29/08/2026
Über 400 Objekte aus ehemaligem jüdischem Besitz: Chanukkia, Menora, Becher, Fragmente des Talmuds sowie Haushaltsgegenstände wie versilbertes Geschirr, Kleidung und Parfümflakons, fanden Handwerker im Januar 2023 bei Renovierungsarbeiten in einem Haus in der Północna-Straße in Łódź. Eingewickelt waren die Gegenstände in das Papier polnisch-, jiddisch und deutschsprachiger Zeitungen aus dem Oktober 1939 und in einer Holzkiste verstaut und im Fundament des alten Gebäudes vergraben.
Die Północna-Straße lag direkt an der Grenze des von den deutschen Besatzern im April 1940 errichteten Ghettos „Litzmannstadt“. Eingesperrt wurde hier zunächst die jüdische Bevölkerung der zweitgrößten Stadt Polens. Später kamen zehntausende Jüdinnen und Juden aus dem Umland sowie aus Deutschland sowie Sintizze und Romnja dazu. Insgesamt ca. 205.000 Menschen wurden zwischen 1940-1944 in das völlig überfüllte Ghetto verschleppt und mussten hier Zwangsarbeit für Rüstungsfirmen leisten. Im Ghetto gab es weitestgehend kein fließendes Wasser, eine Kanalisation oder Strom.
Ab Januar 1942 begannen die Deportationen in die Vernichtungsstätten. Zunächst nach Chełmno, später nach Kulmhof, Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor. , am 29. August 1944, verließ der letzte große Deportationszug das Ghetto Litzmannstadt Richtung Auschwitz. Nur wenige hundert Menschen als sogenanntes Aufräumkommando im Ghetto zurück.
Auch die ehemaligen Besitzerinnen und Besitzer der 2023 gefundenen Gegenstände aus dem Haus in der Północna-Straße haben nach bisherigem Wissensstand die Lebensbedingungen im Ghetto, bzw. die Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager nicht überlebt.
Weitere Informationen zu dem Fund von 2023:
https://www.thehistoryblog.com/archives/66134
Foto: Christoph Szymczak