13/12/2025
Liebe Kunstinteressierte, liebe Besuchende und Freundinnen und Freunde der
Galerie Vor-Ort,
Galerie Vor-Ort mitten im Herzen von Altach, das sind unsere drei Fenster.
Ein Container, der sich nach außen öffnet – für die Vorübergehenden, zum
Stehenbleiben, Hineinschauen, Neugierig sein.
Nun verändert der Container seine Form. Während ich überlegte, was ich sagen
oder schreiben kann, merkte ich: Ich kann nicht sagen, „die Fenster schließen sich“.
Aber die öffentlichen Vernissagen der Galerie Vor-Ort sind zu Ende.
Was bleibt, sind der Facebook-Kanal und der YouTube-Kanal, wo die vergangenen
Ausstellungen hoffentlich noch lange sichtbar bleiben. Jede Ausstellung hätte ihre
eigene lange Geschichte verdient. Und vielleicht entsteht daraus ein echter Katalog,
um in Erinnerungen zu schwelgen? Wer Lust hat diesen Katalog zu gestalten, melde
sich gerne bei mir!
Vor sieben Jahren war es zunächst eine gemeinsame Idee von Mirjam Steinbock,
Roland Adlassnigg und mir, mit anderen Menschen zeitgenössische Kunst im
regionalen Raum – mitten im Land – zu zeigen. Das Land Vorarlberg und damals
noch Gottfried Brändle als amtierender Bürgermeister von Altach unterstützten
dieses kühne Vorhaben und setzten Vertrauen in unsere Zusammenarbeit. Ziemlich
bald folgte Markus Giesinger als neuer Bürgermeister, der unsere Ideen mit seinen
herzlichen, gesellschaftsrelevanten Eröffnungsreden an den Vernissagen begleitete
und in den Gemeinderatssitzungen als wichtig hervorhob. Auch die Raiffeisenbank
am Kumma trug anfangs mit, ebenso folgte die Vinothek im Dorf und Peko-
Werbung aus Altach als Fördergebende für die Kunstvermittlung.
Sie alle machten es möglich, dass Begegnungen mit Kunst und den Menschen
nahbar wurden.
Die Inspiration, die Verbindungen und die dazugewonnenen Einsichten, die durch
die vermittelte Kunst bei den Vernissagen entstehen konnten, waren für viele eine
Bereicherung.
Die Galerie Vor-Ort war und ist etwas Lebendiges, Positives, Genderneutrales – ein
kleines Biotop, das mit viel Engagement und Zuverlässigkeit sein künstlerisches
Jahresprogramm umsetzte.
Das kuratierte Programm von Roland Adlassnigg, die klaren und poetischen Texte
sowie die Künstler:innen-Interviews von Mirjam Steinbock – all das setzten wir um:
bei Wind, Regen, Sonnenschein, trotz Coronaregeln. Nichts konnte uns aufhalten.
Mitgetragen wurde diese Begeisterung von allen. Bald erweiterten wir das Team
und wurden mit Nadine Mündlein-Nagel als Finanzfachfrau und Bernhard Moser als
Obmann ein gemeinnütziger Verein.
Was haben wir hier nicht alles erlebt!
Es begann mit Johannes Ludescher („schweres leicht“) und setzte sich fort mit
vielen weiteren Künstlerinnen und Künstler, die diesen Ort jede und jeder auf seine
Art zu einem Juwel der bildenden zeitgenössischen Kunst machten.
Florian Gerer „Exalt“, Kirsten Helfrich „drei Tage Goldlicht“, Wolfgang
Schwarzmann „Just a moment“, Christine Katscher & Ronja Svaneborg „space
around us“, Peter Wehinger „Vergeltsgott“, Manuel Lunardi „Bauch“, Amrei
Wittwer „Nachtei/Immaculata“, Eva Kees „SUPER BONUS – Love is a losing
game”, Alexander Stark „I can see“, Selina Reiterer „2 become 1“, Caro Stark
„Camouflage“, Alois Galehr „Die Arbeit meines Vaters“, Werner Tiefentahler
„Durch und durch Stein“, Martina Feichtinger „Glowin´ in the dark- Seen from
outer Space“, Matthias Guido Braudisch „ChatGPT, schreib mir ein Gedicht über
schwindende Gletscher und eine goldene Rettungsdecke“, Lis Gort
„Burastich“, Gabriele Bösch „ich bat den Baum um ein Wort“, Lukas Weithas &
José Oliveira „I DO NOT HAVE TIME TO WORK“, Uta Belina Waeger „Ulkus mal
ulkig“, Hubert Dobler „Hochsitz“, Klara Vith „The Weather Room“, Claudia Mang
„Anderseits“, Gerhard Skok „Tanz mit mir“, Ulli Knall „invisible eggs for
breakfast“, und derzeit bis 12. Jänner 2026 Mark Mosman mit „Bit by bit the
memories of summer burned into the earth“
Überraschungen gab es viele – die Größte war immer wieder die künstlerische
Umsetzung der Ideen für die drei Fenster zum Weg. Oft zog es mir Gänsehaut auf,
wenn eine neue Ausstellung aufgebaut und mein erster Blick ums Eck mir eine neue
Dimension zum jeweiligen Konzept eröffnete. Die meisten Künstler:innen nahmen
die Herausforderung an und schufen Werke im großen Stil, maßgeschneidert für
den Container. Dabei spielte ihnen Zeit und Mühe kaum eine Rolle. In unserer
gewinnmaximierten Zeit - eine Seltenheit.
Diese künstlerische Umsetzung – der exzellent vielfältigen Werkschauen in den
letzten fast sieben Jahren – fand Beachtung und Anerkennung, Staunen in Radio-
und Fernsehbeiträgen sowie in zahlreichen Zeitungsartikeln.
Eine Journalistin sagte einmal: „Im Fischteich der bildenden Kunst Vorarlbergs
ist die Galerie Vor-Ort nicht groß, aber ein besonders schöner, schillernder,
bunter Fisch, der etwas Einzigartiges darstellt.“
Diese Besonderheit lebt durch die Ideen, den Einsatz und die Unterstützung von
uns allen an jeder Ausstellung mit den dazugehörenden Vor- und Nachbereitungen.
Die Galerie Vor-Ort öffnete sich für niederschwellige Kunst – sozusagen
Kunstgenuss für alle Menschen ohne Eintritt zu bezahlen oder eine hohe Schwelle
zu überschreiten. Sie öffnete sich für verschiedene Stimmungen und Strömungen
der zeitgenössischen bildenden Kunst in einer Form, die immer wieder neue
Formate zeigte.
Wir danken Ihnen von Herzen fürs Dabeisein, für Ihre Unterstützung, fürs Mitwirken
und das Berichten in all den Jahren. Wir danken für die neugierigen, glänzenden
Blicke, fürs Vorübergehen, fürs Stehenbleiben und auch immer wieder für das
herzliche Lachen beim Hineinsehen.
Die Kunst bleibt.
Sie wird weiterhin sichtbar sein – im Vorübergehen, im Stehenbleiben, im Schauen.
Bleiben Sie wachsam.
Bleiben Sie verbunden mit der Galerie Vor-Ort, die Sie mitgetragen haben.
Vielen Dank!
Ihre Verena Leija mit Roland Adlassnigg, Bernhard Moser und Nadine Nagel-Mündlein