nur ein Ort, an dem man nicht ist, sondern auch einer, an dem man nie wirklich sein kann.“
Im Verlag Agora ist die Publikation “W pierwszej osobie. Wspomnienia i rozliczenia” (“In erster Person. Erinnerungen und Abrechnungen”) von Zygmunt Bauman (1925–2017) erschienen. Sie erzählt das Leben des weltbekannten Soziologen und polnischen Juden, der während seiner Zeit an der Universität von Leeds bahnbrechende Werke schrieb – und zwar aus seiner eigenen Perspektive. Der Text basiert auf Tonaufnahmen, die Bauman in seinen letzten Lebensjahren gemacht hat. Der Verlag entschied sich, es als seine letzten Worte und Erinnerungen zu veröffentlichen.
Der renommierte Soziologe Zygmunt Bauman wurde 1925 in Poznań in einer jüdischen Familie geboren. Er floh mit seinen Eltern nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion. Nach dem Krieg nach Polen zurückgekehrt, lernte er 1947 an der Warschauer Universität Janina Bauman, geb. Lewinson (1926–2009) kennen. Janina kam in Warschau zur Welt und überlebte als Jugendliche im Warschauer Ghetto. Ihr Vater, ein bekannter Mediziner und Offizier der polnischen Armee, der im September 1939 mobilisiert wurde, wurde von der Roten Armee in Katyń ermordet.
Janina und Zygmunt heirateten und bekamen drei Töchter: Anna, Irena und Lydia. Janina arbeitete als Übersetzerin und beim Staatsunternehmen Film Polski als Cutterin, Zygmunt zunächst als politischer Beamter im Ministerium für öffentliche Sicherheit. Er wurde 1953 wegen angeblicher »zionistischer Aktivitäten« seines Vaters entlassen.
Zygmunt promovierte und habilitierte sich an der Universität Warschau, wo er als Assistenzprofessor und Dozent tätig war. Im Januar 1968 trat er aus der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei aus. Im März 1968 wurde er im Zuge der antisemitischen Kampagne der polnischen Regierung von der Universität entlassen, woraufhin die Familie nach Israel auswanderte. Mit seiner Berufung an die Universität von Leeds im Jahr 1971 zogen die Baumans nach Großbritannien.
Bauman arbeitete bis kurz vor seinem Tod an seiner Autobiografie. Er nahm mündliche Erzählungen auf, die nun transkribiert und zu einem Buch zusammengestellt wurden. Der Verlag Agora veröffentlichte das Buch posthum. Es ist eine persönliche Reflexion Baumans über sein Leben, seine Erfahrungen mit Krieg, Vertreibung, Antisemitismus und Exil – Themen, die sein Denken und Werk prägten.
Zur Website des Verlags:
https://wydawnictwoagora.pl/w-pierwszej-osobie-wspomnienia-i-rozliczenia/
Foto: Cover der Publikation (Ausschnitt)